Virtual Reality im Sport Wenn das Stadion ins Wohnzimmer kommt

Auf der Technikmesse CES in Las Vegas testen Besucher Virtual-Reality-Brillen. Sieht so der Stadionbesuch der Zukunft aus?

(Foto: Jae C. Hong/dpa)
  • Fußballstadien könnten sich in Zukunft drastisch verändern - nicht nur der Größe nach, sondern auch nach ihrer sozialen Komponente.
  • Diverse Projekte der viruellen Realität sehen vor, dass der Fan gar nicht mehr ins Stadion gehen muss, um ein Live-Erlebnis zu haben.
Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Nischni Nowgorod, Wolgograd, Samara - dass diese Spielorte der Fußball-WM 2018 bald noch mal ins Zentrum des internationalen Interesses rücken werden, ist unwahrscheinlich. Zwar stehen dort hochmoderne Stadien. Aber die Klubs der Städte spielen in unterklassigen Ligen. "Was wird Russland mit seinen gigantischen WM-Stadien anfangen?", fragte kürzlich auch die Moscow Times - und zitierte den Sportminister der Region Samara mit den Worten: "Das entscheiden wir später." Es würden wohl auch in Russland einige "weiße Elefanten" zurückbleiben, prognostiziert die Zeitung, also ungenutzt vor sich hin rottende Arenen, wie auch in Südafrika und Brasilien.

Wird das eigentlich immer so weitergehen? Das nächste Sportereignis, die nächsten gigantischen Arenen? Oder wie sieht das Stadion der Zukunft aus?

Die Frage ist auch deshalb interessant, weil es gegensätzliche Antworten gibt, je nachdem, wen man fragt. Die einen prognostizieren noch größere und technologisch noch faszinierendere Prachtarenen als jene, die gerade für fünf Milliarden Dollar im Hollywood Park von Los Angeles gebaut wird. Die Footballvereine Rams und Chargers sollen dort ihre Heimspiele austragen, womöglich findet dort das Finale der WM 2026 statt, ganz sicher die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2028. Es gibt aber auch Leute, die behaupten, dass diese Arena mit Platz für mehr als 100 000 Zuschauer einer der letzten Monsterpaläste sein könnte.

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"Die Konkurrenz zu einem Besuch in der Arena sind nicht andere Sportarten oder Veranstaltungen, sondern vielmehr die Geräte im Wohnzimmer", sagt Partha Narasimhan. Er ist der Technikchef des IT-Unternehmens Aruba Networks, das zum Beispiel für die Vernetzung der futuristischen Arena in San Francisco, den Neubau des Fußballstadions der Tottenham Hotspur in London und die Modernisierung des Camp Nou in Barcelona verantwortlich gewesen ist: "Wir müssen die Leute aus dem bequemen Wohnzimmer locken."

Was künftig im Wohnzimmer passieren könnte, das war bereits vor eineinhalb Jahren auf der Technologiemesse CES in Las Vegas zu bestaunen. Wer sich dort eine Virtual-Reality-Brille aufsetzte, der wähnte sich plötzlich in der Basketballarena der Villanova University. Auf Höhe der Mittellinie, direkt neben dem Spielfeld, bei einer Partie gegen die Butler Bulldogs. "Live-Übertragungen von Sportereignissen sind der Massenmarkt-Katalysator für die Brillen", rief Brian Krzanich, Chef des Chipherstellers Intel, den Leuten damals zu: "Was wir heute sehen, ist nur ein Teil dessen, was bald möglich sein wird."

Die gar nicht mal so versteckte Botschaft: Warum sollte jemand so verrückt sein, Milliarden von Dollar für riesige Stadien auszugeben, wenn der Zuschauer das alles auch von daheim aus erleben kann? Die Atmosphäre ist in einer intimeren Arena ohnehin intensiver, warum also nicht deutlich kleinere Stadien bauen wie etwa die gerade erst eröffnete Heimstätte des Fußballklubs LAFC im Stadtzentrum von Los Angeles? 22 000 Leute passen rein, der Rest kann schon bald über virtuelle Realität vom Wohnzimmer aus mitfiebern.

"Solange die Stimmung in der Arena dadurch nicht getrübt wird, bin ich ein Fan dieser Technologie", sagte kürzlich der Milliardär Mark Cuban, Besitzer des Basketballvereins Dallas Mavericks, "und wenn 10 000 Menschen je drei Dollar für einen virtuellen Platz in der ersten Reihe bezahlen, dann verzichte ich gerne auf die 300 Dollar, die ich sonst einnehmen würde."

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"Das kann irgendwann passieren. Ich glaube jedoch nicht, dass es so schnell gehen wird, wie viele Optimisten behaupten", sagt Partha Narasimhan: "Wir haben bestimmt noch mehr als 20 Jahre, in denen Menschen ins Stadion gehen werden - so lange wir den Besuch zu einem einmaligen Erlebnis werden lassen."