Deutsche Bahn:Uneinholbar

Ferienbeginn - Reiseverkehr Hauptbahnhof Frankfurt am Main

Mittlerweile verreisen wieder mehr Menschen mit der Bahn.

(Foto: Arne Dedert/dpa)

Die Züge der Deutschen Bahn füllen sich langsam. Trotzdem bleibt der Konzern tief in den roten Zahlen. Und es drohen noch ganz andere Probleme.

Von Michael Bauchmüller, Berlin

Richard Lutz überlässt nichts dem Zufall. Am Donnerstag präsentiert der Bahnchef die Halbjahreszahlen seines Konzerns, seine Leute hat er dafür eine nette Präsentation basteln lassen, mit Fotos aus wirklich sehr schicken Zügen. Die Sache hat nur einen Haken: Die Züge sind fast alle leer. Was wiederum Lutz' größtes Problem der letzten Monate gut illustriert.

Vor allem im Fernverkehr hat die Pandemie auch im ersten Halbjahr 2021 tiefe Spuren hinterlassen. 27 Millionen Reisende transportierte die weiße Flotte der Bahn. Vor der Pandemie, im ersten Halbjahr 2019, reisten noch fast 72 Millionen mit den Fernzügen der Bahn. Allein der Fernverkehr fuhr so über eine Milliarde Euro Verlust ein, und besonders pünktlich waren ICs und ICEs auch nicht - mehr als jeder fünfte Fernzug kam verspätet an. Aber: Es gibt Hoffnung.

"Jüngste Zahlen", sagt Lutz, "stimmen optimistisch." So legten sowohl Fern- als auch Regionalverkehr zu. "Die Menschen wollen wieder Bahn fahren." Mittlerweile seien auch Fernverkehrszüge zu 40 Prozent ausgelastet, "Tendenz steigend".

Die wachsende Bedeutung des Klimaschutzes ist eine Chance für die Bahn

Die Zahlen für das laufende Jahr wird das aber nicht mehr rausreißen. Der Staatskonzern rechnet weiterhin mit zwei Milliarden Euro Verlust. Allein im ersten Halbjahr lag der operative Verlust bei 975 Millionen Euro - allerdings war der im ersten Halbjahr 2020 noch fast doppelt so hoch gewesen. Und ausgerechnet die Speditions- und Logistik-Tochter Schenker, deren möglicher Verkauf immer mal wieder im Gespräch war, verhinderte Schlimmeres: Sie steuerte 627 Millionen Euro Gewinn bei. Der Güterverkehr auf der Schiene hingegen, DB Cargo, machte abermals mehr als 200 Millionen Euro Verlust. Dabei gilt er als klimafreundliche Alternative zur Straße, und im Klimaschutz sieht auch Lutz eins der großen Potentiale des Konzerns. Man wolle "mehr Angebote für nachhaltiges Leben" machen, sagt er.

Das Klima hat den Konzern gerade erst zurückgeworfen - mit milliardenschweren Schäden rund um die Flutkatastrophe, an Gleisen, Brücken, Zügen, Bahnhöfen. Allein 12,7 Milliarden Euro habe die Bahn in diesem Jahr für Investitionen eingeplant, verspricht auch Lutz' Präsentation. Und in einer Fußnote: "Diese Werte beinhalten noch nicht die Beseitigung der Hochwasserschäden." Für die Bahn freilich ist die Flut auch ein Argument, nun erst recht auf eine klimafreundlichere Mobilität umzuschwenken.

Bleibt noch eine andere Großbaustelle: Der Streit mit der Lokführergewerkschaft GDL. Die weist just am Donnerstag ein Angebot der Bahn zurück, mit dem das Miteinander von GDL und der Eisenbahner-Gewerkschaft EVG neu geregelt werden sollte. "Es handelt sich hierbei wieder nur um die x-te Neuauflage der sattsam bekannten Taktik 'Tarnen, Tricksen, Täuschen'", sagt GDL-Chef Claus Weselsky. Erst wolle man über einen neuen Tarifvertrag sprechen, dann über alles weitere. Mit Forderungen freilich, die Finanzvorstand Levin Holle am Donnerstag "völlig überzogen und weltfremd" nennt. Die Urabstimmung zum Streik läuft schon.

© SZ
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