Finanzen:Wie man eine faire Bank findet

Neues Klimaschutzgesetz

Eine Windenergieanlage im Sonnenuntergang im Landkreis Oder-Spree. Nachhaltige Banken finanzieren mit ihren Kundeneinlagen oft Vorhaben im Bereich erneuerbarer Energie.

(Foto: Patrick Pleul/dpa)

Immer mehr Menschen wollen ihr Geld nachhaltig und ethisch unbedenklich anlegen. Doch welche Banken werden diesen Ansprüchen gerecht? Fünf Kurzporträts.

Von Marcel Grzanna

Die Finanzindustrie übernimmt eine Schlüsselrolle im Kampf gegen drängende gesellschaftliche Probleme. Als Kapitalgeber für Wirtschaft und Privathaushalte nehmen Banken und Vermögensverwalter unmittelbaren Einfluss auf ökologische, soziale oder technologische Entwicklungen in der Welt. Finanzkrise, Klimawandel und Corona-Pandemie haben vielen Menschen bewusst werden lassen, wie notwendig ein struktureller Wandel des Wirtschaftssystems ist. Seither gewinnen ethische und nachhaltige Geldinstitute immer mehr Kunden. Denn die versprechen mit ihren Geschäftsmodellen mehr Fairness.

Doch auch nachhaltige Banken müssen Geld verdienen. Sie tun dies allerdings nicht, indem sie mit hohen Verzinsungen, üppigen Renditen oder Niedrigzinsen bei Krediten locken. Stattdessen gehen sie einen Mittelweg, der die Kunden unter Umständen zwar mehr Geld kostet als bei herkömmlichen Banken, der aber deren Wunsch erfüllt, mit ihrem Kapital dazu beitragen, die Welt ein kleines Stück besser zu machen. Im Vergleich zu klassischen Kreditinstituten, die ein Massengeschäft betreiben, sind sie gemessen an ihrer Bilanzsumme winzig. Dennoch sollte ihre Wirkung in der Branche nicht unterschätzt werden.

Banken, die hohe Maßstäbe ansetzen, sind jedoch rar. Die Verbraucherzentrale Bremen untersuchte zuletzt Ende vergangenen Jahres 14 Geldinstitute und deren Konzepte von Nachhaltigkeit - übrigens ein Begriff, der weder geschützt, noch durch Mindeststandards definiert ist. Jede Bank darf sich als nachhaltiges Unternehmen präsentieren, selbst wenn der Großteil ihres Geschäfts der Idee völlig widerspricht. Das Ergebnis der Untersuchung: Alle 14 Banken schließen geschäftliche Verbindungen zu Unternehmen aus, die Arbeits- und Menschenrechte verletzen oder Kinderarbeit dulden. Allerdings schließen nur sieben davon Investitionen in fossile Energieträger konsequent aus.

Weitere Ausschlusskriterien sind Unternehmen aus den Branchen Waffen und Rüstung, Atomkraft, industrielle Tierhaltung und Glücksspiel. Lediglich folgende fünf Banken wenden die insgesamt acht Kriterien der Verbraucherzentrale für Eigenanlagen und Kreditvergabe an. Generell sollten Verbraucher auf die Kosten achten und die Obergrenze der Einlagensicherung von 100 000 Euro pro Institut. Vor einem Wechsel sollte geprüft werden, ob die Bank dem eigenen Verständnis von Nachhaltigkeit entspricht und nötige Dienste anbietet.

GLS Bank

Die Genossenschaftsbank aus dem Ruhrgebiet mit rund 80 000 Mitgliedern ist die größte nachhaltige Bank in Deutschland. Inzwischen zählt sie mehr als 280 000 Kunden. Allein im vergangenen Corona-Jahr konnte sie 50 000 Neukunden hinzugewinnen. Von Finanzexperten wird sie daher auch gelegentlich als "Liebling der Öko-Anleger" bezeichnet. Die Einlagen der Mitglieder und Kunden sollen dazu verwendet werden, "neue sozial-ökologische Angebote in unserer Gesellschaft entstehen" zu lassen. Dazu zählen Bereiche wie Erneuerbare Energien, Ernährung, Wohnen, Bildung, Kultur, Soziales und Gesundheit. Ihr Kreditvolumen betrug 4,2 Milliarden Euro, das Gesamtvolumen ihrer Bilanzsumme kletterte um 1,3 Milliarden Euro auf rund acht Milliarden. Sie bietet alle Leistungen einer herkömmlichen Bank wie Girokonten, nachhaltige Fonds, Vorsorgeprodukte.

