Super Bowl:"Ich wäre als Pastor genauso glücklich"

  • Nick Foles führt die Philadelphia Eagles als Quarterback zum Super-Bowl-Sieg gegen die New England Patriots.
  • Dabei war er vor der Saison nur Ersatz und war für die Fans Zeichen einer schrecklichen Vergangenheit.
  • Noch im vergangenen Sommer musste er sich zwischen dem Football und einer Karriere als Pastor entscheiden.

Von Jürgen Schmieder

Footballprofi oder Pastor an einer High School? Das waren die Optionen, aus denen Nick Foles im vergangenen Sommer wählen musste. Und wer am Sonntag das Finale der US-Profiliga NFL verfolgt hat, dürfte meinen, dass sich Foles richtig entschieden hat: Er führte die Philadelphia Eagles zum überraschenden Triumph über die New England Patriots und wurde zum wertvollsten Spieler der Partie gewählt. Foles wird nun weltweit für seine Leistung gefeiert und dürfte demnächst bestens dotierte Verträge unterschreiben. Ist das nicht wunderbar?

"Ach, es wäre auch andersherum wunderbar gewesen", sagte Foles schon vor der Partie: "Ich bin dankbar, dass ich hier sein darf, aber ich wäre als Pastor genauso glücklich." Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Der Super Bowl ist ein Spektakel gigantischen Ausmaßes. Mehr als 110 Millionen Amerikaner sehen zu, es geht um Milliarden Dollar. Einmal im Finale der National Football League zu stehen ist der Traum vieler Kinder. Und dann sagt der Held, es wäre gar nicht schlimm gewesen, wenn er, statt Held zu sein, nun mit Teenagern über Gott sprechen würde.

Foles, 29, stammt aus dem US-Bundesstaat Texas, von dem es heißt, dass die Einwohner drei Dinge ganz besonders verehren würden: Gott, Football und Fleisch. Foles' Eltern besaßen mehrere Restaurants, sie gingen am Freitagabend ins Footballstadion und am Sonntag in die Kirche. Die Hierarchie der texanischen Dreifaltigkeit ist nicht eindeutig festgelegt, also kümmerte sich Foles als Jugendlicher zunächst weniger ums Fleisch und um Gott als vielmehr um den Sport. Die Philadelphia Eagles verpflichteten ihn im Jahr 2012 und machten ihn rasch zum Stammspieler. Er galt als Hoffnung auf eine glorreiche Zukunft.

Doch nach schlechten Leistungen und einigen Verletzungen schickten ihn die Eagles im Sommer 2015 fort. Zwei Jahre lang tingelte Foles als Ersatzspieler durch die Liga und bemerkte dabei, wie sich die Prioritäten in seinem Leben verschoben. Seine Frau Tori, die er an der Universität in Arizona kennengelernt hatte, litt an der Infektionskrankheit Lyme-Borreliose und erwartete das erste gemeinsame Kind. Foles wollte aufhören, doch die Eagles überredeten ihn zum Weitermachen und gaben ihm einen Zweijahres-Vertrag als Bankdrücker. Für die Anhänger des Vereins war er nun nicht mehr die Hoffnung auf eine glorreiche Zukunft. Er war die Erinnerung an eine nicht so schöne Vergangenheit.

Kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit verletzte sich Stamm-Quarterback Carson Wentz schwer am Knie, Foles musste spielen. Die Eagles-Fans waren verzweifelt. In dieser Football-Welt, die nach ehrgeizigen Superhelden lechzt, hatte dieser Typ erklärt, dass Football in seiner persönlichen Hierarchie nur noch auf Platz drei liege - hinter Gott und der Familie. Wie sollte so einer im Finale bestehen? Wie sollte dieser Zweifler gegen die Spielmacher-Legende Tom Brady bestehen? Brady hatte in einer Dokumentation vor dem Super Bowl gesagt: "Wenn du gegen mich spielst, musst du bereit sein, dein Leben aufzugeben für Football - so wie ich meines dafür aufgegeben habe." Vielleicht aber haben die Eagles gerade deshalb gewonnen, weil sich der wichtigste Spieler nicht hat verrückt machen lassen von all dem Gedöns, das diese Partie umrankt. Foles hat sich nicht ablenken lassen; er hat vor dem Spiel nicht versucht, mit markanten oder gar martialischen Aussagen aufzufallen. Er sei nicht nervös, hat er nur gesagt. Das sagen andere auch vor solchen Spielen - nur hat es bei Foles gestimmt. Er hat diese Partie als das betrachtet, was sie letztlich ist: ein Spiel. Er wird nun weitermachen, vielleicht als Ersatzmann der Eagles, vielleicht als Stammspieler bei einem anderen Verein. Das hat er noch nicht entschieden. Eins aber weiß er schon: Nach der Profikarriere will Foles Geistlicher an einer Schule werden.

© SZ vom 06.02.2018/cat
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