TSV 1860 München Gierig wie halbverhungerte Hyänen

Daniel Wein klatscht die Fans ab.

(Foto: Tobias Hase/dpa)
  • Zwölf Jahre nach dem letzten Pflichtspiel einer ersten Mannschaft des TSV 1860 München im Grünwalder Stadion gewinnen die Löwen 3:1 gegen Burghausen.
  • Die drei erfahrensten Spieler erzielen die Tore - in der Westkurve singen die Fans längst vergessene Lieder
Aus dem Stadion von Philipp Schneider

Schön zu sehen, dass der Löwe auch in der unwirtlichen Steppenlandschaft der Regionalliga jenes gesellige Tier geblieben ist, als das ihn selbst die Elefanten des Profifußballs schätzen gelernt haben. In dichten Trauben versammelten sich die Fans des TSV 1860 München am Freitagabend vor dem Anpfiff, anstatt sich wie die Vögel über Giesings Höhen zu verteilen. An der Ecke Grünwalder Straße, Candidstraße drängten sie sich vor dem Biergarten Wienerwald so dicht, als sei dieser das einzige Wasserloch auf einem Quadratkilometer Fläche. Überall parkten Busse und heraus stiegen Löwen mit den Trikots ihrer alten Helden. Holebas, Cerny, Häßler. Als wäre die Zeit stehen geblieben vor diesem 3:1 (0:1) gegen Wacker Burghausen, das ja die Rückkehr von Sechzigs erster Mannschaft ins Grünwalder Stadion nach zwölf Jahren Abstinenz markierte.

Innen im Rund rief der Stadionsprecher Stefan Schneider immer wieder die Frage, ob denn alle zuhause seien. "Ist jemand in der Stehhalle zuhause?!" Die Betonung lag natürlich auf zuhause. Also riefen die Fans in der Stehhalle: "Jaaaaa!" Schneider war überhaupt sehr witzig aufgelegt. Er habe doch neulich jemanden brüllen gehört, 1860 würde "to the top" gehen, sagte Schneider in Anspielung auf den ambitionierten Trainer Vitor Pereira, der 1860 mit seiner Idee von Kurzpassspiel aus der zweiten Liga entfernt hatte. "Vielleicht war damit ja der Giesinger Berg gemeint?"

Alles blieb friedlich

Auf dem Berg jedenfalls blieb alles friedlich. Am Vorabend hatten die Ultras der "Münchner Löwen" eine Art Verhaltenskodex veröffentlicht. Mit der Rückkehr nach Giesing gehe ein "fast schon nicht mehr für möglich gehaltener Traum in Erfüllung", hieß es darin. Anders als in Fröttmaning, hatten die Ultras erkannt, leben rund um das Grünwalder Stadion allerdings "100 000 Einwohner, die das Wirken, Auftreten und Verhalten von uns Fans mitbekommen werden". Also wurden die Ultras wunderbar konkret: "Wir vermüllen unser Viertel nicht mit Flaschen, Pizzakartons oder Verpackungsmaterial von Fastfood-imbissen! Wir zerdeppern keine Glasflaschen, kleben keine Aufkleber auf Privateigentum und biesln nicht in Hauseinfahrten oder an Gartenzäune!"

Gut, gebieslt wurde natürlich trotzdem hier und da, was möglicherweise die Freude der 100 000 Einwohner ein wenig trübte. Nicht aber die Freude derer, die gekommen waren, um zum ersten Mal seit dem 22. Mai 2005 die erste Mannschaft des TSV 1860 in Giesing spielen sehen wollten. Vor dem Anpfiff zündeten Chaoten Böller hinter der Stehhalle, ansonsten gab es den ganzen Abend Volksfeststimmung und eine Choreografie in der Westkurve: "Willkommen am Ort der sportlichen Erfolge!!!", stand auf einem Transparent. Diesem Ort blieb Investor Hasan Ismaik fern. Dafür saß, im weißen Hemd mit blauen Hosenträgern, in der ersten Reihe: Gerhard Mey. Der Münchner Milliardär, der gerne einsteigen würde als Investor bei 1860.