Unruhe bei 1860 München Gestresst ins Weihnachtsfest

Sportlich lief es bei den "Löwen" zum Hinrunden-Ende immer besser, doch besinnliche Tage sind trotzdem nicht in Sicht. Trainer Reiner Maurer wird ein neuer Vertrag vorerst verwehrt, weil im Verein weiter Unklarheit über die finanzielle Lage im kommenden Jahr herrscht - im Ringen zwischen Klubführung und Investorenseite könnte ein Mediator helfen.

Von Gerald Kleffmann und Philipp Schneider

Nach dem letzten Saisonspiel 2011 hatte sich die Mannschaft des TSV 1860 München mit den Angestellten sowie dem Führungsstab des Vereins zu einem besinnlichen Ausklang getroffen, das feierlich zelebrierte Abendessen im Deutschen Theater wurde zu einem "netten Beisammensein", berichtet Reiner Maurer, der Trainer war zwei Tage danach noch angetan von der Ente und der Bayrisch Creme, die verspeist wurde.

Weihnachten in Unklarheit: 1860-Präsident Dieter Schneider und Trainer Reiner Maurer.

(Foto: dpa)

Als Sechster in der Tabelle der zweiten Liga schlossen die Löwen das Jahr ab, "grundsätzlich können wir sehr zufrieden sein", resümiert Maurer, "wir konnten ja aufgrund der Finanzlage erst im Juni mit den Planungen beginnen", zudem seien die Kaderkosten um drei Millionen Euro runtergefahren worden. "Das muss man alles berücksichtigen", sagt Maurer, der betont: "Wir sind zwar 1860 mit dem Ziel Aufstieg, aber noch befinden wir uns in der Konsolidierungsphase." Für ihn, den 51-Jährigen aus Mindelheim, ist das alles irgendwie gut und schlecht zugleich.

Malura nach Heidenheim

Aufgrund des Sparzwangs ging der Verein kein teures Experiment ein und gab Maurer abermals die Chance, das Team zu führen, zuletzt konnte der Trainer wieder beweisen, dass er seine Spieler trotz innenpolitischer Turbulenzen im Verein zu Erfolgen führen kann, fünf Siege in den vergangenen sieben Partien sprechen auch für den Fußballlehrer.

Nun, da der Ligabetrieb bis Anfang Februar ruht, würde sich Maurer mit Sportchef Florian Hinterberger gerne um die Zukunft kümmern, doch weil so vieles unklar ist, etwa ob Investor und Miteigentümer Hasan Ismaik Geld für Investitionen fließen lässt, hängt auch das weitere Engagement der sportlichen Führung über den Sommer hinaus in der Schwebe.

"Florian und ich würden gerne Spieler sichten und Gespräche führen", sagt Maurer, der auf ein Problem verweist: "Die erste Frage, die Spieler stellen, ist doch: Bist du nächstes Jahr noch Trainer?" Er müsste erklären, er wisse es nicht, und das wäre eine ungünstige Verhandlungsbasis als Vereinsvertreter. Nicht umsonst hätten "die meisten Trainer einen Vertrag bis 2013", merkt Maurer an, der nicht nur subtil das Thema Vertragsverlängerung anspricht, sondern deutlich: "Mir geht es nicht um drei Jahre, sondern um ein weiteres. Wir sollten nicht erst wie im Sommer kurz vor Beginn der Saison handlungsfähig werden."

Die Tagesaktualität spielt Maurer dabei in die Karten, am Dienstag wurde bekannt, dass Dennis Malura, der im Sommer kam und nicht Tritt fasste in München, zum Drittligisten Heidenheim wechselt; überdies könnten weitere Profis gehen. Umso dringlicher wäre dann, den Aufbau eines neuen Teams anzugehen - mit einer dazu bemächtigten sportlichen Leitung. "Wenn alle gesund bleiben, könnte der Kader reichen", sagt zwar Maurer. Nur wer mag davon ausgehen, dass sich keiner verletzt? Höchstens Träumer und Ahnungslose.

Robert Schäfer bestätigt indes, dass Manuel Schäffler ein Angebot vom FC Ingolstadt hat (sowie von einem anderen Klub), dass "ein weiterer Spieler aus sportlichen Gründen" bald Abschied nehmen könnte, und er sagt: "Sollte keine Einigung erzielt werden, könnten auch weitere Spieler aus finanziellen Gründen abgegeben werden müssen."

TSV 1860 München

Gefangen zwischen Tradition und Chaos