Deutscher Aktienindex:Panzer und Nivea statt Essenslieferungen

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Deutscher Aktienindex: Jahrelang waren Panzer böse. Und jetzt wird die Ukraine angegriffen, die gesamte westliche Demokratie bedroht, und aus bösen Panzern werden gute. Hier ein "Puma" der Bundeswehr bei einer Übung.

Jahrelang waren Panzer böse. Und jetzt wird die Ukraine angegriffen, die gesamte westliche Demokratie bedroht, und aus bösen Panzern werden gute. Hier ein "Puma" der Bundeswehr bei einer Übung.

(Foto: Philipp Schulze/dpa)

Im Deutschen Aktienindex Dax gibt es voraussichtlich einen Wechsel: Rheinmetall und Nivea-Anbieter Beiersdorf steigen auf und ersetzen Heidelberg-Cement und Delivery Hero.

Von Caspar Busse

Als Krisengewinnler will sich Armin Papperger nicht gerne bezeichnen, das klinge sehr negativ, sagte kürzlich der Vorstandsvorsitzende des Düsseldorfer Rüstungskonzerns Rheinmetall. "Wir sind ein Krisenhelfer, würde ich lieber sagen", fügte er dann im SZ-Interview an. Fest steht aber doch, dass Rheinmetall seit dem brutalen Überfall Russlands auf die Ukraine sehr gefragt ist. Deutschlands größter Rüstungskonzern, der unter anderem Panzer wie den Leopard und den Marder produziert, kann nun mit vielen neuen Aufträgen rechnen, seit Bundeskanzler Olaf Scholz eine "Zeitenwende" verkündete und 100 Milliarden Euro in die Bundeswehr investieren will.

Profitiert hat von den Aussichten auch der Aktienkurs von Rheinmetall, der deutlich nach oben ging - und nun voraussichtlich zu einer Beförderung führen wird. Rheinmetall könnte in den Dax-40 der größten deutschen börsennotierten Aktiengesellschaften aufrücken. Die Deutsche Börse prüft gerade. Die neue Index-Zusammensetzung soll am 3. Juni verkündet werden.

Nach jetzigem Stand wird neben Rheinmetall auch Beiersdorf in den Dax zurückkehren. Vor etwas mehr als einem Jahr war der Hamburger Konsumgüterhersteller, der unter anderem mit Nivea am Markt ist, also das Comeback feiern können. Weichen müssen im Dax-40 wohl der Bauindustrie-Zulieferer Heidelberg-Cement, hinter Holcim zweitgrößte Zementproduzent der Welt, und der Essenslieferant Delivery Hero. Das Unternehmen aus Berlin, das mit Lieferdiensten in aller Welt, aber nicht in Deutschland aktiv ist und im Mai 2011 unter anderem von Firmenchef Niklas Östberg gegründet wurde, war ohnehin in der Kritik. Die Firma ist seit 2017 an der Börse und stieg 2020 in den Dax auf, damals als Ersatz für das Skandalunternehmen Wirecard, das in die Insolvenz gegangen war. Negativ nahmen es Anleger auf, dass Delivery Hero bislang seit der Gründung keine Gewinne erwirtschaftet hatte - ein Novum im Dax.

Möglicherweise kommt auch die Commerzbank zurück

Daneben kann sich offenbar auch die Commerzbank, die einst Gründungsmitglied des Dax war, Hoffnungen auf eine Rückkehr in den deutschen Leitindex machen. Kommt die Frankfurter Großbank zurück, würde sie wohl den Berliner Kochbox-Versender Hellofresh ersetzen. Dieser war auch erst kürzlich aufgenommen worden, Hellofresh profitierte stark von Corona-Pandemie. Seit September 2021 sind 40 statt zuvor jahrzehntelang 30 Börsenunternehmen im Dax gelistet.

Die Änderungen werden zum 20. Juni wirksam. Für ihre Index-Überprüfung erstellt die Deutsche Börse eine Rangliste gemäß der Marktkapitalisierung des Streubesitzes. Basis hierfür ist der jeweils letzte handelsgewichtete Durchschnittskurs des Monats, der dem Überprüfungstermin vorangeht.

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