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Borussia Dortmund:"Wir brauchen zumindest die Geisterspiele. Sonst wird es ganz eng"

Am Abend, im Sportstudio, drehte Watzke wohl auch deshalb den Fokus eher auf die eigenen vier Fußball-Wände. Derzeit erscheint unabwendbar, dass die meisten Ligaspiele vorerst wieder als "Geisterspiele" stattfinden, allenfalls vor symbolischer Kulisse. Watzkes BVB wird davon schon am kommenden Wochenende hart getroffen: Wegen der in der größten Ruhrgebiets-Stadt Dortmund inzwischen ebenfalls zu hohen "Inzidenz"-Zahl, wird das Derby gegen Schalke erneut ohne Zuschauer stattfinden. Watzke beziffert den Verlust pro Heimspiel mit je einer Million Euro.

Während im Frühjahr unter Fußball-Fans noch heiß diskutiert wurde, ob Geisterspiele zumutbar sind, tun sich acht Monate später ganz andere Abgründe auf. In der Liga geht vor allem die Angst um, dass es noch einmal zu einem echten "Shutdown" kommen könnte, mit dem verbal vor allem Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kokettiert. Watzke, seit seinem 16. Lebenjahr CDU-Mitglied, feuerte unterdessen eine Breitseite gegen seine Parteifreundin Angela Merkel: "Ich habe gelesen," so Dortmunds Geschäftsführer, "die Bundeskanzlerin habe gesagt, es gebe gerade wichtigere Themen als Bundesliga-Spiele vor Zuschauern. Das finde ich nicht zielführend."

Es gebe "natürlich immer" sehr viele Dinge, die wichtiger als der Profi-Fußball seien, aber es gehe nicht um "Wichtigkeit". Es gehe um die Frage des Gefährdungspotenzials, und das sei bei den bisher mit begrenzten Zuschauer-Kontingenten gelaufenen Spielen nicht zu sehen gewesen. "Wenn sich alle Mitbürger immer so vorbildlich verhalten würden, wie das unsere Zuschauer in den Stadien bisher getan haben, dann hätten wir viele Sorgen gar nicht." Von den Spielen sei bisher nachweislich kein einziger positiver Fall ausgegangen, behauptete er. Bisher hatte sich Watzke, ebenso wie DFL-Chef Christian Seifert, mit offener Kritik an der Politik bedeckt gehalten, wohl um die politische Zustimmung zu dem fragilen "Hygiene-Konzept" der Bundesliga nicht zu gefährden.

Und nun? Kanzlerin Merkel hatte anklingen lassen, man könne "überlegen, ob man bei Fußballspielen weniger Leute oder gar keine hereinlässt". Mit dieser Version könnte die Bundesliga wohl noch eine Weile überleben. Aber sollten die Spiele wieder, wie im Frühjahr, komplett abgesetzt oder verschoben werden, dürfte etlichen Vereinen ganz schnell die Luft ausgehen. "Wir brauchen zumindest die Geisterspiele. Sonst wird es ganz eng", sagte Watzke im Sportstudio.

Wie man hört, werben DFL und Klubvertreter gerade intensiv bei den zuständigen Ministerpräsidenten und den Bürgermeistern der großen Städte, es auf keinen Fall noch einmal zu einem echten Shutdown kommen zu lassen. Das sei jetzt noch existenzgefährdender als im März. Denn viele Vereine sind inzwischen so verschuldet und unter Druck, dass jetzt nichts mehr passieren darf. Sonst würde es wohl schnell erste Insolvenzen geben.

© SZ vom 19.10.2020/sonn
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