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Deutsche Bank:Neue grüne Ziele

Wintershall Dea

Die Deutsche Bank treibt nachhaltige Finanzierungen und Kapitalanlagen voran. Die Förderung von Rohöl gehört nicht dazu.

(Foto: dpa)

Die Deutsche Bank will ihre Nachhaltigkeitspläne nun schon früher erreichen. Nichtregierungsorganisationen kritisieren die Ziele dennoch als "ambitionslos".

Von Meike Schreiber, Frankfurt

Die Deutsche Bank will beim Klima- und Umweltschutz aufholen und ihre Nachhaltigkeits-Ziele nun schon früher erreichen. Bis Ende 2023 plant das Geldhaus mehr als 200 Milliarden Euro an nachhaltigen Finanzierungen und Anlagen zu erreichen - zwei Jahre früher als zunächst avisiert. "Wir müssen schnellstmöglich von Ambition zu Wirkung kommen", sagte Konzernchef Christian Sewing am Donnerstag auf einer Nachhaltigkeitsveranstaltung des Konzerns. Seit Verkündung des 200-Milliarden-Ziels sei die Bank deutlich besser vorangekommen als erwartet. Ende des ersten Quartals sei die Deutsche Bank auf nachhaltige Finanzierungen und Kapitalanlagen von 71 Milliarden Euro gekommen, so Sewing.

Mitte vergangenen Jahres hatte die Bank das Ziel ausgegeben, das Volumen an nachhaltigen Finanzierungen und den Bestand an verwaltetem Vermögen in Anlagen, die Kriterien wie Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung zu erfüllen (englisch: ESG) bis Ende 2025 auf insgesamt mehr als 200 Milliarden Euro steigern zu wollen. Von dem angestrebten Gesamtvolumen bis 2023 sollen nun 86 Milliarden Euro auf die Privatkundenbank entfallen, 30 Milliarden Euro auf die Unternehmensbank und 105 Milliarden Euro auf die Investmentbank. In allen Geschäftsbereichen sollen ESG-Angebote zum Standard werden.

Galt ESG vor einigen Jahren noch als schmückendes Beiwerk, hat das Thema längst alle Bereiche des Finanzmarktes erfasst. Als Herzkammern der Kapitalmärkte sind Banken mit Blick auf deren Einfluss auf den Klimawandel mindestens genauso wichtig wie Industriekonzerne. So müssen Geldhäuser in der Euro-Zone laut der EZB-Bankenaufsicht schon bald ihre Risiken aus dem Klimawandel für ihre Geschäfte stärker berücksichtigen. Ein Institut wie die Deutsche Bank steht dabei aber freilich vor dem Dilemma, dass es angesichts nach wie vor hoher Kosten dringend auf Erträge angewiesen ist, um ihr Gewinnziele zu erreichen. Da fällt es schwerer verantwortungsvoll zu wirtschaften. Andererseits lässt sich mit ESG inzwischen auch Geld verdienen: Banken arrangieren etwa spezielle Anleihen, deren Zinshöhe davon abhängt, ob Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsziele einhalten. Anleger fragen zugleich immer mehr ESG-Anlageprodukte nach.

Nichtregierungsorganisationen gehen die Pläne indes nicht weit genug. "Die Deutsche Bank macht hier aus einer Fliege einen Elefanten", sagte Magdalena Senn, Expertin für Sustainable Finance beim Verein Finanzwende. Die angekündigten 200 Milliarden Euro an nachhaltigen Finanzierungen bis 2023 machten gerade einmal 15 Prozent der heutigen Bilanzsumme der Bank aus. "Das ist ambitionslos. Angesichts einer Volkswirtschaft in der Transformation ist es eher verwunderlich, dass die Deutsche Bank nicht schon heute mehr Nachhaltiges finanziert". Tatsächlich sind Banken wie die französische BNP Paribas bereits deutlich weiter als die Frankfurter, internationale Institute wie JP Morgan sogar längst enteilt.

"Mit dieser Augenwischerei wird die Deutsche Bank der Klimakrise nicht gerecht"

"Die Deutsche Bank möchte sich Schritt für Schritt von der Kohle als Energieträger lösen", sagt Thomas Küchenmeister von der bankenkritischen Organisation Facing Finance. Das Geldhaus lasse aber noch viele Ausnahmen zu und gebe insgesamt ein zu wenig ambitioniertes Bild ab. In einer Studie der Organisation schneide die Deutsche Bank gegenüber 2019 kaum verändert und nach wie vor sehr schwach ab.

Die Organisation Urgewald wirft der Deutschen Bank sogar "Opportunismus" vor. "Mit dieser Augenwischerei wird die Deutsche Bank der Klimakrise nicht gerecht", sagt Regine Richter von Urgewald. Gleichzeitig hielte sie an fossilen Geschäften fest. Zum Beispiel werde sie den Börsengang von Wintershall DEA organisieren, der seine Öl- und Gasgeschäfte "entgegen jeder Klimavernunft" um 30 Prozent steigern wolle. Die Kundenliste der Deutschen Bank ließe sich ergänzen um Namen wie ExxonMobil, Glencore oder Chevron. "Womit die Deutsche Bank viel bewegen würde, wären schärfere Ausschlussregeln für fossile Kunden". Ihre im vergangenen Jahr verkündeten Regeln für den Kohle-, Öl- und Gassektor seien im Vergleich zu Konkurrenz aber viel zu schwach.

© SZ
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