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Max Kruse bei Union Berlin:Bescheidene Gehaltsansprüche

Dass er finanzielle Zugeständnisse gemacht haben soll, ist wohl alles andere als Koketterie. Bei Werder sollen sie sich gewundert haben, wie bescheiden die Gehaltsansprüche Kruses waren, als die Möglichkeit einer Rückkehr an die Weser besprochen wurde. Und dass bei der Entscheidung für Union auch weiche Faktoren eine Rolle spielten, etwa die Attraktivität der Metropole Berlin, leugnete Kruse nicht. Wohl aber verneinte er, dass sie ausschlaggebend gewesen seien. Wichtiger sei, dass er "in einen Klub komme, der für eine gewisse Kultur steht". Und in den er wohl bestens passt.

Zu den orthodoxen Profis zählt Kruse nicht; Stromlinienförmigkeit schätzt er an Autos, aber nicht an sich selbst. Dafür nimmt er offenkundig in Kauf, dass er mitunter moralingetränkte Porträts über sich lesen muss. In den örtlichen Medien wurde er als großartiger Fußballer begrüßt, andererseits aber auch als ein Mann geschildert, dem ein "schnöseliger Ruf" vorauseile (Tagesspiegel), beziehungsweise der ein "Exzentriker" und eine "Reizfigur" mit "nicht immer solidem Lebenswandel" sei, wie die Berliner Zeitung erklärte.

Sogar "wechselnde Lebensgefährtinnen" wurden thematisiert, seine Freude an Nussnougat-Creme, und natürlich auch seine Erfolge am Pokertisch, in Las Vegas und am Rande von 14 Einsätzen in der Nationalelf. "Alles gute Verlierer", rief er den DFB-Kollegen in der Zeit hinterher, passenderweise nach der WM 2018, die für die DFB-Mannschaft (ohne den ausgebooteten Kruse) nach der ersten Runde endete. Er selbst verlor auch einmal etwas: Pokererlöse nach durchzockter, aber nicht durchzechter Nacht: Er trinkt angeblich keinen Alkohol.

Er habe ein Privatleben, sagte Kruse, und fügte an, es sei schade um jeden, der keines habe. Aber: "Ich bin nicht hier, um mich um das Nachtleben in Berlin zu kümmern. Ich bin hier, um Fußball zu spielen." Vermutlich sollte man das nicht unterschätzen.

© SZ vom 08.08.2020/jbe

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