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Supercup in Budapest:Super stur, super unsinnig

Puskás-Arena in Budapest

In der Puskás-Arena in Budapest findet das Supercup-Finale zwischen Bayern und Sevilla statt.

(Foto: AP)

Die Idee, das Supercup-Finale vor Fans zu spielen, war einmal verständlich. Doch inzwischen ist Budapest ein Risikogebiet - die Uefa hätte von ihrem Plan abkehren müssen.

Kommentar von Sebastian Fischer

Der Supercup wurde erfunden, um eine Frage zu beantworten, die sich im Grunde nicht mehr stellt. Der niederländische Journalist Anton Witkamp hatte 1972 die Idee, die definitiv beste Mannschaft Europas in einem Spiel zwischen den Gewinnern der Europapokale der Landesmeister und der Pokalsieger zu ermitteln; Ajax Amsterdam gewann die Erstausgabe. Mittlerweile wird der Cup zwischen den Siegern von Champions League und Europa League ausgetragen, zwei Wettbewerbe, die in puncto Prestige und Wert längst unvergleichbar sind. Wenn sich nun in Budapest der FC Bayern und der FC Sevilla gegenüberstehen, geht es zuvorderst um die Beantwortung einer anderen Frage. Und diesmal ist es nicht nur ziemlich unnötig, sie zu stellen, diesmal ist es auch gefährlich.

Können im europäischen Fußball Zuschauer in die Stadion zurückkehren? Um das herauszufinden, hat die Uefa die Partie vor einem Monat als eine Art Pilotprojekt auserkoren: Etwa 30 Prozent der Puskás-Arena dürfen voll werden, das entspricht etwa 20 000 Menschen. Dass der Verband irgendwann testen will, wie Spiele mit Fans aus verschiedenen Nationen während der Pandemie funktionieren können, ist verständlich, wenn auch im Ligabetrieb wieder Menschen auf den Tribünen sitzen. Aber inzwischen ist Budapest ein Risikogebiet, vom Robert-Koch-Institut als solches definiert, mit einer Inzidenzzahl von mehr als 100. Das ist etwa der doppelte Faktor Münchens, wo am ersten Spieltag deshalb die Ränge leer bleiben mussten und vorerst leer bleiben - und wo von diesem Donnerstag an wieder striktere Regeln gelten, zum Beispiel eine Maskenpflicht in der Fußgängerzone. So verständlich die Idee der Uefa also einmal war, so unsinnig ist es nun, stur an ihr festzuhalten.

Der FC Bayern wies gar auf eine Warnung des Auswärtigen Amtes hin

Vom Verband heißt es zwar, es würden alle Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Doch selbst jene, die jüngst noch Verständnis zeigten, sehen das nun etwas anders. Fans, die aus München anreisen wollten, stornieren in Scharen ihre Tickets, auch seitdem Bayerns Ministerpräsident Markus Söder anlässlich des Supercups die Verschärfung von Quarantäneregeln verkündete. Selbst Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, der am Sonntag noch sein Verständnis für die Pläne betonte, wählte nun seine Worte anders: "Ich glaube, Bauchschmerzen hat jeder." Der Klub wies gar ausdrücklich auf eine Warnung des Auswärtigen Amtes "vor nicht notwendigen touristischen Reisen" nach Budapest hin.

Dort, in Ungarns Hauptstadt, hat sich der grün-liberale Oberbürgermeister Gergely Karácsony für ein Spiel ohne Zuschauer ausgesprochen. Allerdings sagte er auch: "Die Verantwortung liegt bei denen, die die Entscheidungsgewalt haben." Das sind Uefa-Präsident Aleksander Čeferin und Ungarns rechtsnationaler Ministerpräsident Viktor Orbán, der beim Spiel genauso als Ehrengast erwartet wird wie Sándor Csányi, Ungarns Verbandschef, der als Vizepräsident im Uefa-Exekutivkomitee sitzt.

Wie umstritten die Rolle des Verbands ist, unterstrich die Wortmeldung von Portos Bürgermeister, der mit einer Klage drohte. Seiner Stadt sei die Austragung der Partie entzogen worden - mit hohem Infektionsgeschehen als Begründung.

© SZ vom 24.09.2020/chge
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