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Elon Musk:Was führt dieser Mann im Schilde?

Tesla Motors Inc. Model X SUV Reveal

Ja mei, was interessiert mich schon die Meinung anderer? Elon Musk, Maschinenbauingenieur, ist mal wieder auf ganz eigenem Kurs unterwegs.

(Foto: David Paul Morris/Bloomberg)
  • Automanager und Finanzanalysten in aller Welt rätseln, ob Elon Musk den Elektroautobauer Tesla wirklich privatisieren will.
  • Allein die Ankündigung über Twitter hat ihn jedenfalls um mehr als eine Milliarde Dollar reicher gemacht.
  • Eine Vorab-Mitteilung an die Aktionäre herausgegeben hat Musk allerdings nicht - was ihm noch bösen Ärger einbringen könnte.

Zwischendrin schickte Elon Musk ein schlichtes "Good morning" über den Nachrichtendienst Twitter: Guten Morgen, ihr Schlafmützen, sollte das wahrscheinlich heißen. Ich, Elon Musk, hab mal wieder eine Idee, die alles verändern kann. Dahinter hatte der Tesla-Chef einen lachenden Smiley gestellt.

Was am Dienstagabend deutscher Zeit kurz davor und danach über sein bevorzugtes Medium lief, hat tatsächlich das Potenzial, etwas zu verändern. So wie seine teuren Elektroautos die Automobilbranche aufgerüttelt haben oder seine Space-X genannten Raketen die Wege ins All zu verbilligen scheinen. Jedenfalls rätseln nun Automanager und Finanzanalysten in aller Welt darüber, was Musk nun schon wieder im Schilde führt. Und weil genügend Fans von seiner Ankündigung begeistert sind, ist die Aktie nach oben geschossen, so sehr, dass der Handel an der US-Börse zwischenzeitlich ausgesetzt werden musste. Was für eine Story, schon wieder.

"Ich denke darüber nach, Tesla für $420 von der Börse zu nehmen. Finanzierung gesichert", hatte Musk am Dienstagabend auf Twitter angekündigt, auf Englisch brauchte er dafür neun Worte. 420 US-Dollar will er demnach den Aktionären pro Aktie zahlen und damit die Anteilsscheine von der Börse wegsammeln. Es wäre ein Rückzug ins Private in einer selten gesehenen Größenordnung. Es hätte zur Folge, dass Tesla weniger kontrolliert wird und Musk sich nicht dauernd rechtfertigen muss für gewagte Ideen und das ständige Geldverbrennen. In einem Brief an seine Mitarbeiter schrieb Musk am Dienstag, eine endgültige Entscheidung sei noch nicht getroffen. Aber ein derartiger Schritt erlaube es dem Unternehmen, "zu seinem Besten zu wirtschaften, frei von Ablenkung und kurzfristiger Denke".

Das sei aus seiner Sicht der vielversprechendste Weg nach vorne. Vor allem auch einer, der wegführt von den ständigen Kritikern, die Musk zuletzt wahlweise auch als "Idioten" oder "Langweiler" bezeichnete. Auf Pressekonferenzen und Bilanzgesprächen ließ Musk immer wieder erkennen, wie sehr ihn Widerspruch nervt. Die Fabrikation des Mittelklassewagens Model 3 hat er ins Laufen gebracht, nach vielen Mühen, ihn freut das. Die Analysten sagen jedoch: Das geht zu langsam, und außerdem sind die Absatzzahlen von Model S und Model X nicht mehr schön. Und wann verdient diese Firma überhaupt Geld? Und wieso bat er Zulieferer jüngst um Preisnachlässe? Musk entgegnete da bisher: Langweilige Fragen!

Zieht er das von ihm mitgegründete und geleitete Unternehmen nun von der Börse zurück, kann er kommunizieren, mit wem er will - oder auch nicht. Musk, 47, ist impulsiv, er hat schon verrücktere Sachen verkündet und dann auch getan. Unvergessen ist zum Beispiel die Geschichte, dass ihn der Verkehr in Los Angeles derart genervt hat, dass er schnell mal die Tunnelfirma "The Boring Company" gegründet hat. Das ist an sich schon ein hübscher Spaß, weil der englische Name doppeldeutig ist, Bohrfirma heißen kann oder Langweilerfirma. Die erste Finanzierung der Boring Company hat er dann unter anderem über den Verkauf von Flammenwerfern gesichert. Ja genau: Flammenwerfer.

Musk gilt als Genie und Wahnsinniger zugleich

Musk, ein studierter Maschinenbauer, der sein Geld mit der Gründung und dem Verkauf des Bezahldienstes Paypal gemacht hat, gilt als Genie und Wahnsinniger, als wahnsinniges Genie, und deshalb traut sich kaum jemand, bei einer neuen Idee oder einem neuen Twitter-Eintrag sofort zu sagen, ob das genial oder wahnsinnig ist. Meistens ist ja tatsächlich beides gleichzeitig möglich. So auch jetzt.

Doch allein schon die Ankündigung, sich von der Börse zurückzuziehen, hatte eine starke Wirkung. Der Aktienkurs von Tesla lag am Dienstagmorgen bei 340 Dollar, das Unternehmen wurde also mit 57,46 Milliarden Dollar bewertet. Musk gehören etwa 20 Prozent. Am Ende des Tages war der Kurs um elf Prozent auf knapp 380 Dollar gestiegen - entsprechend mehr war auch der Anteil des Gründers wert. Musk ist am Dienstag mit seinem Privatflugzeug von Los Angeles aus nach Reno in Nevada gereist, wahrscheinlich ist zur Gigafactory von Tesla. Am Abend flog er nach San José, von dort gelangt man zur Fabrik in Fremont. Dazwischen ist er durch ein paar Tweets um mehr als eine Milliarde Dollar reicher geworden.