2. Bundesliga:Finstere Miene trotz solider B-Note

2. Bundesliga: Bedient: Julian Green und Jomaine Consbruch unmittelbar nach der 2:3-Niederlage der SpVgg Greuther Fürth beim FC St. Pauli.

Bedient: Julian Green und Jomaine Consbruch unmittelbar nach der 2:3-Niederlage der SpVgg Greuther Fürth beim FC St. Pauli.

(Foto: Cathrin Mueller/Getty Images)

Fürth holt nach schwacher Startphase gegen Spitzenreiter St. Pauli einen 0:2-Rückstand auf, verliert dann aber doch erstmals nach neun Partien wieder. Trainer Zorniger spart nicht mit Kritik an seiner Mannschaft.

Von Stefan Galler

Noch vor einer Woche hatten die Fürther Zweitligafußballer eine Spitzenpartie gewonnen, 2:1 im heimischen Ronhof gegen Holstein Kiel. Und während Trainer Alexander Zorniger nach jenem Erfolg den Ball betont flach gehalten hatte ("was mich beruhigt, sind die 15 Punkte, die wir vor dem Relegationsplatz liegen"), wirkte er nach der 2:3 (1:2)-Niederlage am Samstag im nächsten Kracherspiel bei Tabellenführer FC St. Pauli gar nicht mehr wie einer, der in der Tabelle nur nach hinten schaut. Das Ergebnis sei "aufgrund der ersten Halbzeit verdient, aufgrund der zweiten Halbzeit nicht", sagte er in der Pressekonferenz mit finsterer Miene, gratulierte dem Gegner fast schon trotzig zum Aufstieg ("St. Pauli ist eine tolle Mannschaft, sie werden wahrscheinlich zu Recht aufsteigen") und haderte insbesondere mit der Schlussphase, in der sein Team einen Punktgewinn verdaddelt hatte: "Nach dem 2:2 musst du konsequent bleiben, das haben wir nicht gemacht. Und dann ist es scheißegal, ob es verdient ist. Im Fußball gibt es keine B-Note."

Gäbe es eine solche, wäre sie für die Fürther Darbietung während der ersten 35 Minuten ebenso mäßig ausgefallen wie die A-Note: Die Gastgeber dominierten die Partie nach Belieben, Fürth konnte sich kaum aus der Umklammerung befreien. Nur weil die Hamburger zu Beginn fahrlässig mit ihren Chancen umgingen, stand es eine halbe Stunde lang 0:0, ehe der bis dahin stark haltende Fürther Torwart Jonas Urbig einen Schuss von Philipp Treu nicht festhalten konnte und Elias Saad zum 1:0 abstaubte (30.).

Nach dem 1:0 für St. Pauli detoniert ein Böller direkt neben der Trainerbank der Hamburger

Anschließend herrschte kurz Chaos auf dem Platz, weil mitten in den Jubel ein Böller neben der Pauli-Bank explodierte. Zeugwart Kenta Kambara wirkte kurz benommen, blieb laut den Sicherheitsdiensten im Stadion am Millerntor jedoch unverletzt. Trainer Fabian Hürzeler hatte Glück, er wollte den Sprengkörper noch aufheben und wegwerfen, da detonierte er auch schon. Der Täter wurde schnell identifiziert und aus dem Stadion gebracht.

Offensichtlich steckte die Heimmannschaft den Schreckmoment gut weg, nur drei Minuten nach der Führung überwand Oladapo Afolayan SpVgg-Keeper Urbig mit einem von Gideon Jung abgefälschten Schuss zum 2:0. Doch die Franken kamen fast aus dem Nichts noch vor der Pause zum Anschluss durch Armindo Sieb (44.). "Erst nach dem 1:2 waren wir da", sagte Trainer Zorniger später. Und tatsächlich starteten seine Spieler deutlich aktiver als die Gastgeber in Durchgang zwei, agierten selbstbewusster und kamen zum Ausgleich: Branimir Hrgota legte vor, Außenbahnspieler Simon Asta vollendete (59.) - nun stimmten A- und B-Note.

In der letzten halben Stunde fanden die Kiez-Kicker den Faden wieder. Die entscheidende Szene trug sich in der 81. Minute zu: Einen ungenauen Ball vom früh eingewechselten Oussama Haddadi bugsierte Paulis Aljoscha Kemlein direkt in die Spitze, wo Saad zum 3:2 vollstreckte. Zur Ernüchterung der zuletzt in neun Partien ungeschlagenen Fürther: "Ich glaube, dass wir den Siegtreffer hätten erzielen können, wenn wir ein bisschen intelligenter Fußball spielen, zumindest das Unentschieden hätten wir aber mitnehmen können", urteilte Zorniger und bündelte die Unzulänglichkeiten seiner Mannschaft, die vom zweiten auf den vierten Tabellenplatz zurückfiel, in einen beinahe philosophischen Lehrsatz: "Wenn ich im Laufen gut bin, laufe ich. Und wenn ich im Dribbeln gut bin, dribbele ich. Aber wenn ich im Laufen gut bin, dribbele ich nicht. Zumindest nicht als Ersatz fürs Laufen. Das hat mich heute ein bisschen geärgert."

Zur SZ-Startseite

SZ PlusFC Bayern München
:Tuchels riskantes Spiel mit den Medien

Bayern-Trainer Thomas Tuchel wehrt sich nach dem Sieg gegen Mönchengladbach gegen mediale Verzerrungen. Das mag verständlich sein - birgt aber auch Gefahren.

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: