bedeckt München 26°

Energiekosten:Heizkosten sinken und sinken - aber nicht mehr lange

Günstig und richtig heizen: Tipps zum Sparen

Die Kosten für Öl und Erdgas sind auch in diesem Jahr sehr niedrig - doch das dürfte sich bald ändern, erwarten Experten.

(Foto: dpa-tmn)
  • Haushalte mussten im Jahr 2016 durchschnittlich 47 Euro im Monat für Wärme ausgeben, so wenig wie lange nicht.
  • Allerdings rechnen Forscher bereits mit wieder steigenden Energiepreisen - und warnen davor, mit Investitionen in Sanierungen zu warten.

Mieter haben dieser Tage nicht gut lachen. Wohnungen sind vielerorts knapp, entsprechend teuer werden sie. Auf 7,90 Euro taxiert das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung derzeit die durchschnittliche Kaltmiete pro Quadratmeter, 4,4 Prozent mehr als 2016. Die Lage könnte noch düsterer sein - wären da nicht die niedrigen Energiekosten. Denn die so genannte "zweite Miete", hinter der sich der Verbrauch von Öl und Erdgas im Heizkessel verbirgt, ist auch 2017 weiter gefallen.

Das geht aus dem neuesten Wärmemonitor des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervor, der diesen Mittwoch vorgestellt werden soll. Er liegt der Süddeutschen Zeitung vor. Demnach sanken die monatlichen Heizkosten im vorigen Jahr noch einmal um knapp sechs Prozent je Quadratmeter. Durchschnittlich mussten Haushalte hierzulande jeden Monat 47 Euro für die Wärme ausgeben, so wenig wie lange nicht. Allerdings versteckt sich in den Zahlen ein wieder gestiegener Energieverbrauch: Er legte witterungsbedingt um zwei Prozent zu. Vor allem der Absatz von Erdgas war im vorigen Jahr gestiegen. Ohne diesen Effekt hätten die Kosten um acht Prozent fallen können - wie auch die durchschnittlichen Preise für die Heizenergie.

Umwelt und Energie Sorge um Sicherheit von smarten Stromzählern
Smart Home

Sorge um Sicherheit von smarten Stromzählern

Intelligente Stromzähler werden bald Pflicht für viele Haushalte. Forscher warnen vor Sicherheitslücken - und dem Risikofaktor Mensch.   Von Eva Wolfangel

Die DIW-Forscher, die für den Monitor jedes Jahr Daten des Zähler-Dienstleisters ista auswerten, schlagen deshalb jetzt schon Alarm. "Die Zeiten sinkender Heizenergiepreise dürften vorbei sein", heißt es in dem Bericht. Die Rohstoffmärkte erwarteten eine "weiter moderate Steigerung des Ölpreises in den kommenden Jahren".

Es könnte also sinnvoll sein, wieder mehr ins Energiesparen zu investieren - wären da nicht, genau, die niedrigen Energiekosten. "Wir beobachten seit einiger Zeit ein sehr niedriges Sanierungsvolumen", sagt Claus Michelsen, einer der Autoren der Studie. "Mindestens in den letzten zwei Jahren würde ich das auch darauf zurückführen, dass von den Energiemärkten weniger Druck kam." Wer etwa derzeit über den Einbau einer Wärmepumpe nachdenke, könne den Gedanken angesichts niedriger Preise für Öl und Gas rasch wieder verwerfen. Das aber wäre falsch, warnt der Bericht.

In Ostdeutschland ist der Energiebedarf deutlich geringer als im Westen

Wie viel unterschiedliche Standards ausmachen, lässt sich aus den Zahlen leicht ablesen. Beispiel Ostdeutschland: Hier liegt der Energiebedarf im Schnitt um fünf Prozent unter dem Westdeutschlands. Weil in den neuen Ländern in den Neunzigern viele Gebäude saniert oder neu errichtet wurden, ist der Verbrauch geringer. Auch macht sich vermehrter Neubau von Wohnungen in der Statistik bemerkbar. So brauchte eine Wohnung in München 2016 im Schnitt 102,8 Kilowattstunden Energie je Quadratmeter - im Ruhrgebiet dagegen waren es mehr als 135 Kilowattstunden.

Entsprechend unterschiedlich hoch ist die "zweite Miete", aber nicht nur wegen unterschiedlicher Gebäudestandards: Die Energiepreise fallen ebenfalls regional weit auseinander, sowohl für Erdgas als auch für Öl. Mit dem Ergebnis, dass ein Haushalt im Allgäu je Quadratmeter nur 4,79 Euro zu zahlen hat, während die Heizkosten im Südwesten Schleswig-Holsteins bei 12,27 Euro liegen. Im Schnitt seien die Heizkosten aber seit 2013 um ein Fünftel zurückgegangen, heißt es.

Trotzdem hinkt Deutschland den eigenen Zielen hinterher. Bis 2020 sollte der Energieverbrauch für Heizungen um 20 Prozent unter den Werten von 2008 liegen. Erreicht sind aber erst gut zehn Prozent. Abhilfe gäbe es, sagt DIW-Ökonom Michelsen. Jenseits der klassischen Dämmung etwa Wärmepumpen oder Solarthermie, oder aber gemeinschaftliche Blockheizkraftwerke für größere Wohnquartiere. "Und man darf nicht vergessen: Wir haben die besten Finanzierungsbedingungen seit langem."

Energie China zapft neuartige Energiequelle am Meeresgrund an

Methanhydrat

China zapft neuartige Energiequelle am Meeresgrund an

Methanhydrat gilt als möglicher Energieträger der Zukunft. Das brennbare Eis schlummert massenhaft in den Ozeanen. Nun melden China und Japan fast zeitgleich einen Durchbruch.   Von Christoph Behrens