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Koch auf Luxusyachten:Ein Leben zwischen Luxus und Macheten-Vorfall

Ihre Auftraggeber, die Yachtbesitzer, sind in der Regel extrem reich. Wie ist das Zusammenleben mit ihnen?

Manche Eigner habe ich nie kennengelernt. Die meisten, die ich kennenlernen durfte, waren super Leute. Manche haben die Crew involviert, auf Partys und Exkursionen eingeladen. Ich hab mit einem der reichsten Männer der Welt in einem Spa-Pool gesessen und 500-Euro-Zigarren geraucht, jeder mit einer Flasche Dom Pérignon in der Hand. Danach sind wir in einer Bucht nackt ins Meer gesprungen und geschwommen. Die Reichen wollen oft das Beste vom Besten, weil sie es so gewohnt sind. Aber es sind Menschen wie du und ich. Ich wurde immer mit Respekt behandelt, nie als Bediensteter oder Sklave.

Profitieren Sie auch von all dem Luxus - etwa in Form der Küchenausstattung?

Da gibt es große Unterschiede. Auf kleineren Booten ist die Ausstattung manchmal nicht viel besser als in einer normalen Küche. Auf großen Yachten sieht das anders aus. Da habe ich mehrere Kühlhäuser unter Deck und Lager in der Größe eines Supermarkts. Man merkt auch, wenn ein Koch bei der Planung oder Renovierung involviert war. Dann kann es auch vorkommen, dass man in einer Küche kocht, die drei Millionen Euro gekostet hat.

Hat man als Koch auf einer Yacht eigentlich ein besonderes Berufsrisiko, etwa Piraten?

Ein Piratenangriff kann durchaus vorkommen, ja. Jedes Crewmitglied ist speziell für einen solchen Überfall ausgebildet worden. Im Ernstfall gibt es einen Raum, in dem sich die Crew einschließt. Als Koch würde ich mich um den Proviant für die Crew kümmern. Das ist mir bisher aber noch nicht passiert. Dass ich trotzdem wegen eines "Macheten-Angriffs" fast gestorben wäre, ist ein Risiko, mit dem ich so nicht gerechnet hätte.

Wie bitte?

Ein Kollege und ich haben uns oft veralbert. Ich habe aus Spaß so getan, als würde ich ihm mit einem Küchenmesser den Arm abschneiden, wenn er mir auf die Nerven ging. Eines Tages kam er mit einer Machete auf mich zugestürmt, tat so, als würde er mir den Kopf abschneiden. Dabei drehte er die scharfe Schneide des Messers weg von mir, eigentlich hätte nichts passieren dürfen. Trotzdem hatte ich auf einmal einen Schnitt am Hals, einen Zentimeter von der Hauptschlagader entfernt. Aus Panik schlug ich dann auch noch mit den Händen in die scharfe Seite der Machete.

Was ist da schiefgelaufen?

Die Machete hatte auf der Rückseite einen Sägerücken. Das hatte mein Kollege übersehen. Mein Hals war grob aufgerissen, zu meinem Glück waren die Zähne aber nicht ganz bis zur Halsschlagader durchgedrungen. Ein Spaß unter Kollegen, der gründlich schiefgelaufen ist.

Apropos schiefgehen: Was machen Sie, wenn Sie Ihre Chefs aufheitern wollen - gibt es ein Gericht, das kulinarisch bei jedem funktioniert?

Schokolade. Immer. Egal ob dicker Oligarch oder dünnes LA-Model. Da habe ich ein tolles Rezept: "Hot Chocolate Fondant". Das ist ein fluffiges Schokoladenmousse-Küchlein mit flüssigem Kern (Rezept exklusiv in unserer Bildergalerie). Dazu ein bisschen Mascarpone oder Sahne und frische Beeren. Es gibt keinen, der das nicht gemocht hat.

© SZ.de/vs/sks

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