Deutsche U21-Nationalmannschaft:Ein Kader voller Senkrechtstarter

Deutsche U21-Nationalmannschaft: Gesichter, die man aus der Bundesliga kennt: Die Startelf der deutschen U21 beim Länderspiel im Oktober gegen Bulgarien.

Gesichter, die man aus der Bundesliga kennt: Die Startelf der deutschen U21 beim Länderspiel im Oktober gegen Bulgarien.

(Foto: Aleksandar Djorovic/Imago)

Beier, Gruda, Röhl, Knauff, Martel und viele mehr: U21-Trainer Di Salvo kann in der EM-Qualifikation auf eine reiche Auswahl an Talenten zurückgreifen, die in ihren Bundesliga-Klubs als Stammspieler etabliert sind - nur Adeyemi trainiert lieber daheim.

Von Ulrich Hartmann

Alle vier Wochen wählt die Fußball-Bundesliga mit dem Votum von Fans, Klubs und Experten ihren besten jungen Spieler, den "Rookie des Monats". Im August gewann diesen Titel Victor Boniface, 22. Im September auch. Und im Oktober wieder. Boniface ist der neue Torjäger von Bayer Leverkusen - aus Nigeria. Für den deutschen U21-Nationaltrainer Antonio Di Salvo ist dessen Dreifachtitel okay so, obwohl in jedem der drei Monate auch einer seiner DFB-Spieler zur Wahl stand: erst der Freiburger Torwart Noah Atubolu, dann der Hoffenheimer Angreifer Maximilian Beier und zuletzt der Mainzer Flügelstürmer Brajan Gruda.

"Wenn Victor Boniface drei Mal nacheinander zum Rookie des Monats gewählt wird, dann hat er bestimmt gute Leistungen gezeigt", sagt Di Salvo lächelnd. Für seine U21-Schützlinge hat er bei dieser Wahl nichts tun können: "Ich sitze da nicht im Gremium."

Di Salvo hat sein eigenes Gremium. Er nominiert mit seinen Assistenten Daniel Niedzkowski, Hermann Gerland und Klaus Thomforde alle paar Wochen eine ganze Reihe von Rookies. Wenn Deutschlands ältestes Nachwuchsnationalteam nun in der EM-Qualifikation an diesem Freitag gegen Estland (in Paderborn) und nächsten Dienstag gegen Polen (in Essen) spielt, dann hat Di Salvo nicht nur die drei genannten, in ihren Klubs etablierten Toptalente Atubolu, Beier und Gruda dabei, sondern mit dem Kölner Eric Martel, den Gladbachern Luca Netz und Rocco Reitz, dem Frankfurter Ansgar Knauff und dem Freiburger Merlin Röhl fünf weitere aktuelle Bundesliga-Stammspieler.

Atubolu hatte in Freiburg seinen Stammplatz im Tor schon zu Saisonbeginn zugesichert bekommen. Der Rechtsaußen Knauff erkämpft sich in Frankfurt derzeit Spielzeit zurück und hat kürzlich sein fünftes Bundesliga-Tor erzielt. Beier macht in Hoffenheim mit sechs Treffern seit Saisonbeginn auf sich aufmerksam. Netz hat sich in Gladbach als Linksverteidiger genauso etabliert wie Martel in Köln als defensiver Mittelfeldspieler - und Gruda ist in Mainz ein Himmelsstürmer, der sich zuletzt nur von einer Fußverletzung ausbremsen lassen musste. Die Reihe erfolgreicher Jungprofis wird immer länger: Am Wochenende schossen Röhl für Freiburg und Reitz für Gladbach ihre ersten Bundesliga-Tore.

Die Hoffnung bei Moukoko ist, dass er sich bei der U21 Selbstvertrauen für den BVB holt

"Wir haben gern Spieler bei uns, die in Topform sind, die das Momentum auf ihrer Seite haben und in ihren Klubs viele Spielanteile bekommen", sagt Di Salvo. Reitz war als Nachnominierter beim letzten U21-Lehrgang noch nicht zum Einsatz gekommen. Seither aber hat er sich in der Gladbacher Stammelf etabliert und ist dort derzeit sogar den früheren Nationalspielern Florian Neuhaus und Christoph Kramer voraus. Gegen Estland und Polen sollte er seine ersten U21-Einsätze bekommen. Röhls Treffer zum Freiburger 1:1-Ausgleich im Gastspiel in Leipzig am Sonntag (Endstand 1:3) hatte Tor-des-Monats-Qualität - nach einem fabelhaften Solo über mehr als den halben Platz und einem sehenswerten Abschluss-Schlenzer. "Merlin hat sich in Freiburg in eine Mannschaft hineingekämpft, in der es gar nicht so einfach ist, einen Platz zu ergattern", sagt Di Salvo, "er ist sehr schnell, zielstrebig und schussstark."

Eine derzeit höchst ansehnliche Auswahl an auch torgefährlichen Mittelfeldspielern erleichtert es dem U21-Nationaltrainer, auf Karim Adeyemi zu verzichten, der von Julian Nagelsmann nicht für die A-Mannschaft nominiert wurde und sich daraufhin offenbar entschied, lieber bei Borussia Dortmund zu trainieren als für die U21 zu spielen. "Er wollte beim Verein bleiben, um dort an seinen Zielen zu arbeiten", bestätigt Di Salvo. Adeyemi kämpft beim BVB um einen Stammplatz. "Uns hätte er mit seiner Qualität natürlich geholfen", fügt der U21-Trainer hinzu, und man meint herauszuhören, dass er sich gewünscht hätte, dass Adeyemi wie beim vergangenen Lehrgang wieder für die U21 zur Verfügung gestanden hätte.

Froh ist Di Salvo deswegen umso mehr, dass Youssoufa Moukoko, ebenfalls kein Stammspieler beim BVB, der U21 treu bleibt. Der 18 Jahre alte Mittelstürmer erzielte von den jüngsten sechs U21-Treffern in zwei Qualifikationsspielen gegen Kosovo (3:0) und Bulgarien (3:2) fünf. "Youssoufa weiß, dass er für uns wichtig ist", sagt Di Salvo, "und wir versuchen, ihm Selbstvertrauen zu geben." So viele Stammspieler er zurzeit in der U21 auch hat, Di Salvo weiß, dass eine Berufung auch mal helfen kann, um Hindernisse im Verein zu überwinden.

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