Deutsche Bank Den Aktionären der Deutschen Bank fehlt der Biss

Die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt

(Foto: picture alliance / Arne Dedert/d)

Die Eigentümer der kriselnden Bank hätten dem Aufsichtsrat einen Denkzettel verpassen müssen. Doch es kam anders. Das liegt auch daran, wie die Deutschen sparen.

Kommentar von Meike Schreiber

Quälende zehn Stunden und 30 Minuten zog sich die Hauptversammlung der Deutschen Bank an diesem Donnerstag hin. In mehr als 60 Wortmeldungen rechneten Profianleger, Privataktionäre und Umweltaktivisten mit Strategie und Geschäftsgebaren des größten deutschen Geldhauses ab. Kein Wunder, denn unter der Führung von Aufsichtsratschef Paul Achleitner hat sich das Institut zuletzt auf beispiellose Art selbst zerlegt. Die Strategie der globalen Investmentbank, die überall mitspielen will - sie führte ins Nirgendwo. Der neue Vorstandschef Christian Sewing, der vierte in sechs Jahren, legte in seiner Rede dar, wie er knallhart durchgreifen will, doch schon währenddessen ging es mit dem Aktienkurs weiter steil bergab.

Wer nun aber erwartet hätte, die Aktionäre würden Achleitner reihenweise das Vertrauen entziehen, wurde enttäuscht. Die Hauptversammlung war damit ein erneuter Beweis, wie schlecht es um die Aktionärsdemokratie in Deutschland bestellt ist. Immerhin 84 Prozent sprachen dem Österreicher am Donnerstagabend die Entlastung aus. Das mag kein Traumergebnis sein; üblich sind bei Hauptversammlungen Zustimmungen von mehr als 90 Prozent. Aber ein echter Denkzettel war es nicht.

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Schon wieder eine Panne: Ein Mitarbeiter der größten deutschen Bank hat 2014 viel Geld auf ein Konto geschickt, das dort nicht hingehörte.

Ähnlich lief es unlängst bei der Deutschen Börse. Deren Aktionäre wählten den umstrittenen Aufsichtsratschef Joachim Faber nach der Insideraffäre seines Vorstandschefs Carsten Kengeter sogar mit mehr als 95 Prozent wieder. Im Fall der Börse haben einflussreiche Aktionäre aber zumindest im Hintergrund so viel Druck gemacht, dass Faber seinen baldigen Rückzug in Aussicht stellte.

Bei der Deutschen Bank haben die Anteilseigner diese Chance verpasst. Sie hätten in dieser Woche für einen wirklichen Neuanfang sorgen können. Sie hätten zumindest auf eine mittelfristige Nachfolgesuche für Achleitner dringen müssen. Der Aufsichtsratschef selbst wird aus dem Ergebnis jedenfalls nicht den Schluss ziehen, das zu tun. Er ist bis 2022 gewählt und will beweisen, dass die Bank auf dem richtigen Weg ist.

Verantwortlich für das gefährliche Laisser-faire bei Europas systemrelevantester Bank sind die beiden klandestinen Großaktionäre aus China und Katar. Sie halten mutmaßlich rund fünfzehn Prozent der Stimmrechte. Sie dominieren die Ergebnisse der in der Regel schlecht besuchten Hauptversammlung der Bank. Welche Absichten sie mit ihrem Investment verfolgen, wie viele Stimmrechte sie wirklich haben - kaum einer weiß das so genau, womöglich noch nicht einmal die Finanzaufseher bei Bafin und EZB. Letztere halten sich lieber die Augen zu mit dem Verweis, sie müssten laut den Regeln nicht so genau hinsehen, solange ein Aktionär weniger als zehn Prozent an einer Bank hält.

Es rächt sich, dass der Aktienbesitz in Deutschland so schwach ausgeprägt ist

Mitverantwortlich ist aber auch Blackrock, einer der größten Einzelaktionäre der Bank. Dank seiner unzähligen Aktienfonds ist der US-Fondsriese an fast allen großen Unternehmen weltweit beteiligt, nimmt seine Verantwortung aber eher zögerlich wahr. Achleitner hat man nun offenbar erneut entlastet, wahrscheinlich in einer Mischung aus Gleichgültigkeit und Resignation. Für einen Fonds wie Blackrock gibt es eben noch zahlreiche andere wichtige Unternehmen.

Hier rächt sich einmal mehr, dass der Aktienbesitz in Deutschland so schwach ausgeprägt ist. Fast die Hälfte des Grundkapitals der Deutschen Bank liegt im Ausland. Dort wird nun entschieden, wie es mit dem Geldhaus weitergeht. Das jedoch ist gefährlich. Gelingt der Bank nicht bald die Wende, wird das Rating sinken, der Aktienkurs weiter fallen. Man will es nicht beschreien, aber im schlimmsten Fall ist das Geldhaus dann eben nicht mehr nur ein Problem der Aktionäre und Mitarbeiter - sondern auch der Finanzaufsicht und der Steuerzahler.

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