Ethikbank

"Es wird endlich Zeit, sich von der immer währenden Steigerungslogik abzuwenden und unternehmerischen Erfolg stärker mit ökologischen und sozialen Zielsetzungen zu verbinden", sagte Ethikbank-Gründungsmitglied Klaus Euler, der zum 30. September, nach 29 Jahren Vorstandstätigkeit, die Führung an das neue Vorstandsteam übergab. Das Unternehmen aus Jena in Thüringen ist stolz darauf, dass sie von ihren Kunden laut Umfragen als Hausbank wahrgenommen wird, obwohl sie ausschließlich als Direktbank tätig ist. Beteiligungen und Geschäfte verspricht das Institut unter der Rubrik "gläserne Bank" offenzulegen. 2020 wurde sie vom Deutschen Institut für Service-Qualität zum fünften Mal zur Bank des Jahres gekürt. In allen Servicebereichen erhielt sie die Wertung "sehr gut". Allerdings erinnern Finanzexperten daran, dass derartige Umfrageresultate häufig von den Banken beeinflusst werden können, wenn sie viel Aufwand investieren, um ihre Kunden zum Abstimmen zu bewegen. Das Prädikat nachhaltig verdient sich das Unternehmen laut Verbraucherschützern dennoch. Zur Produktpalette zählen Spareinlagen, Fonds und Privatkredite.

Umweltbank

Die Umweltbank aus Nürnberg ist als einzige ethische Bank an der Börse gelistet. Sie finanziert ausschließlich ökologische Projekte und Vorhaben, bezeichnet sich selbst als Deutschlands "grünste Bank" und wird ihrerseits vom Bundesumweltministerium gefördert. Gegründet wurde sie 1997. Sie verspricht ihren Kunden, dass jeder Euro in nachhaltige Zukunftsprojekte im Einklang mit den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals) fließt. Neben einem Aufsichtsrat leistet sich die Bank auch einen Umweltrat, der als unabhängiges ökologisches Kontrollgremium die Anlage- und Finanzierungsgrundsätze kontrolliert. Das Gremium ist mit ähnlichen Kompetenzen wie der Aufsichtsrat ausgestattet und kann direkt in einzelne Vorgänge und Projekte eingreifen. Die Umweltbank bietet keine Girokonten an, dafür aber Tagesgeldkonten, Festzins-Sparangebote, Fonds und Anleihen sowie Kreditfinanzierungen für bestimmte Bereiche wie Wohn- und Bauprojekte oder Elektromobilität.

ProCredit-Bank AG

Die ProCredit-Bank aus Frankfurt hat ihre Wurzeln in einer Beratungsgesellschaft für Entwicklungs- und Schwellenländer, aus der sie 2013 als Direktbank hervorgegangen ist. Ihre Anlageprodukte bieten Privatkunden die Möglichkeit, kleine und mittelständische Unternehmen in 22 Ländern auf verschiedenen Kontinenten zu unterstützen. Die Bank stellt beispielsweise Kleinkredite in Süd- und Mittelamerika oder im Osten Europas bereit. Die ProCredit-Bank ist eine Verfechterin staatlicher Regulierung. "Ein zuverlässiges, faires Finanzsystem mit gut regulierten und dadurch soliden Banken ist eine entscheidende Voraussetzung für die nachhaltige Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft", heißt es seitens des Instituts. Ein Girokonto bietet das Institut nicht an.

Triodos Bank

Die Triodos Bank hat ihren Hauptsitz in den Niederlanden und ist seit 2010 als Direktbank auch in Deutschland tätig, die ihre Niederlassung in Frankfurt hat. Sie wirbt damit, positive Wirkung in der Welt erreichen zu wollen: zum Beispiel durch Projekte, die freie Bildung, Bio-Lebensmittel oder erneuerbare Energien fördern. 2020 konnten von der Bank finanzierte Projekte 933 Kilotonnen Kohlendioxid einsparen. Drei Viertel der Bilanzsumme floss in die Realwirtschaft. Investoren können Unternehmensanteile in Form von Aktienähnlichen Rechten erwerben. Im Gegensatz zu Aktien werden diese Anteile nicht über einen Börsenplatz angeboten, sondern von einer Stiftung verwaltet und an einem internen Markt gehandelt. Seit Anfang Januar hat die Stiftung den Handel jedoch ausgesetzt und begründet dies mit Unsicherheiten, die besonders durch die Corona-Pandemie provoziert worden sind. Zum Produktportfolio gehören Konten, Sparanlagen sowie Fonds.

© SZ/weka
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