WM 2006:Die Fifa kann Überraschungen gerade nicht gebrauchen

Die aktuelle DFB-Spitze, die den Verband seit dem Rücktritt von Wolfgang Niersbach interimsweise führt, war geschockt, sie wertete das Papier als "Bestechungsversuch". Ob es in Kraft trat, ganz oder in Teilen, soll die Untersuchung zeigen. Mit deren Abschluss wird bis Ende Februar gerechnet, der DFB will bei der Präsidiumssitzung am 4. März Ergebnisse. Dabei wird noch immer mit Suchbegriffen durch Zigtausende E-Mails gesurft, und wichtige Akten liegen bei der Frankfurter Staatsanwaltschaft. Die Fifa sieht dem Sommermärchen-Showdown Anfang März mit Unbehagen entgegen - weil Freshfields wenig Zeit für diese Recherche hatte und alles gleich publiziert werden soll, heißt es. Überdies war der Informationsaustausch zwischen Zürich und Frankfurt stets dünn, jede Seite fordert viel und gibt wenig. Und Überraschungen kann die Fifa gerade nicht brauchen.

Im Kern ist zu klären, warum die deutschen WM-Organisatoren 2002 zehn Millionen Franken an die Fifa zahlten. Um von dieser einen um 100 Millionen Franken höheren WM-Zuschuss zu erhalten, behaupten Beckenbauer und Niersbach, der Deal sei mit dem Fifa-Finanzkomitee ausgehandelt worden. Als Darlehensgeber sei Adidas-Eigner Robert Louis-Dreyfus eingesprungen. Zu der Story gibt es bisher nur Fragezeichen: An wen genau flossen 2002 die zehn Millionen? Auf regulären Fifa-Konten tauchten sie nicht auf, heißt es in Zürich. Wurde damit eine schwarze Kasse für Blatter gefüllt, der just 2002 einen schmutzigen Wahlkampf führte?

Ermittlungen laufen jetzt in Bern, Frankfurt und Washington

Und noch mehr Fragezeichen: Warum zahlten die Deutschen das Darlehen - 6,7 Millionen Euro - nicht an Louis-Dreyfus direkt zurück, als es dieser 2005 angeblich zurückgefordert hat? Stattdessen verschleierten sie das OK-Geld als Aufwendung für die WM-Eröffnungsgala (die es dann nie gab) und überwiesen es - wiederum an die Fifa. Ob diese es an Dreyfus weiterleitete, liegt ebenfalls im Dunkeln.

Aber wohl nicht mehr lange. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft hat über die Steuerproblematik, die sich aus mutmaßlich falsch deklarierten Betriebsausgaben des WM-OK ergibt, die Einstiegsluke in den Fall gefunden und die Schweiz um Rechtshilfe gebeten. Die Berner Bundesermittler haben Zugang zu allen Bankdaten, viele Schweizer Konten von verdächtigen Figuren und Firmen wurden bereits eingefroren. Nun teilten die Ermittler auf SZ-Anfrage mit: "Die Bundesanwaltschaft wird auf das Rechtshilfeersuchen eintreten und entsprechend dem Ersuchen bearbeiten." Grünes Licht für die Sommermärchen-Ermittlungen. In Frankfurt, Bern - und neuerdings auch in Washington.

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