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Borussia Dortmund:Pokern um Kagawa

Borussia Dortmund kann sich keineswegs sicher sein, dass dem Klub Shinji Kagawa erhalten bleibt. Der japanische Dribbler liebäugelt mit den glamourösen Ligen in England und Spanien. Mitten in die Begeisterung über den Zukauf von Marco Reus und die Verlängerung mit Mario Götze platzt nun die nächste Poker-Runde.

"Der Job", sagt Michael Zorc, "ist nun mal so, dass man nie einen Punkt erreicht, an dem alles erledigt ist. Alles ist ständig im Fluss." Borussia Dortmunds Manager hat soeben erst eine Vertragsverlängerung mit dem BVB-Wunderkind Mario Götze präsentieren können und Wochen zuvor Lobeshymnen eingeheimst für die millionenschwere Heimholung von Marco Reus.

1. FC Koeln v Borussia Dortmund  - Bundesliga

Griff zum Vereinslogo: Noch jubelt Shinji Kagawa im Trikot von Borussia Dortmund.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Mitten hinein in die Begeisterung über diese Coups platzt nun die nächste Poker-Runde. Dortmunds japanischer Torjäger Shinji Kagawa soll den Vertrag verlängern - und wieder weiß keiner, wie das Spiel ausgeht.

Dienstag wurde berichtet, Kagawa habe das BVB-Angebot abgelehnt, er werde nach England wechseln. Zorc dementiert das: "Es ist falsch, dass Shinji oder sein Berater oder sonst jemand unser Angebot abgelehnt hat. Wir haben auch nicht den geringsten Hinweis, dass es so kommen wird." Die Nachricht sei so falsch wie die des selben Boulevardblattes vier Tage zuvor, als Kagawas Verbleib in Großbuchstaben vermeldet wurde.

So oder so: Sicher können sie sich in Dortmund nicht sein, dass ihnen Kagawa erhalten bleibt. Dass er mit den glamourösen Ligen in England und Spanien "liebäugelt", wie es Zorc vor Monaten formuliert hatte, ist im Umfeld des BVB kein Geheimnis. "Man kann", sagt Dortmunds Sportdirektor, "einem 23-Jährigen aus Japan ja nicht verübeln, dass er überlegt, ob er nicht mal eine Zeit in London oder Barcelona leben will, wenn er die Gelegenheit dazu hat." Nationalspieler Zorc selbst verbrachte seine gesamte Spielerkarriere beim BVB.

In Dortmund rätseln alle, wozu Kagawa tendiert, der 2010 von Cerezo Osaka zum Discountpreis von 350.000 Euro nach Dortmund kam. Selbst sein deutscher Berater, der ehemalige BVB-Profi Thomas Kroth, weiß offenbar nicht viel über Kagawas Pläne. Der Japaner hat Deutsch gelernt, er ist mit Kollege Kevin Großkreutz auch privat gut befreundet, schwärmt oft und gern von Dortmund - aber ob all das seine Karriere-Entscheidungen beeinflusst, traut sich keiner einzuschätzen. Nicht einmal er selbst.

Shinji tut sich sehr schwer", glaubt Zorc, "er weiß ganz genau, was er an Dortmund hat." Dass der Hakenschläger mit zwölf Saisontoren, neun Vorlagen und spektakulären Dribblings Begehrlichkeiten bei anderen finanzstarken Klubs erwecken würde, lag auf der Hand.

Das gilt für fast jeden Spieler aus der jungen BVB-Truppe. Bei Kagawa jedoch versteht niemand so recht, nach welchen Kriterien er sich für oder gegen eine Verlängerung seines bis 2013 laufenden Vertrages entscheiden würde. Zorc hat ihm einen "sehr guten" Verlängerungsvertrag vorgelegt, der ihn bis 2016 in Dortmund binden soll. Es heißt, Kagawa würde dabei in die für Dortmund neue Gehaltskategorie von rund 3 Millionen Euro aufrücken - also etwa dahin, wo nun auch Mario Götze taxiert wird.

Der Vertragsentwurf ist ausverhandelt", sagt Zorc, "es gibt von keiner Seite mehr Nachbesserungsbedarf." Von Ultimaten hält Zorc nichts. Bisher wird unterstellt, dass Klubs wie Chelsea, Manchester United oder Arsenal an Kagawa interessiert seien. Belege dafür gibt es nicht.

Für Berater Kroth, der in Japans Fußballmarkt sehr bewandert ist, wäre ein Wechsel des Klienten nach England keine allzu gute Nachricht. Kroth ist Kagawas Mann für Deutschland. Für England oder Spanien würde sich der Japaner einen anderen, jeweils dort kundigen Partner suchen. Insofern liegen die Interessen von Klub und Berater beieinander. Und Plan B? Der sieht so aus: Falls Kagawa nicht verlängert, verlangt Dortmund eine pralle zweistellige Millionen-Ablöse. Und mit Reus stünde ein adäquater Ersatz schon bereit.

© SZ vom 05.04.2012/jüsc

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