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E-Autos:So will China mit Elektromobilität Weltmarktführer werden

Chinas Kader haben eingesehen, dass trotz Dutzender staatlich verordneter Joint Ventures chinesische Firmen beim Verbrennungsmotor technisch nicht aufgeholt haben. Audi, BMW und Daimler liegen vorne und eben nicht Geely, Chery oder Brilliance. Die Elektromobilität bietet eine neue Chance für China, Weltmarktführer zu werden - koste es, was es wolle.

Im vergangenen Jahr wurden nach offizieller Zählung 331 092 Elektrofahrzeuge in China verkauft. Mehr als 90 Milliarden Yuan, umgerechnet zwölf Milliarden Euro, gab der Staat dafür an Subventionen aus. Derzeit zahlt Peking für ein Elektroauto aus chinesischer Produktion einen Zuschuss von etwa 8000 Euro. Und je nach Stadt können noch weitere Subventionen dazukommen.

In den großen Städten sind es für viele Chinesen vor allem praktische Erwägungen, ein E-Auto zu kaufen. Wer in Shanghai oder Peking ein Auto anmelden möchte, braucht Geduld, Geld oder eben ein Elektroauto. Einmal im Monat findet in Shanghai eine Auktion statt. Die Höchstbietenden bekommen dann eine Zulassung. Halter von Elektroautos müssen nicht an der Auktion teilnehmen. Das gilt auch für Peking. In der Hauptstadt werden einmal im Monat Nummernschilder verlost. Nur etwa jeder 700. Bewerber hat Erfolg. Wer ohne Hauptstadt-Plakette in Peking fahren möchte, muss jede Woche eine Ausnahmegenehmigung beantragen. Da sind die Elektroautos eine echte Alternative.

Im Frühsommer verkündete die Regierung forsch, dass im Jahr 2020 etwa 70 Prozent aller in China verkauften E-Autos von rein chinesischen Herstellern stammen sollen. 2025 sollen es dann 80 Prozent sein. Eine Kampfansage.

"Wir setzen darauf, dass China einen verlässlichen Wettbewerb und fairen Marktzugang auch für nicht-chinesische Unternehmen sichert und diskriminierungsfreie Regelungen trifft", fordert VDA-Präsident Matthias Wissmann. "Es ist wesentliches Merkmal einer Marktwirtschaft, dass umweltpolitische Gesetze, Regulierungen oder Fördermaßnahmen für alle Unternehmen gleichermaßen gelten, unabhängig davon, wo sie produzieren oder forschen." Auch die deutsche Botschaft ist bereits bei den chinesischen Behörden vorstellig geworden. So schrieb der deutsche Botschafter im Juni einen Brief an den zuständigen Industrieminister, in dem er sich über einige der geplanten Regelungen sehr besorgt zeigte und um rasche Klärung bat. Die Antwort steht bis heute aus. Viel Hoffnung setzen die Hersteller nun auf den Besuch von Wirtschaftsminister Gabriel. Er soll das Thema am Dienstag in Peking ansprechen. Die Zeit drängt.

© SZ vom 31.10.2016/jana
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