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Autoindustrie:Manche profitieren noch vom Boom in den USA und China

Was die Hersteller genau wissen: Jedes Carsharing-Auto, das auf der Straße für vier oder fünf Privatwagen steht, ersetzt auch in ihrer Bilanz einige Modelle, die dann nicht mehr gebaut werden. Dass Konzerne wie Daimler selbst Car-Sharing-Dienste anbieten, zeigt: Sie wissen, dass es jemand anders tut, wenn sie es nicht selber machen. Vieles spricht zwar dafür, dass die Autokonzerne ihren Absatz in Schwellenländern, in China und in den USA auf absehbare Zeit noch steigern werden. Nicht aber in Europa und schon gar nicht in den dortigen Großstädten.

Die Absatzkrise auf dem Automarkt lässt sich nur zum Teil mit der seit Jahren andauernden Finanz- und Eurokrise erklären. Wenn Opel Bänder stilllegen muss, weil in Europa zu viele Fahrzeuge auf den Hinterhöfen der Fabriken herumstehen, wenn bei dem alten französischen Traditionshersteller Peugeot der Staat einsteigen will und chinesische Investoren um ein Drittel der Anteile in Paris buhlen, wenn die schwedischen Ikonen Saab und Volvo in asiatischen Händen landen, wenn in Italien darüber diskutiert wird, ob und wann sich das italienische Nationalheiligtum Fiat eines Tages ganz vom Apennin zurückziehen wird, wenn Konzerne wie Daimler und BMW immer mehr Autos in China und den USA bauen, dann ist das nicht unbedingt nur Krise. Dann ist das auch: ein historischer Umbruch.

Möglich, dass einige dabei unter die Räder kommen. Vor allem diejenigen, die sich gerade auf dem europäischen Automarkt brutale Rabattschlachten liefern. Andere wie Daimler, BMW und VW machen weiterhin Milliardengewinne und fahren Sonderschichten. Sie profitieren vom Boom in den USA und China. Noch. Denn wie lange der anhält, wissen sie nicht - auch für die Milliardenverdiener wird es wohl nicht ewig so weitergehen.

Wenn Joschka Fischer jetzt also den Außenminister von BMW gibt, sollte einen das nicht groß verwundern. In der Autoindustrie werden demnächst Dinge passieren, die noch seltsamer sind.

© SZ vom 04.12.2013
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