Mobilfunk:1&1 schaltet eigenes Handynetz frei

Mobilfunk: Das Logo des Telekommunikationsanbieters 1&1 auf dem Dach der Firmenzentrale in Montabaur.

Das Logo des Telekommunikationsanbieters 1&1 auf dem Dach der Firmenzentrale in Montabaur.

(Foto: Federico Gambarini/dpa)

Telekom, Vodafone und Telefónica bekommen einen neuen Konkurrenten. Der hat aber noch viel Arbeit vor sich.

Von Helmut Martin-Jung, München

Am 1. Oktober 1998 ging in Deutschland das Mobilfunknetz von Viag Interkom an den Start. Dann gab es eine Pause von gut 25 Jahren - bis diesen Freitag der Telekommunikationsanbieter 1&1 sein neues Handynetz erstmals in Betrieb nahm.

Viag Interkom firmiert heute unter dem Namen Telefónica und ist vor allem durch seine Marke O2 bekannt. Nun gibt es mit 1&1 also wieder vier Mobilfunknetze auf dem Markt - doch was heißt das für die Kunden?

Experten wie Felix Flosbach von der Verbraucherzentrale NRW erwarten, dass der neue Player dem Wettbewerb frische Impulse verleihen könnte - und damit am Ende zu "besseren Netzen und günstigeren Preisen" verhelfen.

Ein richtiger Newcomer ist 1&1 allerdings nicht. Schon lange bietet das Unternehmen Mobilfunkdienstleistungen an - allerdings über das Netz des Konkurrenten Telefónica. Das wird auch noch bis Sommer nächsten Jahres so bleiben. Wo es kein eigenes 1&1-Netz gibt, werden die Kunden automatisch mit dem von Telefónica verbunden, und zwar auch beim neuen 5G-Standard. Roaming nennt sich das.

Bis Sommer allerdings wird 1&1 sein bisher noch sehr spärlich ausgebautes eigenes Netz noch keineswegs flächendeckend anbieten. 1&1 wechselt dann lediglich den Partner, die Kunden nutzen dann das Vodafone-Netz, auch hier inklusive 5G.

Auch Telefónica hat mal so angefangen. Weil die Platzhirsche Vodafone und Telekom zunächst keinen Roaming-Vertrag schließen wollten, musste der Neuling sogar tricksen und schloss stattdessen einen Vertrag mit der schweizerischen Swisscom, die ihrerseits Roaming-Verträge mit den deutschen Anbietern hatte. Später ließ die Telekom den Konkurrenten dann doch in ihr Netz, bis der sein eigenes aufgebaut hatte.

Für Nutzer ändert sich zunächst wenig

Was ändert sich mit dem neuen Anbieter für die Nutzer? Für alle, die bereits 1&1-Kunden sind, bleibt alles wie gehabt. Nur die Handys von Neukunden funken über die eigenen Standorte von 1&1. Von denen wird es bis Jahresende allerdings erst etwa 200 geben. Zum Vergleich: Telefónica hat in Deutschland mehr als 28 000. Auch die Neukunden landen also meist im Telefónica-Netz, erst im Sommer wird es umgeschaltet auf das von Vodafone.

1&1 mit Chef Ralph Dommermuth hat nun eine große Aufgabe vor sich, denn bis Ende 2025 muss die Firma 25 Prozent der Kunden in Deutschland erreichen, bis Ende 2030 mindestens 50 Prozent. Ohne weitere Frequenzen wird das für 1&1 aber schwierig, deshalb würde das Unternehmen gerne weitere Frequenzen erwerben. Doch ob es eine Versteigerung geben wird, ist derzeit eher unwahrscheinlich. Die dafür zuständige Bundesnetzagentur sieht das nicht vor.

Technisch gesehen ist der vierte Netzbetreiber vorn dran. Er setzt nicht, wie die Mitbewerber, auf herstellereigene Technik von Anbietern wie Huawei, sondern baut das Netz mithilfe von gewöhnlichen Servercomputern auf, die über standardisierte Schnittstellen verfügen. Zudem baut 1&1 eigenen Angaben zufolge an den Antennenstandorten Mini-Rechenzentren auf. Durch die Nähe zu den Antennen sollen sich dadurch die Antwortzeiten im Netz, in der Fachsprache Latenz genannt, verkürzen. Dies ist wichtig für Anwendungen, die eine schnelle Reaktionszeit benötigen.

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