Gehirn in der Sportmedizin:Der Fußball geht zu sorglos mit Kopfverletzungen um

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Gehirn in der Sportmedizin: Wiederholte Einwirkungen auf den Kopf: Marokkos Achraf Hakimi (links) gegen Kanadas Jonathan Osorio im Kopfballduell.

Wiederholte Einwirkungen auf den Kopf: Marokkos Achraf Hakimi (links) gegen Kanadas Jonathan Osorio im Kopfballduell.

(Foto: Manu Fernandez/dpa)

Eine neue Studie liefert Erkenntnisse, wie sich wiederholte Kopfbälle auf die kognitive Gesundheit von Profifußballern im Alter auswirken. Es ist die erste Untersuchung dieser Art.

Von Celine Chorus

Verletzungen lassen sich im Sport nicht vermeiden. Und wie bei allen Kontaktsportarten kann es auch im Fußball zu Erschütterungen des Schädels kommen. Mit Kopfverletzungen wird aber noch immer zu sorglos umgegangen, obwohl wissenschaftliche Studien belegen, dass sie langfristige Schäden hinterlassen können. So kann es bei starken Stößen, aber auch leichten, wiederholten Schlageinwirkungen gegen den Kopf zu erheblichen Beeinträchtigungen des Gehirns und damit des zentralen Nervensystems kommen.

Das sind zunächst keine neuen Erkenntnisse. In Studien wurde längst nachgewiesen, dass ehemalige Fußballer ein erhöhtes Risiko haben, eine neurodegenerative Erkrankung zu erleiden. Eine Untersuchung der Universität Glasgow hat 2019 Hinweise geliefert, dass ehemalige Profis ein dreieinhalbmal höheres Risiko haben, an Demenz zu sterben. Das hat in England dazu geführt, dass Spieler seit der Saison 2021/22 im Training nur noch zehn Kopfbälle mit höherer Wucht pro Woche ausführen dürfen.

Eine am Freitag veröffentlichte Studie liefert nun weitere Erkenntnisse, wann ehemalige Fußballer beginnen, Anzeichen einer verschlechterten Gehirngesundheit zu zeigen. Im Gegensatz zur schottischen Studie, die auf Sterbeurkunden basierte, verfolgten Forscher an der Universität von East Anglia erstmals Veränderungen im Gehirn lebender Menschen. Für die Studie "Screening Cognitive Outcomes after Repetitive Head Impact Exposure" - auch SCORES genannt - hat das Team um den leitenden Forscher Michael Grey 75 männliche Ex-Fußballer mit Nicht-Fußballern verglichen.

Im Rahmen der Untersuchung wurden sie auf frühe Anzeichen einer kognitiven Dysfunktion getestet. Diese können laut Grey erkannt werden, lange bevor Gedächtnisprobleme oder andere Symptome von neurodegenerativen Erkrankungen auftreten. Dabei kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass ehemalige Profifußballer von einem Alter von 65 Jahren an mit größerer Wahrscheinlichkeit eine schlechtere Gehirngesundheit haben als die allgemeine Bevölkerung.

Negative Auswirkungen auf den Kopf treten erst in höherem Alter zutage

So haben die ehemaligen Profis in der Altersgruppe der 40- bis 50-Jährigen etwas besser abgeschnitten als die normale Gruppe. In Tests zu Reaktionsgeschwindigkeit, Exekutivfunktionen, also der Kontrolle und Selbstregulierung des eigenen Verhaltens, sowie räumlicher Navigation erzielten die Fußballer vom 65. Lebensjahr an jedoch ein schlechteres Ergebnis.

Dies sind frühe Warnzeichen für eine Verschlechterung der Gehirngesundheit und lassen darauf schließen, dass die Auswirkungen wiederholter Kopfverletzungen ab diesem Zeitpunkt stärker auf das Gehirn einzuwirken scheinen. "Dies zeigt uns, dass die mit dem Fußballspielen verbundene Bewegung gut für das Gehirn ist, die negativen Auswirkungen des Kontaktsports jedoch erst später im Leben auftreten", erklärt Grey.

Die Gehirngesundheit der Teilnehmer soll auch in den nächsten Jahren beobachtet werden. Zudem wollen die Forscher untersuchen, wie sich Kontaktsportarten auf die Gehirngesundheit von Frauen sowie Amateur- und Freizeitsportlern auswirken. Damit sich ein klares Bild von den möglichen Schäden ergibt, die durch Kopfbälle verursacht werden - und sich der Umgang mit Kopfverletzungen im Fußball ändert.

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