bedeckt München

Elon Musk:Schon am 1. April erlaubte Musk sich einen Scherz - war das wieder einer?

In den Stunden nach den Tweets gab es durchaus einige kluge Leute, die überlegten, ob Musk da wieder einen Scherz gemacht hat, wie damals am 1. April. Tesla ist insolvent, schickte er damals über Twitter. Auch das wirkte sich auf den Kurs aus, negativ natürlich. Soll das jetzt wieder ein Scherz sein, um Spekulanten eins auszuwischen, sogenannten Shortsellern, die bei einem steigenden Kurs draufzahlen müssen?

Musk hatte die Spekulation angeheizt, beschrieb - in einem Tweet natürlich - genau dieses Szenario. Am Mittwochnachmittag deutscher Zeit wurde dann deutlich, dass Musk es vergleichsweise ernst zu meinen scheint. Das Tesla-Aufsichtsratspräsidium teilte mit, Musk habe vergangene Woche im Kontrollgremium über dieses Vorhaben gesprochen. Es würde ihm ja auch nutzen, sagt Efraim Levy von der Analysefirma CFRA Research: "Sein Führungsstil ist nicht darauf ausgelegt, mit all den Störgeräuschen umzugehen, die es bei einem börsennotierten Unternehmen nun einmal gibt."

Streng genommen kann Tesla nach dem Abschied von der Börse immer noch vielen unterschiedlichen Aktionären gehören, etwa den Mitarbeitern. Diese müssten ihre Anteilsscheine dann aber auf einer Art Graumarkt kaufen oder verkaufen. Auch frisches Kapital einzusammeln, wäre dann schwierig. In jedem Fall aber müsste sich Musk nicht mehr strengen Börsenregeln und Transparenzpflichten unterwerfen. Hedgefonds und andere Investoren könnten nicht mehr auf einen fallenden Börsenkurs wetten, was Musk stets ärgert.

Das Problem ist allerdings, dass er erst einmal in heftige juristische Auseinandersetzungen verwickelt werden könnte, bevor sein Traum vom Alleinsein Wirklichkeit wird. Vor sieben Wochen hat Musk 72 500 Aktien dazugekauft. Gab es damals schon Pläne zum Rückzug? Und ist die Finanzierung dafür überhaupt gesichert, so wie es Musk seit Dienstag behauptet? Etwa 50 Milliarden Euro würden 80 Prozent der Firma kosten bei einem Kurs von 420 US-Dollar. Die Nachrichtenagentur Bloomberg will immerhin erfahren haben, dass Musk bereits mit einigen chinesischen Banken verhandelt. Auch ein saudi-arabischer Staatsfonds hat jüngst Milliarden investiert - kommt da noch mehr?

Hätte es nicht eigentlich eine Pflichtmitteilung an die Aktionäre geben müssen?

Ein Selbstgänger wird das aber nicht, schließlich macht Tesla noch nicht einmal Gewinne, die nötig wären, um die Zinsen für Bankkredite zu bezahlen. Und hätte es nicht eigentlich eine Pflichtmitteilung an die Aktionäre geben müssen? "Eine so große Finanzierung braucht lange Vorbereitung. Tesla hätte die Pläne daher mutmaßlich schon sehr viel früher per Pflichtmitteilung melden müssen und das nicht lapidar twittern dürfen", sagt Baki Irmak, Gründer des Aktienfonds The Digital Leader. Viele Anleger, die auf den Absturz der Aktie gewettet hätten, seien auf dem falschen Fuß erwischt worden. "Die werden klagen, und das wird eine juristische Schlammschlacht geben", sagt Irmak. Auch deutsche Analysten äußern sich zurückhaltend. "Wir halten die Veröffentlichung einer kapitalmarktrelevanten Information via Twitter für hochgradig fragwürdig. Daher wäre eine Untersuchung durch die US-Börsenaufsichtsbehörde keine Überraschung", sagt Matthias Volkert von der DZ-Bank.

Musks exzessives Twittern könnte ihm dann zum Verhängnis werden, Ende Juni schrieb er zum Beispiel über Short-Seller: "Sie haben noch drei Wochen, bevor ihre Short-Positionen explodieren werden."

Analyst Frank Schwope von der Nord-LB liest keine Tweets von Musk. Bringt ja nichts, sei ja nur Marketing, lieber ruhig bleiben, sagt er. Zumal es unsinnig sei, bis zu 50 Milliarden Dollar in die Hand zu nehmen, "um Aktien von A nach B zu schieben". Lieber solle Musk das Geld nehmen und in die Firma investieren und alsbald mal, in diesem Jahr, in die schwarzen Zahlen kommen. Seine Empfehlung an Aktionäre: Verkaufen! Die Anteile seien mitnichten 420 Dollar wert, sondern nur gut die Hälfte. Guten Morgen, würde Musk das wohl kommentieren.

© SZ vom 09.08.2018/vit
Apple-Filiale in Manhatten, New York

Apple
:Die "Trillion Dollar Company"

Apple meldet mal wieder Rekord-Quartalszahlen und wird zum "Billion-Dollar-Unternehmen". Einige Experten fordern dennoch immer mehr - und es könnte sein, dass Konzernchef Tim Cook das gar nicht mal so unrecht ist.

Von Jürgen Schmieder

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite