TSV 1860 München Karger - das Pendant zu Robben

Daniel Bierofka nahm gegenüber dem 4:1 in Memmingen eine Änderung vor. Als Rechtsverteidiger spielte Eric Weeger anstelle von Kilian Jakob. Ansonsten hat er seine Wunschformation wohl schon gefunden. Seine Mannschaft ist ja auch eine zum Liebhaben. Die Flügelzange mit Benjamin Kindsvater und Nico Karger ist sozusagen das Pendant zu Robben und Ribéry in ihren Glanzzeiten. (Bloß halt in der Regionalliga). Zwischen ihnen lungert der irre motivierte Sascha Mölders. Und bedient werden sie mit Pässen aus dem nach wie vor sehr feinen Fuß von Timo Gebhart, 28.

Durch Giesings Höhen und Tiefen

Der TSV 1860 München kehrt ins Grünwalder Stadion zurück. Warum das Stadion den Fans so viel bedeutet? Ein Rückblick auf die Bayernliga, einen Meistertitel - und einen Gast namens Pelé. mehr ...

Wie es halt so ist bei den großen Premieren: Es klappt nicht immer alles auf Anhieb, schon gar nicht die Abstimmungen und Abläufe. Und dann muss der Souffleur eingreifen, der bei 1860 Bierofka heißt und schreit anstelle zu flüstern. Sechzig war von Beginn an zwar überlegen, aber Burghausen ging knallhart in die Zweikämpfe, um dem beabsichtigten schönen Spiel seinen Fluss zu nehmen.

Die Alten haben es gerichtet

Die erste Chance hatte Burghausen: Muhamed Subasic trat einen Freistoß, den viele für eine Flanke hielten, dann klatschte der Ball gegen die Latte. Im Gegenzug probierte es Gebhart mit einem Schuss aus 30 Metern. Nach einer Weile passten sich Christian Köppel und Gebhart sehenswert durch den gegnerischen Strafraum, aber der Abschluss geriet dürftig. In der Westkurve war gerade der Spruch "Egal ob Schauer oder Gewitter. Wir lassen dich nicht im Regen stehen. Durchhalten!" ausgepackt worden, da hatten die Fans einen Anlass, diese löbliche Haltung zu beweisen: Ein kollektiver Seufzer wurde in Giesings Lüfte gehaucht, nachdem Tobias Janietz das Durcheinander in Sechzigs Deckung genutzt hatte: 0:1 (33.). 1860 benötigte ein paar Minuten, um sich zu sammeln, vor der Pause prüfte Gebhart Burghausens Schlussmann Flückiger immerhin mit einem strammen Freistoß. Flückinger musste sich strecken. Arg strecken.

0:1 zur Pause? Nicht mit Bierofka.

Gierig wie halbverhungerte Hyänen kehrten die Löwen zurück. Nach einer Flanke von Daniel Wein flog von hinten Jan Mauersberger heran, der den Ball mit dem Kopf zum Ausgleich ins Netz wuchtete (49.). Zwölf Minuten später traf der sträflich ungedeckte Gebhart nach einem Eckball per Kopf: 2:1 (61.). Der Rest war dann nur noch Schaulaufen. Sechzig rannte das gegnerische Tor an, als sei Burghausen Kreisligist. Nach 78 Minuten wurde Gebhart vom Feld gerufen, die Fans feierten ihn mit Stehenden Ovationen. Sechs Minuten vor Schluss schlenzte Mölders nach Querpass von Nicholas Helmbrecht auch noch den Ball ins Tor zum 3:1-Endstand.

Mauersberger, Gebhart, Mölders. Die Alten haben es gerichtet am Tag der Rückkehr ins ehrwürdige Stadion von 1911. "Sie sind unsere Achse. Deshalb haben wir sie geholt", lobte Bierofka. Das Spiel war lange aus, da sangen die Fans in der Westkurve noch längst vergessene Lieder: "Oh, wie ist das schön". Und dann war die Rückkehr von 1860 München ins Grünwalder Stadion Geschichte. Eine herrliche Geschichte.