Deutsche Bahn:Die Bahn ist längst nicht nur auf der Schiene unterwegs

Die langen Debatten hätten Grube jedoch dünnhäutiger werden lassen, sagt ein Vertrauter. Dass führende Aufsichtsräte von der Wirtschafts- und Arbeitnehmerseite sich nun plötzlich nicht mehr an frühere Verabredungen halten wollten, habe Grube extrem verärgert. Um das Gesicht zu wahren, sei ihm nichts anderes übrig geblieben, als zu gehen, heißt es. Auch wenn es letztlich nur um ein Jahr Amtszeit gegangen sei. "Aufsichtsräte hätten ahnen können, dass Abweichungen Turbulenzen auslösen", sagt ein Vertrauter Grubes. Doch offenbar ahnte niemand etwas. Auch einen Vorstoß aus dem Verkehrsministerium, den Beschluss zu vertagen, lehnte Grube ab. Das Ministerium sei sehr verärgert über die Vorgänge im Aufsichtsrat, hieß es.

Über die Nachfolge Grubes entscheidet nun die Bundesregierung. Doch wer Grube folgt, ist völlig unklar. "Einen Plan B hat keiner", sagte ein Aufsichtsrat der Süddeutschen Zeitung. Als möglicher Kandidat gilt Ex-Kanzleramtschef und CDU-Politiker Ronald Pofalla, der seit 2015 bei der Bahn ist und inzwischen im Vorstand den Bereich Infrastruktur verantwortet. Aus dem Aufsichtsrat verlautete allerdings, Pofalla sei nicht gesetzt. "Wir schauen uns jetzt alle Namen an."

Zumal Widerstand von der SPD kommen dürfte. Sie meldete umgehend ein Mitspracherecht an. Über die Besetzung des Postens werde in der Koalition entschieden, sagte der designierte Parteichef Martin Schulz. Der Posten des Bahnchefs gilt als einer der schwierigsten in der deutschen Wirtschaft. Kaum jemand ahnt, was für ein Riesenreich Grube aus seinem Büro mit Blick auf das Bundeskanzleramt und den größten deutschen Bahnhof gesteuert hat: 40 000 Züge, genauso viele Busse und Tausende Lkw.

Grube ist ein Netzwerker

Die Bahn ist zum internationalen Logistikkonzern mit Geschäften in 130 Ländern geworden. Erschwert wird die Arbeit des Bahnchefs durch den Einfluss der Politik. Bis heute sei unklar, was der Bund als Eigentümer der Bahn eigentlich mit dem Staatsunternehmen wolle, klagen führende Bahn-Manager: Soll der Konzern möglichst hohe Gewinne einfahren oder möglichst günstig auf möglichst vielen Strecken möglichst viele Menschen von A nach B bringen?

Grube kämpfte noch mit weiteren immensen Problemen: Stuttgart 21, geplatzte Börsengänge, Baustellenpannen: Zwar musste immer mal wieder ein Vorstand gehen. Doch bislang brachte keine der vielen Turbulenzen den Konzernchef selbst in ernste Schwierigkeiten. Dass Grube sich immer wieder aus bedrohlichen Situationen retten konnte, hatte viel mit seiner Fähigkeit zum Netzwerken zu tun. In kaum einem anderen Konzern ist das so wichtig wie bei der Deutschen Bahn und ihren kurzen Drähten in die Politik. Trauzeuge bei seiner Hochzeit mit Fernsehköchin Cornelia Poletto vor zwei Jahren war der designierte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD).

© SZ vom 31.01.2017/jps
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