Corona-Pandemie:Bundesliga gerät in wirtschaftliche Krise

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FC Schalke 04 - Borussia Dortmund

Keine Besucher in Gelsenkirchen: Fußballbundesligist Schalke 04 steht sportlich und wirtschaftlich vor dem Abstieg.

(Foto: Martin Meissner/dpa)

Mehr als 15 Jahre lang sind die Zahlen im Bundesligafußball nur nach oben gegangen. Doch jetzt gibt es wirtschaftlich einen herben Rückschlag - und das Schlimmste kommt noch.

Von Caspar Busse

Geschäfte, Restaurants, Bars, Theater, Museen und Kinos - alles ist seit Monaten geschlossen. Viele Betriebe haben ernste Probleme oder stehen sogar vor dem Aus. Doch es gibt eine große Ausnahme, die bei einigen durchaus für Unmut sorgt: Der Ball in der Fußballbundesliga rollt immer weiter. Die 36 Vereine der ersten und zweiten Bundesliga spielen Woche für Woche, wenn auch seit einem Jahr in leeren Stadien. Die Geisterspiele erfreuen sich trotzdem hoher Beliebtheit - fast Business as usual. Manche halten das für ungerecht, die Fans jedoch freuen sich. Nach Schätzungen interessieren sich etwa 50 Prozent der Deutschen für Fußball.

Und trotzdem hinterlässt die Pandemie auch im Fußball erhebliche wirtschaftliche Spuren. Der addierte Umsatz der 18 Erstliga-Vereine lag im vergangenen Jahr 2019/20 unter dem Vorjahresniveau - zum ersten Mal seit 2003/04. Zum ersten Mal seit neun Jahren erwirtschafteten die Vereine in der Summe auch rote Zahlen. Das geht aus dem alljährlichen Wirtschaftsreport der Deutschen Fußball Liga (DFL) hervor, den DFL-Chef Christian Seifert am Dienstag veröffentlichte. "Die Corona-Krise hat weltweit mit ihrem gewaltigen Ausmaß alle Lebensbereiche unvorbereitet getroffen, so auch den deutschen Profifußball", schreibt Seifert und warnt, dass es noch schlimmer kommen wird.

Im ersten Lockdown im vergangenen Frühjahr war auch die Bundesliga für fast zwei Monate eingestellt worden, doch dann wurde der Spielbetrieb unter einem strengen Hygienekonzept schnell wiederaufgenommen - allerdings ohne Zuschauer. Die Ticketeinnahmen fehlen den Vereinen, gut 200 Millionen Euro in der vergangenen Saison, als neun Spieltage ohne Zuschauer gespielt wurden.

In der laufenden Saison drohen den Profiklubs noch höhere Verluste, voraussichtlich werden Einnahmen von mindestens einer halben Milliarde Euro fehlen. Ticketeinnahmen machen bis zu 30 Prozent des gesamten Umsatzes von Fußballvereinen aus. Auch der Transfermarkt, eine wichtige Finanzierungsquelle für viele Klubs in der Bundesliga, ist eingebrochen. Der Grund dafür ist auch hier: weil Vereine in allen europäischen Ländern unter der Krise leiden. Sponsoreneinnahmen und die Erlöse aus dem Merchandising und dem Verkauf der Fernsehrechte gehen ebenfalls tendenziell zurück.

Jahreswechsel

Auf den Tribünen sitzen nur Pappfiguren, die Fans demonstrieren mit einem Banner "Gegen Geisterspiele".

