Immobilien:Adler löst ein Problem, viele bleiben

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Immobilien: Eigentlich steht Berlin im Zentrum der Strategie von Adler - wie es beim Bauprojekt Steglitzer Kreisel weitergeht, bleibt aber unklar.

Eigentlich steht Berlin im Zentrum der Strategie von Adler - wie es beim Bauprojekt Steglitzer Kreisel weitergeht, bleibt aber unklar.

(Foto: Christian Ditsch/Imago)

Der taumelnde Großvermieter kann die Pleite zwar vorerst abwenden - Ruhe dürfte damit aber noch längst nicht einkehren.

Von Stephan Radomsky

Die gute Stimmung, sie scheint schon wieder dahin beim schwer angeschlagenen und hoch verschuldeten Immobilienkonzern Adler. Zwar hatte sich das Unternehmen zuletzt wieder etwas Luft und vor allem Geld von seinen Gläubigern verschafft. Wichtige Probleme des Konzerns sind aber nach wie vor ungelöst: Weil nur noch rund 26 000 Wohnungen im Bestand sind, halbierte sich der operative Gewinn im dritten Quartal auf Jahressicht annähernd; zugleich sind die Immobilien weniger wert und die Schulden wachsen; und ein Prüfer für die Bilanz ist auch noch immer nicht gefunden.

Verwaltungsratschef Stefan Kirsten und Finanzvorstand Thomas Echelmeyer redeten deshalb am Mittwoch erst gar nicht über das abgelaufene Quartal - bei Adler geht es vor allem um eines: die Zukunft. Und die hatte sich am vergangenen Freitagabend entschieden, zumindest vorläufig. Da hatte der Konzern eine neue Vereinbarung mit einer Gruppe wichtiger Gläubiger verkündet, darunter Investoren wie Blackrock und Pimco. Gegen höhere Zinsen verlängern sie die 2024 fälligen Anleihen um ein Jahr, zudem stellen sie bis zu 937,5 Millionen Euro an frischem Kapital zur Verfügung - allerdings gegen 12,5 Prozent Zinsen. "Das war ein teurer Deal", hatte Kirsten gesagt, nun nannte er die Übereinkunft aber trotzdem erneut einen "Befreiungsschlag". Als "Plan B" habe man parallel auch eine Insolvenz geprüft.

Fast sieben Milliarden Euro Schulden

Adler hat Anleihen über insgesamt 3,2 Milliarden Euro im Markt, einschließlich Wandelanleihen und Bankkrediten ist der Konzern sogar mit 6,9 Milliarden Euro verschuldet. Die Vereinbarung sichere nun die Finanzierung bis Mitte 2025, hieß es - selbst wenn bis dahin keine weiteren Wohnungen oder Immobilienprojekte mehr verkauft würden. Genau das sei aber weiter der Plan, sagte Finanzchef Echelmeyer: "Es macht sehr viel Sinn, ein mit 12,5 Prozent verzinstes Darlehen möglichst schnell zurückzuzahlen." Allerdings müsse der Preis passen. Das aber könnte angesichts tendenziell weiter steigender Zinsen und wachsender Unsicherheit schwierig werden. Im dritten Quartal musste Adler den Wert seiner Bestandsimmobilien so bereits um 2,3 Prozent niedriger ansetzen.

Wie es nun konkret weitergehen soll, dazu blieben die Adler-Manger genaue Auskünfte schuldig. Der Konzern werde sich auf sein Wohnungs-Portfolio in Berlin konzentrieren, hieß es lediglich, Neubauprojekte werde man nur noch "selektiv fortführen". Was das für die Zukunft inzwischen bundesweit in die Schlagzeilen geratener Adler-Projekte wie das Areal der Holsten-Brauerei in Hamburg, den Steglitzer Kreisel in Berlin oder das Glasmacherviertel in Düsseldorf heißt? Unklar.

Dabei dürften auch die neuen Kollegen mitreden, die Kirsten und Echelmeyer nun suchen: Mit den Geldgebern habe man vereinbart, ein weiteres, unabhängiges Mitglied in den Verwaltungsrat zu berufen und einen Verantwortlichen für die Restrukturierung ins Management zu holen. Beide würden aber "keine Aufpasser", sagte Kirsten, sondern seien "allein dem Unternehmenswohl verpflichtet". Es brauche niemanden "der mir ständig über die Schulter schaut".

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