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Mobilität:Ford baut Batterieautos in Köln

Große Show: 2019 zeigt Ford den elektronischen Mustang in Hawthorne, Kalifornien. .

(Foto: Mark Ralston/AFP)

Vom Krisenstandort zur Zukunftsfabrik: Ford will in Köln seine erste reine E-Autofabrik in Europa bauen - und von 2030 an keine Verbrenner-Pkw mehr auf dem Kontinent verkaufen.

Von Benedikt Müller-Arnold, Köln

Martin Hennig klingt wirklich erleichtert. "Lange haben wir hier in Köln um eine Zukunft bangen müssen", sagt der Betriebsratschef von Ford. Der gelernte Werkzeugmacher trug mit, dass seit 2019 fast 5000 Stellen bei Ford in Deutschland weggefallen sind. Er hat erlebt, wie die Produktion des Fiesta während der Corona-Pandemie wochenlang stillstand. Umso größer ist nun die Freude. "Ford Köln hat ab heute eine Zukunft", sagt Hennig, "Ford Köln wird elektrisch."

Wofür Betriebsräte und Politiker lange gekämpft haben, ist nun offiziell: Ford will das Kölner Werk für gut 820 Millionen Euro umbauen, um dort künftig auch rein batteriebetriebene Autos zu bauen. Dies sei die größte Investition, die man jemals an dem Standort getätigt habe, teilt der US-Konzern mit. Demnach soll dort in zwei Jahren das erste, rein elektrische Massenmodell von Ford in Europa vom Band laufen. Bislang hatte der Konzern hierzulande zwar Hybridautos im Angebot, aber keine reinen Stromer.

"Wir befinden uns an einem Wendepunkt", sagt Europachef Stuart Rowley. So wolle Ford bald entscheiden, ob ein zweites batteriebetriebenes Modell aus Köln folgen soll. Und von spätestens 2030 an will Ford in Europa nur noch rein elektrische Pkw verkaufen.

Damit reagiert Ford - später als manch anderer Konzern - auf strengere Grenzwerte für den Treibhausgasausstoß von Fahrzeugen in Europa. Zudem fördert der Staat den Kauf von Elektroautos, den Bau von Ladestationen sowie den Umbau der Industrie. So ist der Anteil solcher Autos zuletzt deutlich gewachsen.

Das 90 Jahre alte Werk in Köln hat "eine schwierige Zeit" hinter sich, sagt der Deutschlandchef

Mit dem Zuschlag für die E-Autofabrik hat sich Köln gegen andere Ford-Standorte wie etwa Craiova in Rumänien durchgesetzt. Tatsächlich blickt der Konzern auf eine lange Geschichte im Rheinland zurück. So war Firmengründer Henry Ford 1930 höchst selbst nach Köln gereist, um gemeinsam mit dem damaligen Oberbürgermeister Konrad Adenauer den Baubeginn des Werks am Rhein zu feiern. "Heute legen wir einen weiteren Grundstein", tönt Manager Rowley.

Dabei habe der Standort auch "eine schwierige Zeit" hinter sich, sagt Deutschlandchef Gunnar Herrmann. Ford spürt die allgemein miserable Konjunktur oder den Trend zu mehr Carsharing und weniger Autobesitz. Kleinwagen wie der Fiesta bringen keine so hohen Gewinnmargen ein wie Premiumfahrzeuge. Und Modelle wie der Focus oder der C-Max sind fast ausschließlich für den europäischen Markt gemacht: Fachleute sehen dort kaum Synergien, etwa im Hinblick auf jene Pick-ups, mit denen Ford in Amerika gut Geld verdient.

Nachdem der Konzern 2018 Verluste in Europa eingefahren hatte, hat er seine laufenden Kosten gesenkt. Auch in Deutschland schrumpfte die Belegschaft, auf zuletzt gut 20 000 Beschäftigte - dadurch ist man wieder in den schwarzen Zahlen. Und nun die Investitionsentscheidung zugunsten von Köln: "Ein deutliches Signal der Zuversicht und des Aufbruchs", sagt Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU).

Mit dem neuen Batterieauto dürften die Tage der Fiesta-Produktion gezählt sein

Wie der neue Batterie-Hoffnungsträger auf vier Rädern genau aussehen wird, dazu ließ sich Ford zunächst nicht in die Karten schauen. Die Entwickler in Köln arbeiten noch "mit Hochdruck" an dem Modell, sagt Manager Herrmann.

Klar ist indes, dass Volkswagen am Kölner Stromer mitverdienen wird: Beide Konzerne hatten sich 2019 in Sachen Elektromobilität verbündet. Demnach wird Ford zumindest anfänglich den kompletten Baukasten für kleine Elektroautos - also Unterböden samt Batterie - von VW beziehen. Ob Ford künftig mehr Komponenten selbst fertigen könnte, sei offen, so Herrmann.

Als weiteres rein elektrisches Modell bringt Ford in diesem Jahr ein SUV namens Mustang Mach-E auf den Markt, das freilich kein Massenwagen werden dürfte. Von Mitte 2026 an will Ford in Europa dann nur noch Pkw mit Hybrid- oder Batterieantrieb verkaufen. Einzig Nutzfahrzeuge sollen noch länger mit Verbrennungsmotoren vom Band laufen. Allerdings ist auch in diesem Segment ein rein elektrisch angetriebener "Transit" geplant, hergestellt in der Türkei.

Doch wird das neue, massentaugliche Batterieauto zusätzliche Arbeitsplätze schaffen? Oder allenfalls bestehende retten? Das hänge maßgeblich davon ab, für welchen Zeitraum der Fiesta und das neue Batteriemodell nebeneinander reüssieren werden - und wie lange Kleinwagen mit Verbrennungsmotor überhaupt noch gebaut werden, sagt Betriebsrat Hennig. "Von daher kann man die Frage heute aus meiner Sicht noch nicht beantworten." Für seine Leute ist das freilich schon eine bessere Aussicht, als wenn der Zuschlag für die neue Fabrik nicht nach Köln gegangen wäre.

© SZ
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