VfB Stuttgart:Sankt Mario kommt nach Hause

VfB Stuttgart: Bald wieder beim VfB Stuttgart: Angreifer Mario Gomez.

Bald wieder beim VfB Stuttgart: Angreifer Mario Gomez.

(Foto: AFP)
  • Mario Gomez wechselt vom VfL Wolfsburg zurück zu seinem Ex-Klub VfB Stuttgart.
  • Der Transfer soll 3,5 Millionen Euro kosten - das Geld kommt beim VfB aber wieder rein, weil Simon Terodde für die fast gleiche Summe nach Köln wechselt.
  • Nach Sandro Wagner ist Gomez bereits der zweite Angreifer der Nationalmannschaft der im Winter wechselt. Bundestrainer Löw dürfte das gefallen.

Von Christof Kneer

Zumindest in Stuttgart war der Sommer 2009 der düsterste seit Beginn der Wetteraufzeichnung. In diesem Sommer wurde es überhaupt nicht hell, jedenfalls in Bad Cannstatt nicht, drunten im Tal, wo der VfB seine Heimat hat. Mario Gomez, der Sonnenschein der Stadt, hatte Stuttgart verlassen und war zum sehr bösen FC Bayern weiter gezogen, und selbst das Geld war den Schwaben in diesem Moment völlig wurscht. 35 Millionen Euro? Na und? Onser Mario isch weg! Es wurde dann auch nicht heller, als der Manager Horst Heldt versuchte, das Geld wieder unter die Leute zu bringen. Die Wunschnachfolger Patrick Helmes und Demba Ba verletzten sich, und ein Holländer namens Huntelaar deponierte seine Absage auf der Mailbox des damaligen Trainers Babbel.

Am Ende landeten dann zwei Angreifer drunten im Tal, deren Existenz sie beim VfB inzwischen sicherheitshalber verdrängt haben: der Russe Pawel Pogrebnjak und der Rumäne Ciprian Marica, zwei Quartalsstürmer, die verlässlich einmal pro Vierteljahr gut spielten.

Man kann das nicht anders sagen: Mario Gomez ist in Stuttgart eine historische Figur. Er ist 2007 Meister geworden mit dem VfB, 21 war er damals und das nächste große Ding auf dem Stürmermarkt, und von seinem Abschied hat sich der Verein nie erholt. Die schönen 35 Millionen waren erstens brutto und zweitens schnell weg, weil sie netto an Pogrebnjaks, Maricas und ähnliche Menschen weitergeleitet wurden. Gomez hat den VfB also, sozusagen, ins Verderben gestürzt - "aber natürlich kann er selbst da am wenigsten dafür", sagt Michael Reschke, der aktuelle Sportchef des VfB.

Nur 13 Treffer hat der VfB in der Vorrunde erzielt, Gomez aber auch nur einen

Vielleicht ist das jetzt auch eine Weihnachtsg'schicht, auf die schwäbische Art: dass Gomez, inzwischen 32, nun all das wiedergutmachen darf, wofür er gar nichts kann. Driving home for Christmas: Recht stolz haben sie beim VfB jetzt die Heimkehr des obersten Schwaben vermeldet, und noch a bissle stolzer sind sie auf diese Rechnung: Für Gomez werden sie dem VfL Wolfsburg eine Ablöse von etwa 3,5 Millionen Euro überweisen - aber das Geld kommt schön schwäbisch wieder rein, weil sie eine fast identische Summe gerade für Simon Terodde kassiert haben, den sie zum 1. FC Köln gehen ließen.

Der Rheinländer Terodde, übrigens, kehrt pünktlich zum Fest ebenso nach Hause zurück wie Gomez oder Sandro Wagner, der in seine Geburtsstadt München wechselt. Und wer sich von dieser weihnachtlichen Familienromantik auf dem Stürmermarkt inspiriert fühlt, darf gerne auch noch Anthony Ujah in die Geschichte hinein komponieren: Der Nigerianer hat China gerade für den FSV Mainz 05 verlassen, seinen ersten Verein in Deutschland.

"Natürlich hat die Heimkehr von Mario Gomez einen gewissen Folklore-Charakter", sagt der Rheinländer Reschke, aber es ist ihm schon wichtig zu betonen, dass er sich in der Personalpolitik nicht vom Stern von Bethlehem leiten lässt. "Hinter dem Transfer steckt vor allem eine tiefe sportliche Überzeugung", sagt er, "ich bin mir sicher, dass sich mit Mario Gomez die Wahrscheinlichkeit auf Tore deutlich erhöht."

Nur 13 Treffer hat der VfB in der Vorrunde erzielt, "das war unsere größte Baustelle", sagt Reschke. In der Theorie sind die Stuttgarter da vorne nicht so schlecht aufgestellt, in der Praxis haben sie zuletzt aber eher Fehlzeiten als Tore addieren müssen. "Anastasios Donis hat in der Vorrunde nur etwa 40 Prozent aller möglichen Minuten absolvieren können, Daniel Ginczek etwa 20 Prozent und Carlos Mané null Prozent", sagt Reschke. Sie alle werden im Januar zurück erwartet, aber kein Doktor und kein Prophet kann abschätzen, in welcher Verfassung etwa der Portugiese Mané aus seiner dreivierteljährigen Pause wegen eines Knorpelschadens zurückkehrt; und wie belastbar der Körper des Schwerathleten Ginczek ist, das weiß kein Doktor, kein Prophet und nicht mal ein Reschke.

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