Ausstand bei der Bahn:Die GDL kann sich den Streik nicht ewig leisten

Kann man die nervenden Streiks verhindern?

Andere Länder haben strengere Regeln für Ausstände bei der Daseinsvorsorge. In Italien etwa, sonst als Ort ausschweifender Arbeitsniederlegungen bekannt, müssen Bahnstreiks gleich zehn Tage vorher angekündigt werden. In Frankreich gilt eine Frist von 48 Stunden, die es der Bahn leichter ermöglicht, Ersatzverkehr vorzubereiten. Außerdem müssen sich Bahn und Gewerkschafter dort ausführlich zusammensetzen, bevor Bahn-Beschäftigte in den Ausstand gehen dürfen. In Deutschland dürfte das geplante Gesetz zur Tarifeinheit Streiks bei sensiblen Dienstleistungen erschweren, weil dann vorrangig nur noch der Tarifvertrag der Gewerkschaft gilt, die in einem Betrieb mehr Mitglieder hat. Das wäre bei der Bahn die EVG und nicht die derzeit streikwütige GDL.

Was kosten den Verbraucher die Streiks?

Forscher des ifo-Instituts und der Universität Passau haben 71 Verkehrs-Streiks in deutschen Großstädten untersucht. Ihr Fazit: An jedem Streiktag verlängert sich die Fahrzeit im Schnitt um fast zehn Prozent, die Zahl der Verkehrsunfälle um 14 Prozent und die Zahl der Verletzten um 20 Prozent. Auch die Luftverschmutzung nimmt zu - und es werden elf Prozent mehr kleine Kinder ins Krankenhaus eingeliefert, weil sie Atemprobleme bekommen.

Wie die Deutschen vom Streik belastet sind, ist ansonsten sehr individuell. Zusätzlich zahlen muss zum Beispiel, wer aufs Auto umsteigt, während er normalerweise mit der Monatskarte der S-Bahn ohne zusätzliche Kosten an den Arbeitsplatz käme. Wer ohnehin mit dem Auto fährt, ist davon nicht betroffen. Was die nervliche Anspannung durch Staus, Verspätungen oder wartende Kinder im Hort bedeutet, lässt sich finanziell schwierig ausdrücken. Wie Forscher so sind, errechnen die ifo-Forscher trotzdem generelle Kosten für den Verbraucher. Jeder Streiktag führt demnach zu zusätzlicher Fahrtzeit von 92000 Stunden - in diesem Zeitraum könnten die Betroffenen Waren im Wert von fast fünf Millionen Euro produzieren. Oder ihre Freizeit genießen. Der volkswirtschaftliche Verlust durch das Stehen im Stau ist demnach vier Mal so groß wie die entgangenen Einnahmen der Verkehrsbetriebe, die an diesem Tag keine oder weniger Tickets verkaufen.

Was kostet es die Gewerkschaft?

Die GDL kann auf zwei Kassen zurückgreifen: ihre eigene Streikkasse sowie auf den Aktionsfonds des Beamtenbundes, des Dachverbandes, dem sie angehört. Zu Beginn dieses Tarifkonflikts, bei den ersten Warnstreiks, zahlte die GDL noch kein Streikgeld. Später erstattete sie den Streikenden pro Tag 50 Euro ihres Verdienstausfalls, inzwischen zahlt sie 75 Euro pro Tag - das ist in etwa die Hälfte dessen, was ein Lokführer regulär verdienen würde. Will die GDL sich ihre Kosten vom Beamtenbund erstatten lassen, muss sie bei ihm einen Antrag stellen. Allerdings ist die Unterstützung durch den Dachverband gedeckelt: Pro Streikenden und pro Streiktag gewährt er maximal 50 Euro. Der Aktionsfonds wird nicht nur aus Mitgliedsbeiträgen, sondern aus dem Vermögen des Beamtenbunds gespeist: Der Dachverband hält zahlreiche Aktien und finanziert sich zu einem guten Teil aus deren Erträgen.

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