Abgase:Kraftfahrtbundesamt ermittelt gegen BMW

Abgase: Die Zentrale des Autobauers BMW in München.

Die Zentrale des Autobauers BMW in München.

(Foto: Alexander Heinl/dpa)

Haben auch die Münchner bei ihren Dieselmotoren geschummelt? Das KBA prüft neue Vorwürfe gegen BMW. Es könnte ein Rückruf Zehntausender Fahrzeuge drohen.

Von Christina Kunkel

Es könnte doch noch einmal ungemütlich werden für BMW im Dieselskandal. Über Jahre hatten sich die Münchner als einziger deutscher Autohersteller heraushalten können aus all den Vorwürfen um Dieselmotoren, die nur auf dem Prüfstand sauber waren. Doch jetzt haben die beharrlichen Nachforschungen von Experten der Deutschen Umwelthilfe (DUH) dazu geführt, dass das Kraftfahrtbundesamt (KBA) sich doch noch einmal mit BMW und dessen Dieselautos beschäftigt.

Wie die Bild zuerst berichtete, hat die Behörde ein Anhörungsverfahren gegen BMW wegen des Verdachts der Abgas-Manipulationen beim SUV-Modell X3 gestartet. Das bestätigte Axel Friedrich, früher Abteilungsleiter im Umweltbundesamt und seit 2016 als Sachverständiger für die Umwelthilfe tätig, der SZ. Friedrich hatte vergangenes Jahr gemeinsam mit dem Software-Experten Felix Domke ältere Dieselmodelle von BMW getestet - und dabei laut DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch "die höchsten je gemessenen Stickoxidemissionen" entdeckt. Seine Erkenntnisse leitete Friedrich an das KBA weiter - und dort wurde man tatsächlich tätig.

Die Umweltexperten wollen in der Motorsteuerung eines BMW-Diesels nachgewiesen haben, dass dort die Abgasreinigung in bestimmten Situationen heruntergefahren oder komplett abgeschaltet wird. Das sei vor allem dann passiert, wenn das Auto unter Bedingungen bewegt wurde, die im offiziellen Prüfzyklus nicht vorkommen: Bei eingeschalteter Klimaanlage, hohen Drehzahlen oder bei Außentemperaturen unter 18 Grad Celsius seien die Abgase weniger oder überhaupt nicht mehr gereinigt worden. Daraus schlossen die Experten: BMW trickste bei der Abgasreinigung, indem es sie gezielt auf die Testbedingungen hin optimierte. BMW wies die Vorwürfe damals zurück.

Laut Bild sagte ein Sprecher des KBA, es gehe um den Verdacht einer unzulässigen Abschalteinrichtung in der Motorsteuerung eines X3 mit Zwei-Liter-Dieselmotor, also genau um eines der Modelle, die die Umwelthilfe getestet hatte. Der Münchner Autobauer verwies auf SZ-Anfrage lediglich auf seinen Halbjahresbericht vom vergangenen Jahr. In dem heißt es, die BMW Group stehe "im Austausch mit zwei zuständigen Zulassungsbehörden in Europa, um Rückfragen zum Emissionsverhalten zu klären, die sich im Rahmen der Marktüberwachung zu Messergebnissen bei einem BMW Fahrzeugmodell aus den Baujahren September 2010 bis März 2014 ergeben haben." Bei diesem Modell handele es sich um einen BMW X3 20 d. Die Anhörung sei weiterhin anhängig. Deshalb äußere sich BMW in diesem Zusammenhang nicht weiter zu Einzelfragen.

Sollte das KBA tatsächlich zur Auffassung kommen, dass BMW manipuliert hat, droht ein Rückruf der betroffenen Fahrzeuge. Wie viele Autos das sind, ist unklar. Axel Friedrich geht jedoch davon aus, dass es alle Modelle beträfe, die diesen Motortyp verbaut haben - und das dürften Zehntausende oder gar Hunderttausende sein.

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