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Alternativen:Ethischer Profit

Der Attac-Mitbegründer in Österreich, Christian Felber, fordert: "Ethisches Verhalten muss sich lohnen." In einer auf Gemeinwohl ausgerichteten Wirtschaft sei Profit weiter wichtig, er dürfe aber nur Mittel zum Zweck sein.

502 - das ist die Bilanzsumme des Outdoor-Ausrüsters Vaude. Nicht 502 Euro, schließlich hat das Unternehmen aus Baden-Württemberg mehr als 1500 Mitarbeiter, der Umsatz soll im hohen zweistelligen Millionenbereich liegen. Die 502 stehen für eine Bewertung nach Maßstäben des Gemeinwohls und sind das Ergebnis der sogenannten Gemeinwohlbilanz. Insgesamt können Unternehmen 1000 Punkte zu erreichen. Wer konventionell wirtschaftet, dürfte im Bereich von -100 Punkten liegen. Vaude schneidet besonders gut bei der Gewinnverteilung ab, das Finanzmanagement hat aber noch Luft nach oben. Immerhin gibt es keinen Punktabzug für fehlende Transparenz oder Umweltbelastungen.

Entwickelt hat diese Bilanz die Bewegung der Gemeinwohlökonomie. Ihr Initiator war 2010 der Österreicher Christian Felber. "Ethisches Verhalten muss sich lohnen", sagt Felber. In einer auf das Gemeinwohl ausgerichteten Wirtschaft ist Profit weiter wichtig, schließlich gilt weiterhin die Marktwirtschaft. Doch finanzieller Gewinn soll nicht mehr alleiniger Zweck sein, sondern lediglich ein Mittel. Inzwischen unterstützen 1831 Unternehmen diesen Gedanken offiziell, 250 von ihnen lassen sich von externen Auditoren überprüfen, die Industrie- und Handelskammer in Stuttgart informiert als Erste ihre Mitglieder über die Bilanz.

Die Veränderungen sollen aber nicht auf Unternehmen beschränkt bleiben. Der Grundgedanke: "Der Mensch ist nicht grundsätzlich egoistisch und auf Konkurrenz programmiert." Konvente auf regionaler Ebene sollen Wirtschaftsfragen demokratisch klären. Es gelten die Prinzipien der Solidarität, Mitbestimmung, Gerechtigkeit: "Die Begrenzung von ökonomischer Macht mit dem Ende der Freiheit gleichzusetzen, ist eine zutiefst illiberale Weltsicht", sagt Felber.

Der Tänzer, Autor und Mitbegründer von Attac Österreich glaubt nicht an ein plötzliches Ende des Kapitalismus: "Er wird nicht von selbst verschwinden, er muss transformiert werden."