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WM 2010: Südafrika:Kein Entschuldigungsgrund

Nun gelten eisige Temperaturen (im Gegensatz zu Hitze) allgemein nicht als Entschuldigungsgrund für schlechte Leistungen auf dem Platz. "Ich glaube, die Spieler können besser spielen, wenn es kalt ist, als wenn es zu heiß wäre", sagte Otto Rehhagel vor der Partie gegen Nigeria. Von Heimvorteil für afrikanische Mannschaften bei der ersten WM auf ihrem Kontinent kann indes auch keine Rede mehr sein, Temperaturen dieser Art sind eher Spieler von der Nordhalbkugel gewöhnt.

WM 2010 - Feature

Fiebern mit Südafrika: Wenn das Heimteam spielt, sind die Fanfeste gut besucht - ansonsten sind die Plätze leer.

(Foto: dpa)

Viel schlimmer als die Mannschaften trifft es das Land und seine erhoffte WM-Stimmung. Denn in Südafrika gibt es sehr viele Menschen, die sich weder eine Heizung noch ein Heim in einem gut isolierten Haus leisten können. Und da verschwindet so eine Fußball-WM, auch wenn sie im eigenen Land stattfindet, schnell hinter existentiellen Problemen.

Dienstagabend. Im Ellis Park, Johannesburg, sprechen viele vom kältesten WM-Spiel aller Zeiten. Ein paar Kilometer weiter liegt das Township Alexandra zur gleichen Zeit im Dunkeln, zumindest die ersten Straßenzüge neben der Autobahn. Stromausfall, wie so oft. Statt Brasilianer und Nordkoreaner beim Fußballspielen im Fernsehen zuzuschauen, versammeln sich einige Menschen auf den Straßen um kleine und größere Feuerstellen. Die meisten sitzen in ihren Häusern zusammen und haben die Vorhänge zugezogen. Es liegt eine fast gespenstige Stimmung über diese sehr eng aneinanderliegenden Gemäuer. Die Fußball-Weltmeisterschaft mit ihren Millionenumsätzen ist von hier aus gesehen so weit weg wie der Südpol vom Ballermann.

Wer dennoch mal rausgehen, mit Gleichgesinnten in einem Shabeen, einer Township-Kneipe, die WM erleben will, muss lange suchen. Selbst dort, wo es Strom gibt. Die meisten Shabeen-Besitzer in Alexandra rücken auch während dieser WM nicht von ihrer Gewohnheit ab, unter der Woche zu schließen. Und so dauert es eine Weile, bis irgendwo ein Flachbildschirm flimmert, davor quetschen sich je fünf dick eingepackte Männer Schulter an Schulter auf drei Bänke und wärmen sich gegenseitig. Als Brasilien das erste Tor schießt, jubelt hier und da einer kurz, dann ducken sie sich wieder in ihre Anoraks und wärmen sich gegenseitig.

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