bedeckt München 22°
vgwortpixel

Zidane bei Real Madrid:Reals königliche Gurkentruppe

Wie lange noch bei Real Madrid? Zinédine Zidane.

(Foto: AP)
  • Nach dem blamablen Pokal-Aus gegen Leganés geht es bei Real Madrid allmählich um den Job von Trainer Zinédine Zidane.
  • In Krisenphasen werden die Messer bei Real stets sehr scharf gewetzt.
  • Hier geht es zur Tabelle der spanischen Liga.

Wer über Leganés spricht, ein Satellitenstädtchen Madrids, der spricht auch über die Vergangenheit. Dass Anhänger des örtlichen "Club Deportivo" umgangssprachlich "pepineros" genannt werden, Gurkenzüchter, hat damit zu tun, dass die heute 190 000 Einwohner zählende Gemeinde Leganés vor einem Jahrhundert bloß der Gemüsegarten der zehn Kilometer entfernten Hauptstadt war. Hier und da waren am Donnerstag in Spaniens Sportpresse auch Anspielungen darauf zu lesen, dass 1851 in Leganés eine "Casa de Locos", ein Irrenhaus, gegründet wurde, das nach Königin Isabel II. benannt wurde. Natürlich nicht wegen möglichen Irrsinns der Monarchin, sondern weil das Spital einen Modellcharakter haben sollte.

Solche Reminiszenzen an die Vergangenheit wurden am Mittwoch aktuell, weil CD Leganés sich als besonderes Gurkenzüchterteam entpuppte: Es entlarvte das große Real Madrid, den amtierenden spanischen Meister, Champions-League-, Weltpokal- und nationalen sowie europäischen Supercupsieger - als Gurkentruppe. Im Bernabéu-Stadion brachen Raserei und Wut aus. Denn Leganés siegte im Viertelfinal-Rückspiel des spanischen Pokals bei Real 2:1 und schaltete die stolzen "Königlichen" aus, die das Hinspiel schmeichelhaft 1:0 gewonnen hatten.

"Eine verdammte Schande"

"Pepinazo" war danach das meistverwendete Wort in den spanischen Medien, das sich wie "pepineros" von "pepino" ableitet, Gurke also, und den lauten Knall einer Bombe umschreibt. Wozu man wissen muss, dass Leganés, das in dieser Saison erstmals erstklassig ist, den kleinsten Etat der Primera División aufweist. "Una puta vergüenza", schimpfte Real-Stürmer Lucas Vázquez, der zu den besseren Spielern zählte, als er den Platz verließ: "Eine verdammte Schande."

Sportticker Real Madrid scheitert gegen CD Leganes im Pokal
Fußball

Real Madrid scheitert gegen CD Leganes im Pokal

Die Königlichen blamieren sich ohne Ronaldo und Kroos im spanischen Pokal. Görges-Bezwingerin Alizé Cornet droht eine Sperre aufgrund verpasster Dopingtests.   Die Meldungen im Sportticker

Das war zwar vulgär, fasste die Empfindungen der 48 000 Zuschauer aber gut zusammen - zumal sie im Pokal schon vorher peinliche Vorstellungen sahen: Auch gegen den drittklassigen FC Fuenlabrada und den zweitklassigen CD Numancia hatte Real daheim nicht gewinnen können. Weil Real in der Liga 19 Punkte hinter Spitzenreiter FC Barcelona liegt, ist bereits von einer Katastrophensaison die Rede.

In der Tat hat Real nur noch eine Patrone in der Trommel, um die Saison zu retten: die Champions League, die Madrid im Erfolgsfall zum dritten Mal in Serie gewinnen würde. Doch im Achtelfinale wartet das Milliardenteam Paris Saint-Germain. Da überrascht es nicht, dass der französische Trainer Zinédine Zidane nach dem 2:1 genau einmal auflachte, und zwar sarkastisch - als er gefragt wurde, ob sein Job bei einem Aus gegen PSG in Gefahr sei: "¡Sí, claro!", rief Zidane, ja klar.

Dass in Krisenphasen die Messer bei Real schärfer gewetzt werden als Guillotinen in Zidanes Heimat zu Revolutionszeiten, weiß der Trainer nur zu gut. Nach dem Pokal-Aus bekannte er sich schuldig wie nie: Für das Versagen und "die schlimmste Nacht meiner Trainerkarriere" trage er allein die Verantwortung, sagte Zidane. In einer Hinsicht aber wies er Kritik zurück: Es sei richtig gewesen, dem deutschen Nationalspieler Toni Kroos sowie den Stürmern Cristiano Ronaldo und Gareth Bale freizugegeben, die Mannschaft sei wettbewerbsfähig genug gewesen. Eigentlich.