Donald Trump Trump bittet die Dax-Bosse zum Rapport

Shakehands: SAP-Chef Bill McDermott (links) und Siemens-Chef Joe Kaeser durften direkt neben dem Präsidenten sitzen.

(Foto: AP)
  • Der US-Präsident lud am Donnerstagabend 15 europäische Firmenchefs zum Dinner, darunter die Vorstandsvorsitzenden von Siemens, Bayer und Thyssenkrupp.
  • Die Stimmung ist schnell ziemlich locker, was vor allem an den gegenseitigen Schmeicheleien liegt.
Von Thomas Fromm, Davos, und Ulrich Schäfer

Die Menschen, die in diesen Tagen durch den hohen Schnee des Schweizer Ski-Ortes Davos stapfen und beim Weltwirtschaftsforum von einem Meeting zum nächsten laufen, haben einen einheitlichen Begriff für das, was sie hier tun: Speeddating. Meistens erfährt man nicht, wer hier eigentlich wen datet. Erfährt man es aber doch, dann kann die Konstellation des Treffens sehr aussagekräftig sein.

So wie am Donnerstagabend. Da bittet US-Präsident Donald Trump zum Abendessen, und es kommen die Vorstandsvorsitzenden von 15 europäischen Unternehmen, darunter etliche aus Deutschland. Trump will von ihnen vor allem eines wissen: Was sie von seiner Steuerreform halten und wie viel Geld sie denn nun in den USA zu investieren gedenken.

Es ist ein kurioses Treffen. Vom Ablauf her erinnert es an jene Kabinettssitzung im vorigen Jahr, bei der Trump seine Minister nacheinander erklären ließ, wie großartig sie ihren Präsidenten finden. "Es lief nach dem amerikanischen Modell ab", heißt es aus Teilnehmerkreisen. Will heißen: Man geht der Reihe nach, einer nach dem anderen muss dem Präsidenten berichten. Oder besser: Rapport erstatten. Trump fragt, die Manager antworten. Und sie hoffen, dass dem Präsidenten die Antwort gefällt.

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Genau wie bei der Kabinettssitzung ist auch beim Treffen mit den europäischen Bossen das Fernsehen dabei. Trump leitet das Treffen mit einer Schmeichelei ein: Einige der größten Manager der Welt säßen mit ihm am Tisch, und zwar von einigen der großartigsten Unternehmen der Welt. Er spricht von "viel Wärme und Respekt für unser Land". Und fügt hinzu: "Viel Geld, Milliarden und Milliarden von Dollar kommen in die USA".

Offenkundig setzt der US-Präsident dabei insbesondere auf die deutschen Unternehmen: Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser sitzt zu seiner Linken, SAP-Chef Bill McDermott zu seiner Rechten, Bayer-Boss Werner Baumann, der sich gerade um den Kauf des amerikanischen Saatgutherstellers Monsanto bemüht, sitzt Trump gegenüber.

"Sagen Sie ein paar Worte zu Ihrem Unternehmen und was auch immer Sie machen möchten", fordert der Präsident die Manager auf. Als Erster ist Kaeser dran: "Ich arbeite für Siemens, wir haben 56 000 Leute, die in den USA arbeiten", sagt er und macht mit einem Kompliment weiter: "Herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Steuerreform." Dem Präsidenten gefällt das Understatement des Siemens-Chefs: "Er sagt, er arbeitet für Siemens, aber er ist in Wahrheit der Präsident von Siemens." Kaeser entgegnet: "Und Sie arbeiten für Ihr Land?" Daraufhin Trump: "Ja, wir arbeiten für unser Land. Das ist genau das Gleiche."

Die Atmosphäre ist jetzt gelockert. Und so fährt Kaeser an Trump gewandt fort: "Weil Sie so erfolgreich waren mit der Steuerreform, haben wir uns entschlossen, unsere nächste Generation von Gasturbinen in den USA zu entwickeln". So was gefällt dem Präsidenten: "Oh, das ist eine große Sache. Das ist fantastisch."

Zwanzig Minuten lang geht es einmal rund um den Tisch, jeder der Vorstandschefs darf ein, zwei Minuten reden. Adidas-Chef Kasper Rørsted sagt, sein Unternehmen wachse in den USA stark, Werner Baumann, der Bayer-Chef, berichtet von der Übernahme des Saatgutherstellers Monsanto, die in diesem Jahr abgeschlossen werden soll. "Werden Sie in den USA investieren?", fragt Trump. "Ja, das werden wir", sagt Baumann. Der Präsident ist zufrieden: "Danke, das ist wirklich sehr gut." Hinzufügen möchte Trump dann auch noch, dass er jeden Tag eine Aspirin zu sich nimmt - klar, ein besseres Kompliment kann man dem Bayer-Chef kaum machen.

Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger berichtet, wie erfolgreich sein Unternehmen beim Bau von Aufzügen ist, auch in den USA. Präsident Trump - oder in dem Falle: der Immobilien-Unternehmer Trump - ist darüber natürlich im Bilde. "Ein großartiges Produkt. Ich nutze Ihr Produkt, wie Sie wissen."

Donald Jr. fand das Treffen "awesome"

Zu dem Termin sei sehr kurzfristig eingeladen worden, erst im Laufe der Davos-Woche, heißt aus dem Kreis der Teilnehmer nachher. Und für den Präsidenten hat sich das Treffen dem Vernehmen nach gelohnt. "Man hat gespürt, das Trump sich unter Managern wohler fühlt als unter Politikern", sagt einer, der dabei war. Sohn Donald Jr. kommentierte die Bilder, die Trumps bevorzugter TV-Sender Fox News verbreitet, auf Twitter kurz und knapp mit "awesome", auf deutsch: fantastisch.

Wären die deutschen Manager am Donnerstagabend an einem anderen Ort gewesen, hätten sie eine ganz andere Geschichte über den Präsidenten hören können, der sie so freundlich befragte und dem sie so höflich antworteten. Zum Beispiel, wenn sie beim Dinner dabei gewesen wären, zu dem der Investor George Soros einlud. Er zeichnete ein düsteres Bild und warnte vor einem bevorstehenden Atomkrieg und dem möglichen Untergang der Zivilisation. Er warf Trump vor, er wolle, ähnlich wie Wladimir Putin in Russland, einen "Mafia-Staat" schaffen - doch zum Glück stehe dem die amerikanische Verfassung im Wege. Trump und seine Regierung seien "eine Gefahr für die Welt". Aber Soros meint auch: "Ich sehe das als ein vorübergehendes Phänomen an, das im Jahr 2020, oder vielleicht sogar früher, wieder verschwinden wird."

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