WM und EM im Fußball:Es geht mal wieder ums Geld - aber nicht nur

Die Uefa überlegt, die Fußball-EM auf 32 Teams aufzustocken. Das ist auch eine Reaktion auf einen noch viel umstritteneren Plan von Fifa-Chef Gianni Infantino.

Kommentar von Claudio Catuogno

Die Meldung der Nachrichtenagentur AP, wonach die Uefa darüber nachdenke, die EM ab dem Jahr 2028 auf 32 Teams aufzustocken, hat bisher zu keinen Protestveranstaltungen geführt. Weder haben wütende Fans beim Finale in Wembley die Zahl 24 hochgehalten (so viele Teams sind derzeit dabei), noch ist Twitter durchgedreht. Das kann daran liegen, dass Europas Fußball-Union die Gedankenspiele offiziell nicht bestätigt hat. Oder daran, dass sowieso niemand etwas anderes erwartet.

In Frankreich vor fünf Jahren wurde das Turnier von 16 auf 24 Teilnehmer erweitert, die Katar-WM 2022 wird die letzte mit 32 Mannschaften sein, 2024 in den USA, Kanada und Mexiko treffen sich schon 48 Teams. Und wie verkündete einst der Fußballvisionär Sepp Blatter? Irgendwann werde man "nicht mehr nur eine Weltmeisterschaft, sondern interplanetarische Wettbewerbe haben". Eben!

Was für oder gegen eine Aufstockung der EM spricht

Die Argumente gegen bzw. für eine Aufstockung sind tausendfach ausgetauscht. Einerseits ist da die Sorge der großen Verbände (und der Klubs als Arbeitgeber der Spieler) vor immer mehr Partien und immer mehr Belastung. Und wenn es in Zukunft nicht mehr möglich ist, dass etwa Deutschland, Frankreich und Portugal in der gleichen EM-Gruppe spielen, weil auch Moldau, Liechtenstein und Andorra noch ein Plätzchen bekommen, ist der sportliche Wert der Vorrunde gleich Null.

Andererseits würde die EM-Qualifikation aufgewertet, wenn viel mehr der 55 Uefa-Mitgliedsverbände auf eine Turnierteilnahme hoffen könnten, nicht nur die immergleiche Elite. Und, das wichtigste Argument: Mehr Spiele heißt mehr Fußball im Fernsehen heißt mehr Geld für die Uefa. Wird es also eh so kommen?

Zumindest sind diese Argumente nur der offensichtliche Teil des Geschäftsbetriebs. Mitgedacht werden muss auch der Abwehrkampf, den die Uefa gegen die Attacken des Weltverbands Fifa führt, wo Präsident Gianni Infantino Anlauf um Anlauf nimmt, um die wertvollsten Filetstücke des europäischen Fußballs aus der Uefa herauszulösen und selbst zu Geld zu machen.

Die Gründung einer europäischen Superliga durch spanische, italienische und englische Groß-Klubs war da nur die jüngste Eskalation - ein Fifa-Mann saß bei den Verhandlungen mit am Tisch! Immerhin: Dieses Spalterprojekt hat die Uefa abgewendet. Ein anderer Zugriff ins Herz des europäischen Fußballs soll die aufgeblähte Fifa-Klub-WM sein. Ursprünglich hatte Infantino sogar geplant, dieses neue Format samt weiterer Fifa-Rechte an ein arabisch-asiatisches Finanzkonsortium zu verscherbeln, in dem er selbst eine Schlüsselrolle spielen sollte. Auch dieser Plan ging bisher nicht auf.

Die WM könnte bald alle zwei Jahre stattfinden - Arsène Wenger wird für dieses Projekt von der Fifa bezahlt

Und nun, mitten in die laufende EM hinein, die Bekräftigung des nächsten Projekts: Die Fifa überlegt, ihre WM alle zwei Jahre auszutragen! Natürlich nur, um dadurch "die Qualität der Spiele auf der ganzen Welt zu verbessern", wie der zuständige Projektmann Arsène Wenger gerade behauptet hat, der für solche Sätze von Infantino bezahlt wird. Für die EM bliebe in diesem Fifa-Szenario kaum noch Platz.

Was es bringt, dem WM-Größenwahn seinerseits Pläne für eine aufgeblähte EM entgegenzusetzen? Sollen die Turniere demnächst gleichzeitig stattfinden? Und am Ende wirklich auf dem Mond? Vor allem dürfte es darum gehen, Europas Verbände zusammenzuhalten. Infantino braucht europäische Stimmen für seine Projekte, und wenn er auch nicht jedem einen Startplatz bei seiner 48er-WM versprechen kann, so verspricht er eben: viel Geld! Bisher sind die Europäer da standhaft geblieben, auch die kleinen Verbände. Die Aussicht, vielleicht doch mal an einer EM teilzunehmen, wird der Loyalität zur Uefa da sicher zuträglich sein.

© SZ/bek/jkn/sjo
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