(Foto: Ina Fassbender/dpa)

Die Vereine seien seit Jahren daran gewöhnt gewesen, dass das Geld "einfach aus der Steckdose" komme, hatte Seifert schon vor Längerem kritisiert. Nun müssen sie sich auf weitere wirtschaftliche Turbulenzen einstellen. Das Problem: Die überwiegende Zahl der Bundesligisten leben von der Hand in den Mund, betreiben nur selten eine langfristige solide Finanzplanung und haben darauf vertraut, dass es immer nur aufwärts geht. Bereits in der vergangenen Saison sind wegen der Umsatzrückgänge bereits Verluste aufgelaufen. Für 2019/20 weist die DFL für die 18 Erstliga-Vereine einen addierten Nettoverlust von 155,6 Millionen Euro aus; 2018/19 hatten sie zusammen noch 127,9 Millionen Euro Gewinn erwirtschaftet. Letztlich wiesen nur acht von 18 Erstligisten schwarze Zahlen aus, im Jahr zuvor waren es noch 14 gewesen.

Auch Bayern München und Borussia Dortmund haben Probleme

Die Verluste werden steigen: In der laufenden Saison werden nun die gesamten Ticketeinnahmen wegfallen. Das Loch dürfte sich damit dramatisch vergrößern. Gerade bei kleineren Vereinen, auch aus der zweiten Liga, spielen die Erlöse aus dem Ticketverkauf eine größere Rolle. Der einzige börsennotierte Bundesligist, Borussia Dortmund, rechnet für 2020/21 bereits mit einem Verlust, auch Rekordmeister Bayern München - der Verein wirtschaftet traditionell noch vergleichsweise solide - schließt rote Zahlen nicht aus. Neben diesen beiden umsatzgrößten Vereinen wird es vielen der Kleineren schlecht gehen. Seifert hatte bereits im vergangenen Dezember gewarnt: "Letzte Saison war bestenfalls ein laues Lüftchen, jetzt aber kommt der Sturm." Der Rückgang sei erst der Anfang, sagt er jetzt.

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Jetzt kommt der Sturm, sagt Christian Seifert, der Chef der Deutschen Fußball Liga (DFL).

(Foto: Johannes Simon)

Größter Ausgabeposten im Bundesligafußball sind nach wie vor die sehr hohen Gehälter für die Spieler und die Trainer, die in der vergangenen Saison sogar noch einmal um 15 Millionen Euro auf 1,446 Milliarden Euro stiegen. Besonders hier mahnt DFL-Chef Seifert zu mehr Zurückhaltung. "Angesichts der enormen Folgen der Pandemie ist für alle Clubs weiterhin ein äußerst diszipliniertes und weitsichtiges wirtschaftliches Handeln zwingend notwendig", schrieb er.

*** BESTPIX *** FC Bayern Muenchen v Borussia Dortmund - Bundesliga

Er ist einer der absoluten Topverdiener in der Bundesliga: Bayern-Stürmer Robert Lewandowski.

(Foto: Sebastian Widmann/Getty Images)

Immerhin: Die Einnahmen aus dem Verkauf der Fernsehrechte sind noch vergleichsweise stabil. Größter Finanzier ist derzeit der Bezahlsender Sky, auch die Streamingplattform Dazn und die frei empfangbaren Sender wie ARD und ZDF zahlen weiter, die Einschaltquoten sind angesichts geschlossener Stadien hoch. Wäre die Bundesligasaison im vergangenen Jahr nicht fortgesetzt worden, wäre ein Teil dieser Gelder entfallen, was für eine größere Zahl von Vereinen die Pleite bedeutet hätte.

Angesichts der öffentlichen Kritik an einer möglichen Besserstellung des Fußballs verweist die DFL in ihrem Bericht auch auf die wirtschaftliche Bedeutung der Bundesliga: Der Gesamterlös der ersten und zweiten Liga lag 2019/20 bei 4,5 Milliarden Euro, die Vereine hätten insgesamt 1,4 Milliarden Euro an Steuern und Abgaben entrichtet. Und exakt 52 786 Personen seien während der Saison 2019/20 direkt oder indirekt im deutschen Profifußball beschäftigt gewesen. Ein im Vergleich zu anderen Branchen also relativ kleiner Wirtschaftszweig - aber einer mit sehr großer Aufmerksamkeit.

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