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Turnen - Chemnitz:Turn-Trainerin Frehse bittet Ethik-Beauftragte um Hilfe

Chemnitz
Die Deutsche Frauen-Trainerin Gabriele Frehse. Foto: picture alliance / Catalin Soare/dpa/Archivbild (Foto: dpa)

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Chemnitz (dpa) - Die Chemnitzer Turn-Trainerin Gabriele Frehse hat sich rund vier Wochen nach Veröffentlichung des Gutachtens zu Missbrauchsvorwürfen mit einem Offenen Brief an Brigitte Zypries, Ethik-Beauftrage des Deutschen Turner-Bundes (DTB), gewandt. Dabei bittet die seit zwei Monaten suspendierte Trainerin der Olympia-Dritten Sophie Scheder um Unterstützung bei Zypries, um Einsichtnahme in den Untersuchungsbericht zu erhalten.

Nach einer Untersuchung durch eine Frankfurter Kanzlei hatte der DTB "schwerwiegende Pflichtverletzungen" von Frehse festgestellt. Ex-Weltmeisterin Pauline Schäfer und weitere Turnerinnen hatten Frehse vorgeworfen, sie im Training schikaniert, Medikamente ohne ärztliche Verordnung verabreicht und keinen Widerspruch zugelassen zu haben. Frehse hat die Vorwürfe mehrfach bestritten.

"Leider kann ich aber bis heute nicht Stellung zu den konkreten Vorwürfen des Untersuchungsberichts des DTB nehmen, da mir der Verband die Einsichtnahme in den Bericht seit Wochen verwehrt. Was genau ermittelt wurde, ist mir bis heute nicht bekannt", erklärte Frehse in ihrem Statement, das unter anderem das Online-Portal "gymmedia.de" veröffentlichte. Zunächst hatte die "Freie Presse" darüber berichtet.

Laut Frehse sei es kein faires Verfahren. "Aus meiner Sicht verletzt der DTB hier elementare rechtliche Grundprinzipien. In jedem normalen Strafverfahren steht dem Beschuldigen ein Recht auf Akteneinsicht zu, aber der DTB möchte hier stattdessen nach eigenen Regeln spielen und die Akte unter Verschluss halten", schrieb Frehse. Daher habe sie sich bereits an den hessischen Datenschutzbeauftragten gewandt.

Frehse bittet Zypries, "im Rahmen Ihrer Möglichkeiten darauf hinzuwirken, dass der DTB die Grundsätze eines fairen und datenschutzrechtlich einwandfreien Verfahrens wahrt und mir Einsicht in den Untersuchungsbericht gewährt". Nur dann sei die Trainerin in der Lage, sich mit den in dem Bericht gegen sie erhobenen Vorwürfen auseinanderzusetzen und öffentlich dazu Stellung nehmen zu können.

Der DTB hatte zuletzt bereits erklärt, seine Vorgehensweise beruhe "auf dem Schutz der Persönlichkeitsrechte der Betroffenen, der Wahrung von der Untersuchungskommission zugesagter Anonymität und auch darüber hinaus dem Schutz der Personen, die sich der Untersuchungskommission anvertraut haben". Frehse sei am Abend vor Veröffentlichung des Gutachtens über die Vorwürfe informiert worden.

Am Samstag teilte der Verband zudem mit: "Dessen ungeachtet wird der DTB Frau Frehse darüber hinaus Einsicht in den Untersuchungsbericht gewähren, soweit dies datenschutzrechtlich zulässig ist." Die Frage des Schutzes der Persönlichkeitsrechte sei der Trainerin "sowohl Ende Januar als auch Anfang Februar 2021 bereits schriftlich erläutert" worden.

© dpa-infocom, dpa:210220-99-520560/3

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