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Erdölförderung in Libyen:Deutschlands fünftwichtigster Lieferant

Diese Unsicherheit lässt deutsche Firmen bangen. Der Energiekonzern RWE-Dea hatte noch Ende 2010 mit dem staatlichen Ölkonzern NOC ein Abkommen zur Ölförderung geschlossen. Nun ist fraglich, was mit dem Vertrag geschehen wird. Man warte ab, sagte ein Sprecher. Seit 2003 ist RWE-Dea in Libyen tätig, zunächst mit der Suche nach Erdölquellen tätig, bis er fündig wurde.

Die BASF-Tochter Wintershall hofft, dass sie bald wieder die Arbeit in Libyen aufnehmen kann. Immerhin hatte der Konzern mit dem libyschen Geschäft einen Gewinn von 70 Millionen Euro nach Steuern erzielt und zuletzt 100.000 Barrel Öl am Tag in Libyen gefördert. Innerhalb weniger Wochen könne die Produktion wieder aufgenommen werden, sagte eine Sprecherin. Doch das hänge von der Infrastruktur und der Sicherheitslage ab.

Unklar ist auch, wie lange es dauert, bis libysches Öl wieder in großen Mengen nach Europa fließt. "Nun muss erst einmal untersucht werden, wie stark die Förderanlagen durch den Bürgerkrieg zerstört worden sind", sagt Leon Leschus vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut HWWI. Die Internationale Energieagentur IEA erwartet, dass Libyen erst 2015 wieder so viel Öl fördert wie vor dem Bürgerkrieg.

Bis zum Ausbruch der Kämpfe war die Ölförderung der wichtigste Wirtschaftszweig des nordafrikanischen Landes. 2009 wurden fast 57 Prozent des libyschen Bruttoinlandsprodukts im Bergbau und mit Erdöl erwirtschaftet, schätzt die Gesellschaft zur Außenwirtschaftsförderung der Bundesrepublik Deutschland, Germany Trade & Invest.

Für Deutschland war Libyen der fünftwichtigste Rohöl-Lieferant. Nur Russland, Großbritannien, Norwegen und Kasachstan lieferten mehr. Nach Angaben des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle flossen im vorigen Jahr 7,3 Millionen Tonnen libysches Erdöl in die Bundesrepublik; das sind knapp acht Prozent der Gesamtimporte. Libyens Öl gilt als besonders hochwertig. Die fehlenden Liefermengen aus Libyen haben dazu beigetragen, dass sich der Ölpreis seit Februar über 100 Dollar hält - und zeitweise bis auf 126 Dollar gestiegen war.

© SZ vom 25.08.2011/kahe
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