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Streit um TV-Gelder:Der Profifußball steuert auf eine Konfrontation zu

Treffen der Fußball-Clubs in Frankfurt

Erklärung am Frankfurter Airport: Karl-Heinz Rummenigge, Chef der FC Bayern München AG.

(Foto: Arne Dedert/dpa)

Das Treffen von 15 Profi-Klubs in Frankfurt hat den Charakter eines Kriegsrates. "Sie haben uns den Fehdehandschuh hingeworfen", wirft Initiator Karl-Heinz Rummenigge der Gegenseite vor.

Von Philipp Selldorf

Rund drei Stunden dauerte am Mittwoch das Sondertreffen der Vertreter von 15 Profifußball-Klubs am Flughafen in Frankfurt, die Nachwirkungen dürften die Branche noch lange beschäftigen. Zwar erklärte Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandschef des FC Bayern und Initiator der Veranstaltung, dass es bei der Zusammenkunft nicht darum gegangen sei, über die Aufteilung der Gelder aus dem nächsten Fernsehvertrag zu reden. Die Botschaft, die er anschließend den Medienvertretern zum besagten Reizthema übermittelte, machte aber deutlich, dass der deutsche Profifußball auf eine Konfrontation zusteuert. Insofern hatte das vermeintlich informelle Treffen des 15er-Kreises durchaus den Charakter eines Kriegsrates. Fronten sind entstanden.

Den Vorstoß einiger Vereine, eine neue Regelung für die Aufteilung der TV-Beute zu finden, rückte Rummenigge in die Nähe eines vorsätzlichen Vertrauensbruchs und einer Provokation: "Den Solidarpakt haben nicht wir gebrochen - sie haben uns den Fehdehandschuh hingeworfen", sagte Rummenigge an die Adresse der betreffenden Erstligavereine und ihrer Unterstützer aus der zweiten Liga. Der VfB Stuttgart, Arminia Bielefeld, Mainz 05 und der FC Augsburg hatten kürzlich einen Vorstoß angeführt, um dafür zu werben, die Gelder aus der Fernsehvermarktung nach anderen Kriterien zu Lasten der Spitzenklubs neu zu verteilen. Die Überlegungen gelangten, sicher nicht unbeabsichtigt, in die Öffentlichkeit. Rummenigge kritisierte, diese Vereine machten damit Druck auf das Präsidium der Deutschen Fußball Liga: "Wir wollen das nicht", betonte er, "wir haben ausdrücklich beschlossen, dass der Kompetenzbereich beim DFL-Präsidium liegt. Ich glaube, wir sind gut beraten, keine Impulspapiere durch die Republik zu schicken - was bei anderen Klubs passiert ist."

Die vier Vereine waren zum Frankfurter Treffen nicht eingeladen worden und hatten insofern keine Möglichkeit, ihre Position zu vertreten. Dies wurde auch von Vereinen kritisiert, die an der Runde teilnahmen, bisher äußerte aber nur Werder Bremen öffentlich Zweifel an dem Vorgehen. Das vom Ausschluss betroffene Quartett hatte von Stellungnahmen abgesehen.

Die Verteilung der Medieneinnahmen ist schon lange ein Streitthema. Die Vereine unterhalb der Spitzenklubs plädieren künftig für mehr Chancengleichheit. Auch Fan-Organisationen, deren Meinung in der Debatte mehr Gewicht hat als früher, sprechen sich für Veränderungen aus. Die finanzielle und sportliche Vormachtstellung des FC Bayern wirft in der Branche und im Publikum Grundsatzfragen auf.

Bei der Verteilung der Einnahmen aus den Medienverträgen für die Spielzeiten 2021/22 bis 2024/25 geht es um insgesamt etwa 4,4 Milliarden Euro. Am 7. Dezember ist ein Treffen der 36 Erst- und Zweitligisten geplant, die Entscheidung trifft aber das neunköpfige DFL-Präsidium. Jan-Christian Dreesen (Bayern) sitzt dort als einziger Vertreter eines Spitzenklubs.

"Wir haben leider die Problematik, dass wir rund 200 Millionen Euro weniger Einnahmen national und knapp 100 Millionen weniger international haben. Zum ersten Mal seit langer, langer Zeit werden also alle 36 Klubs weniger in der Tüte haben", betonte Rummenigge.

© SZ vom 12.11.2020/tbr
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