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Botanik:Ein Gewächs voller Pracht, Geheimnis und Eitelkeit

Manchmal ist der Blütenkopf der Pfingstrose so schwer, dass er mit einem Halter gestützt werden muss. Hier Exemplare der Paeonia lactiflora "Sarah Bernhardt".

(Foto: Mauritius Images)

Nur noch ein paar Tage, dann macht sie sich wieder rar: Die Pfingstrose ist eine der schönsten Blumen der Welt. Dass eine Sorte nach Fisch riechen soll: geschenkt!

"Willst du was gelten, mach dich selten" - das, was manch altbackener Ratgeber Frauen und Männern rät, um beim Dating besonders interessant rüberzukommen, gilt auch für die Pfingstrose. Nur noch ein paar Tage lang ist sie da, in den Gärten, Parks und Blumengeschäften, dann macht sie sich wieder rar. Ihr Konzept geht auf: Kaum eine andere Blume ist so unwiderstehlich wie sie, man kann sich an ihr einfach nicht sattsehen.

In China wird sie seit jeher als Nationalblume verehrt und steht für Reichtum und Schönheit. Besonders beliebt war sie während der Tang-Dynastie (618 bis 907), kaum ein Gedicht kam damals ohne Pfingstrose aus, etwa um das Antlitz der kaiserlichen Lieblingskonkubine zu beschreiben. Noch heute wird die Blüte groß gefeiert, in Luoyang in der Provinz Henan steht gar ein eigenes Pfingstrosenmuseum, entworfen vom Berliner Architekturbüro Sauerbruch Hutton. Fans gibt es natürlich auch im Westen, die riesigen Blütenköpfe mit ihren aufgeplusterten Blättern in Weiß, Rosa, Pink, Gelb oder Lila haben schon Maler wie Alfons Mucha, Édouard Manet, Jan Brueghel den Älteren und Cy Twombly inspiriert. Der Dichter Durs Grünbein widmete ihr ein eigenes Gedicht: "Nur die Pfingstrosen schreien, ihre Blütenblätter - weit aufgerissene Kehlen."

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Ihre "Schreie" sind kaum zu übersehen. Da ist die Sorte Angel Cheeks, eine gefüllte Blüte in weichem Rosa, hingepudert wie ein Hauch Rouge auf einer Mädchenwange. In die prallen Köpfe der pfirsich-korallfarbenen Coral Charm hingegen möchte man gerne reinbeißen, erinnern sie doch an Zuckerwatte. Und die pink-gerüschten Blütenblätter von Raspberry Sundae sind so dicht, dass sie locker als Pompon durchgehen. Sorten wie Coral Sunset hingegen überraschen den Betrachter: Ihre Blütenblätter wechseln innerhalb weniger Tage die Farbe von pastell-rot zu cremeweiß. Sogar in noch geschlossenem Zustand, als dicker bunter Ball, macht die Pfingstrose gute Laune, oder wenn ihre verblühten Blätter auf den Tisch rieseln.

Es gibt eine Sorte, die nach Makrele riecht

Selbst ihr Timing ist perfekt. Weil ihre Blüte zwischen Mai und Juni praktischerweise in die Hochzeitssaison fällt, ist sie auch dort längst ein gern gesehener Gast: im Brautstrauß und als Gedeck auf dem Tisch, als Druck auf dem Kleid der Brautjungfer und auf der Einladung, als Papiergirlande über dem Büffet oder aus Marzipan auf der Torte. Wer heute heiratet, setzt gerne auf die Rose ohne Dornen.

Von der Päonie, so ihr lateinischer Name, gibt es unzählige Sorten, die entweder als kniehohe Stauden oder als Strauch zu finden sind, der bis zu zwei Meter in die Höhe treiben kann. In Sachen Duft mag ihre dornige Namensvetterin vielleicht weiterhin vorne liegen, nicht alle Sorten der Pfingstrose riechen so intensiv wie manche Rose. Doch selbst Dior, Chloé oder L'Occitane orientieren sich inzwischen an ihrer olfaktorischen Zusammensetzung, je nach Sorte irgendwo zwischen süß, erdig, säuerlich, frisch. Und wer es ausgefallen mag: Die Hybridsorte Gay Cavalier soll nach Räuchermakrele riechen.

Hummel und Pfingstrose

Angezogen: Eine Hummel lässt sich auf einer geöffneten Pfingstrose nieder.

(Foto: dpa)

Doch die Pfingstrose ist mehr als nur schön, sie kann auch was. Benannt nach Paian, dem griechischen Gott der Heilkunde, wurde sie einst gegen Gicht, Epilepsie und Krämpfe eingesetzt. Zahnende Babys bekamen ein Stück ihrer Wurzel um den Hals gehängt.

Oberhalb ihres buschigen Blattwerks wirkt sie filigran, dabei ist sie robuster, als man denkt. Ein bisschen Kompost um ihre Wurzeln reicht als Kosmetikbehandlung im Herbst locker aus, außerdem fühlt sie sich über Jahrzehnte am selben Standort wohl. Wer jedoch an der gleichen Stelle eine alte Pfingstrose durch eine neue ersetzen möchte, wird an ihrer Eitelkeit scheitern: der Neuzugang geht ein. Madame hat es gerne exklusiv.

Damit man sich so lange wie nur möglich an seinen Pfingstrosen in der Vase erfreuen kann, empfiehlt Erin Benzakein, Autorin des Buchs "Mein wunderbarer Blumengarten", den Marshmallow-Test. Geschnitten werden sollten die Blüten erst, wenn die noch geschlossenen Knospen sich ähnlich leicht zusammendrücken lassen wie ein Zuckerball. Das gilt auch beim Blumenhändler.

Kurz nach Pfingsten heißt es also wieder Abschiednehmen, im Garten fallen die Stauden und Sträucher der Pfingstrose nun nicht mehr weiter auf. Zur großen Freude der Zinnien, Dahlien und Löwenmäulchen, die jetzt im Garten glänzen dürfen - und uns ein bisschen trösten.

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