Autoindustrie:Der Erklärer der Autowelt wechselt die Spur

Autoindustrie: Ferdinand Dudenhöffer weiß viel über die Autobranche - und hat sich nun von seinem eigenen Institut getrennt.

Ferdinand Dudenhöffer weiß viel über die Autobranche - und hat sich nun von seinem eigenen Institut getrennt.

(Foto: Jan Schürmann/CAR)

Ferdinand Dudenhöffer, der meinungsfreudige Fachmann aus Bochum, und das von ihm gegründete Forschungsinstitut trennen sich - aber nicht im Guten. Es gibt eine längere Vorgeschichte.

Von Björn Finke, Düsseldorf

Ferdinand Dudenhöffer gilt in Deutschland als "Autopapst", ein durchaus seltsamer Titel. Der emeritierte Betriebswirtschafts-Professor erklärt regelmäßig in Interviews im Fernsehen oder in Zeitungen, wie es seiner Meinung nach weitergeht mit der wichtigen Autobranche und den heimischen Herstellern. Zudem richtet das von ihm mitgegründete "Center Automotive Research" in Duisburg - einprägsam abgekürzt als Car - Kongresse aus und veröffentlicht Studien. Doch das Car und der 72-Jährige haben sich nun getrennt, und zwar im Streit.

Sein zum Jahresende auslaufender Beratervertrag werde nicht verlängert, heißt es in einer Mitteilung von Car. Dudenhöffer bleibe aber "vorerst" Minderheitseigner der Duisburger Beratungsgesellschaft D+S Automotive, die hinter dem Forschungsinstitut steht. Die Mehrheit der Anteile liegt beim D+S-Geschäftsführer Jan Wortberg. Der war früher wissenschaftlicher Mitarbeiter an Dudenhöffers Lehrstuhl und dankt ihm jetzt in der Mitteilung "sehr, sehr herzlich für die vielen Jahre der inspirierenden Zusammenarbeit".

Dudenhöffer wird in der Mitteilung nicht zitiert, was allein schon für ein unharmonisches Auseinandergehen spricht. Der meinungsfreudige Ökonom hat sich zudem gut vorbereitet für ein Leben nach Car: Er hat in Bochum, wo er wohnt, eine eigene Beratungsgesellschaft namens Ferdi Research GmbH gegründet. Die betreibt die Webseite car-institute.com, und dieses "Car Institute" wirbt auf der Seite bereits für Kongresse, die demnächst ausgerichtet werden. Damit macht das neue "Car Institute" dem "Center Automotive Research" direkt Konkurrenz - einem Kongressveranstalter, an dem Dudenhöffer weiterhin Anteile hält.

Car-Chef Wortberg sagte der SZ, Grund für die Trennung seien "unterschiedliche Auffassungen über die künftige Ausrichtung von Car und damit verbunden die weitere Ausgestaltung von Herrn Dudenhöffers Beratervertrag" gewesen. Der Branchenfachmann habe manchmal "quasi freischwebend" agiert und Ideen verfolgt, die ihm - Wortberg - als Geschäftsführer unrealistisch zu sein erschienen und daher nicht umgesetzt worden seien. Wortberg nennt es "befremdlich", dass Dudenhöffer noch während seines laufenden Beratervertrags eine eigene Gesellschaft mit ähnlichem Geschäftszweck gegründet habe.

Dudenhöffer wechselt nicht zum ersten Mal die Spur

Der Gescholtene wiederum sagt auf Anfrage, es sei sein gutes Recht, künftig eigene Kongresse auszurichten. Wortberg will darin aber keine Gefahr für Car erkennen: Alle Forscher und Branchenfachleute seien beim bisherigen Institut geblieben.

Es ist nicht das erste Mal, dass Dudenhöffer seine Aktivitäten auf ein neues Institut oder an einen anderen Ort verlagert. Er etablierte das Car im Jahr 2000 an der damaligen Fachhochschule Gelsenkirchen und nahm es 2009 mit nach Duisburg, als er an die dortige Universität wechselte. An dieser Hochschule schied Dudenhöffer 2020 aus Altersgründen - und im Unfrieden - aus. Er gründete daraufhin das Car außerhalb der Universität neu. Die Hochschule benannte ihr Institut wiederum in "Motion" um und richtete es breiter aus. Jetzt steht der nächste Spurwechsel des umtriebigen Autopapstes an.

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