Kapitalismus in Zahlen Kosten, Krankheit, Konsum

Der Kapitalismus ist ein hochemotionales Thema. Manchmal helfen da nur: nüchterne Zahlen. Hier sind 13, die Sie sich merken sollten. Oder wissen Sie, wann Geld wirklich glücklich macht?

Von Katharina Brunner und Pia Ratzesberger

Die Deutschen haben mehr Geld auf dem Konto als noch vor fünfzig Jahren, doch sie kaufen auch viel mehr. Unternehmen exportieren so viel wie noch nie, doch nicht alle in der Gesellschaft profitieren. Roboter nehmen Menschen Aufgaben ab, doch in Zukunft fallen wohl auch die Arbeitsplätze weg. Welche Folgen hat das immerwährende Streben nach Wachstum für die Menschen? Wer sind die Gewinner und wer wohl die Verlierer? Dreizehn Zahlen, dreizehn Antworten.

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Euro gibt der Deutsche in einem Jahr durchschnittlich für Konsum aus. Jedoch fließt das Geld nicht unbedingt in die schön beworbenen Produkte in den Einkaufspassagen dieses Landes, nein, das meiste Geld fließt dorthin, wo man es nicht sieht: in die Wohnung, in die Heizung, in die Steckdose. Nicht verwunderlich, schließlich steigen die Mieten in den Großstädten, und auch Energie kostet mehr als noch vor 30 Jahren. Damals waren es nicht Strom und Wasser, sondern vor allem die Lebensmitteleinkäufe, die den Geldbeutel der Deutschen belasteten. Erst 1981 änderte sich das zum ersten Mal; von Jahr zu Jahr gaben die deutschen Haushalte immer noch mehr aus. Ganz egal ob Kleidung, Elektronik oder Möbel, es galt und gilt: Kauf dich glücklich! Zunehmend geben Menschen deshalb auch Geld aus, das sie nicht haben - und verschulden sich vor allem mit kleinen Konsumkrediten.

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Jahre. Nicht einmal mehr zwölf Monate behält der durchschnittliche Anleger heute seine Aktien, schnell werden sie wieder weiterverkauft. Früher dagegen, als Hochfrequenzhandel und die Verflechtung der Weltmärkte noch nicht das Tempo bestimmten, dienten die Unternehmensanteile zur langfristigen Geldanlage. Im Jahr 1980 lag die durchschnittliche Haltedauer einer Aktie immerhin bei fast zehn Jahren.

Zahlen Kapitalismus-Serie WIR

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Euro, in diesem Wert haben deutsche Unternehmen im vergangenen Jahr Waren ins Ausland verkauft. So viel wie noch nie zuvor. Zum Vergleich: Vor zwanzig Jahren waren es noch 354 Milliarden Euro. Vor allem Kraftfahrzeuge, Maschinen und chemische Produkte gehen über die Landesgrenzen; wichtigste Abnehmer der Bundesrepublik sind heute Frankreich, die USA und Großbritannien.

Tage fehlt im Schnitt am Arbeitsplatz, wer wegen eines Burn-outs krankgeschrieben ist. Bis heute ist umstritten, welchen Zustand der Begriff Burn-out genau definiert, meistens aber versteht man darunter emotionale Erschöpfung und Unzufriedenheit mit der eigenen Leistung, die Beziehung zu Arbeitsplatz und Kollegen leidet.

Der Stress im Job hat in den vergangenen Jahren bei vielen Deutschen zugenommen, oder zumindest empfinden sie das so. Sieht man sich die Zahlen an, könnte man tatsächlich glauben, das Phänomen Burn-out wachse sich zu einer Volkskrankheit aus. Die Zahl der Erkrankten hat sich der Bundespsychotherapeutenkammer zufolge zwischen 2004 und 2011 verachtfacht, also innerhalb von gerade einmal sieben Jahren.

Allerdings ist selten alleine Burn-out der Grund für diese Krankschreibungen. Bei fast der Hälfte aller Fälle haben die Betroffenen noch mit einer zusätzlichen psychischen Erkrankung zu kämpfen, meistens Depression - was natürlich nicht heißt, dass diese nicht auch mit einer hohen Arbeitsbelastung zu tun haben kann. Der Anteil der Fälle, in denen Patienten allein wegen eines Burn-outs krankgeschrieben werden, ist relativ gering.

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