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Vorbereitung des VfL Wolfsburg:Das große Aufräumen nach Magath

AS Saint-Etienne vs VfL Wolfsburg at Valais Cup

Felipe Lopes (links) und Fagner beim Testspiel gegen St. Etienne

(Foto: dpa)

Unter Felix Magath beherrschte der VfL Wolfsburg zwei Jahre lang die Transferperioden. Seit Klaus Allofs und Dieter Hecking die Nachfolger sind, kehrt merklich Ruhe ein. Doch nicht alle Probleme aus der Vergangenheit sind beseitigt.

Von Carsten Eberts

Der Brasilianer Naldo hat im Testspiel gegen AS Saint-Étienne einen Elfmeter an die Latte gelupft. Christian Träsch musste nach einem Schlag auf den Brustkorb die Nacht im Krankenhaus verbringen, ist aber wieder draußen. Und Diego Benaglio bleibt Kapitän, ohne dass es dafür einer Wahl bedurfte.

Viel mehr Brisanz haben die Nachrichten tatsächlich nicht, die aus dem Wolfsburger Trainingslager in Crans-Montana in der Schweiz herüberschwappen. Geräuschlos und höchst unaufgeregt geht der VfL seinen Sommergeschäften nach. Doch genau das ist eine spannende Nachricht.

Zwei Jahre lang hat der VfL Wolfsburg zuverlässig die Transferperioden beherrscht. Zumindest immer dann, wenn Felix Magath das Sagen hatte. Magath kaufte ein, als würde es nie wieder einen Transfermarkt geben; der Meistertrainer von 2009 gab das Geld aus, das Hauptsponsor VW ihm bereitstellte. Manchmal hatte es etwas Slapstickhaftes, wenn Branchenbeobachter versuchten, mit viel Phantasie die nächsten Transfercoups vorherzusagen. Und Magath doch wieder alle überraschte.

Als der schillernde Trainermanager im November 2012 endgültig seinen Job verlor, übergab er seinem Nachfolger Klaus Allofs einen aufgeblähten Spielerkader von 34 Angestellten. Jeder Spieler müsse eine realistische Perspektive haben, sagte Allofs zum Amtsantritt. Und machte sich ans Ausmisten.

14 Spieler ist Allofs in diesem Sommer losgeworden, das ist kein schlechter Wert. Zuletzt Simon Kjær, den es zum OSC Lille zog und dem VfL eine Ablösesumme um die zwei Millionen Euro bescherte. Auch prominente Namen wie Emanuel Pogatetz und Marco Russ sind weg, dazu unprominente wie Yohandry Orozco und Marwin Hitz. Ein oder zwei Weggänge könnten noch folgen, die neue sportliche Führung sei ihrem Hauptarbeitsziel, den Kader übersichtlicher zu gestalten, trotzdem schon "sehr, sehr nahe gekommen", urteilte Allofs kürzlich.

Doch noch immer sind über 30 Profis beim VfL angestellt. In Patrick Ochs, Felipe, Tolga Cigerci, Ja-Cheol Koo, Ibrahim Sissoko, Giovanni Sio, Kevin Scheidthauer und Rasmus Jönsson kamen gleich acht ausgeliehene Spieler zurück. Manch einen würde Hecking gerne behalten, etwa den Koreaner Koo, der sich in der Fremde gut entwickelte. Die meisten dürfen jedoch gehen.

Der Wandel in der Philosophie gehe nicht von heute auf morgen, sagt Allofs. Der Klub findet sich gerade in der Post-Magath-Ära zurecht.

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