E-Auto-Hersteller Elon Musk will Tesla von der Börse nehmen

  • Tesla-Chef Elon Musk sorgt für Verwirrung an der Börse. Überraschend kündigt er an, dass er den Elektroautobauer privatisieren will.
  • Die Reaktion am Aktienmarkt fällt heftig aus. Der Handel des Tesla-Papiers wird vorübergehend ausgesetzt.
Von Janis Beenen und Caspar Busse

Einige wenige Worte auf Twitter haben am Dienstag gereicht, um den Börsenwert des Elektroautobauers Tesla um einige Milliarden Dollar nach oben zu bringen. Am deutlichsten profitierte Großaktionär, Gründer und Vorstandschef Elon Musk selbst. Der hatte zuvor in einem überraschenden Tweet angekündigt, die börsennotierte Firma wieder zu privatisieren. "Ziehe das in Betracht", schrieb er, 420 Dollar wolle er je Aktie zahlen. Und: "Finanzierung gesichert". Nachdem das Papier in kurzer Zeit fast sieben Prozent nach oben ging, wurde die Aktie vorübergehend vom Handel ausgesetzt. Die Aufregung ist groß.

Unklar war zunächst, ob Musk seine Ankündigung ernst meint und wer seine Finanziers sein könnten. Eine Stellungnahme des Unternehmens folgte erst später. Die Meldung erschien aber auf seinem offiziellen Twitter-Account. Und es folgten weitere Mitteilungen: Die Aktionäre, die nicht verkaufen wollten, könnten bei der privatisierten Firma engagiert bleiben, schrieb Musk. Es wäre zudem angenehmer, wenn die Firma privat sei und die "negative Propaganda" beendet würde. Es wäre ungewöhnlich und das erste Mal, dass solche Milliardengeschäfte per Twitter angekündigt würden.

Die Aktie wurde bei einem Kurs von 367 Dollar ausgesetzt, also deutlich unter dem angeblichen Rückkaufpreis von 420 Dollar. Tesla ist nach dem Kursanstieg etwa 60 Milliarden Dollar an der Börse wert, das ist ungefähr so viel wie der deutlich größere Konkurrent BMW aus München. Musk selbst hält etwa 20 Prozent der Papiere. Tesla ging 2010 an die Börse, die Aktie ist seitdem stark gestiegen.

Musk twittert, der saudische Staatsfonds investiert

Zuletzt war Musk auch mit sehr abfälligen Bemerkungen über Aktienanalysten aufgefallen. Deren Fragen bezeichnete er in Telefonkonferenzen als langweilig. "Diese Fragen sind so dröge, sie machen mich fertig", sagte er und verteidigte das später auch noch. Auch auf Kritik von anderen Seiten reagiert er zunehmend dünnhäutig.

Kurz zuvor war am Dienstag bekannt geworden, dass Saudi-Arabien als Aktionär bei Tesla eingestiegen ist. Der Staatsfonds PIF habe mit Hilfe der Großbank JP Morgan am Markt zugekauft und halte drei bis fünf Prozent am Unternehmen, berichtete die Financial Times. Damit hätte der Anteil einen Wert zwischen 1,7 Milliarden und 2,9 Milliarden Dollar. Der Staatsfonds verfügt insgesamt über mehr als 250 Milliarden Dollar an Anlagegeldern und wäre einer der fünf größten Tesla-Aktionäre. Saudi-Arabien sucht international für die hohen Gewinne aus der Ölförderung neue hoffnungsvolle Anlagemöglichkeiten.

Dabei machte Tesla zuletzt hohe Verluste, alleine im zweiten Quartal von 718 Millionen Dollar. Der Umsatz stieg um 40 Prozent auf vier Milliarden Dollar. Zudem gab es große Probleme bei der Produktion. Mitarbeiter wurden von Musk der Sabotage bezichtigt, Führungskräfte gingen von Bord. Tesla geht derzeit auch ein hohes Risiko mit seinem Hoffnungsträger Model 3 ein. Die Produktion des ersten günstigeren Teslas für die breite Masse kostet viel und lief bislang noch nicht wie erhofft.

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