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"Managementbücher lese ich nicht, deshalb schenkt mir auch niemand welche": Barbara Karuth-Zelle.

(Foto: Martin Veith /oh)

Barbara Karuth-Zelle ist bei der Allianz zuständig für den IT-Bereich. Ihre Ziele: aufräumen und die Digitalisierung voranbringen.

Von Anne-Christin Gröger und Herbert Fromme

Gängige Vorstellungen über IT-Nerds muss Barbara Karuth-Zelle enttäuschen. Sie mag Partys (Lieblingsmusik Indie-Rock), liebt das Meer und taucht für ihr Leben gern. Sie hat einen Sohn und eine Tochter und einen großen Freundeskreis. "Managementbücher lese ich nicht, deshalb schenkt mir auch niemand welche", sagt sie. Stattdessen liest sie Romane. Aktuell liegt "Das schwarze Königreich" von Szczepan Twardoch auf ihrem Nachttisch.

Im Beruf hat die 52-Jährige einen Knochenjob: Karuth-Zelle ist Vorstandsmitglied der Allianz SE und zuständig für die IT in einem Konzern mit 140 Milliarden Euro Umsatz und 150 000 Angestellten. Sie hat Betriebswirtschaft und Volkswirtschaft in München studiert und in VWL auch promoviert, Schwerpunkt Gesundheitsökonomie. Über die Private Krankenversicherung der Allianz kam sie in den Konzern und wechselte 2008 intern von der Schadenbearbeitung zur IT.

Karuth-Zelle hat eine klare Vorstellung, wohin sie bei der Allianz will. "Die junge Generation erledigt alles auf dem Handy, diese Einfachheit müssen wir allen Kunden bieten." Einfache Versicherungsverträge, einfache Prozesse: Der Kunde muss nur einmal Daten eingeben. "Das heißt nicht, dass es für uns immer einfach ist." Denn die Allianz arbeitet seit mehr als 80 Jahren mit IT-Systemen, hat unglaublich viele Programme, Rechnersysteme und Apps im Einsatz. "Wir haben uns auf die Fahnen geschrieben, in den nächsten Jahren 2000 Applikationen abzuschalten", sagt sie. 500 sind schon weg. Und im vergangenen Jahrzehnt hat der Konzern die Zahl seiner Rechenzentren weltweit von 144 auf sechs reduziert.

Die von Karuth-Zelle verantwortete IT hat 13 000 Mitarbeiter, davon 4000 Softwareentwickler. Der Konzern baut einen großen Teil der Software selbst - und bietet sie sogar anderen Versicherern an. Der Weg ist umstritten, schließlich müsste die Allianz als IT-Konzern genauso gut sein wie die professionellen Softwareentwickler. Aber Karuth-Zelle ist sich ihrer Sache sicher. "Das System, das wir als Allianz intern entwickeln, kann man so nicht kaufen."

Die Pandemie macht die Digitalisierung noch wichtiger, sagt sie. Die Menschen haben höhere Ansprüche. "Wenn ein 80-Jähriger während der Pandemie mit seinen Kindern und Enkeln per Videokonferenz telefoniert oder online bestellt, weil die Läden geschlossen sind, wird er sich nicht mehr mit analogen Angeboten abspeisen lassen."

Sie sehnt sich nach dem persönlichen Austausch mit Kolleginnen und Kollegen. "Uns fehlt auch wirklich noch eine Idee, wie man das in Pandemiezeiten hinkriegt." Aktuell habe man einfach die normalen Treffen zu Videokonferenzen umfunktioniert. "Da klicke ich mich von einer Konferenz zur nächsten, das macht mir keinen Spaß." Jetzt variiert sie: "Manchmal ist ein Telefongespräch besser, oder ich verabrede mich zu einem Spaziergang." Ihre Forderung: "Wir müssen die Arbeit neu denken." Der Alltag werde sich verändern und künftig aus Home-Office und Büro bestehen, sagt Karuth-Zelle. "Aber wir müssen das noch viel klüger definieren, und ich habe darauf auch noch keine Antwort."

Wie fast alle Münchenerinnen liebt Karuth-Zelle die Berge, aber erst recht das Meer. "Ich liebe das wirklich, ich segle gerne, ich tauche gerne." Elba gehört zu den bevorzugten Zielorten. Beim Tauchen geht Barbara Karuth-Zelle bis ans Limit, das sind die für Sporttaucher möglichen 40 Meter Wassertiefe. "Das ist aber sehr sicher", sagt sie. Es sieht so aus, als ob sie auch bei der Allianz die Untiefen nicht scheut, in diesem Fall die der IT.

© SZ
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