Serie A "An Ancelottis Fähigkeiten kann nur zweifeln, wer nichts von Fußball versteht"

Ancelotti hatte man einen Posten als Nationaltrainer angeboten - er lehnte dankend ab. In Neapel verdient er fünf Millionen Euro im Jahr, sechs wären es mit Prämien, natürlich alles netto. So viel hätte der Verband ihm nie bieten können: Tengo famiglia. Gut möglich also, dass Ancelotti auch mit 77 noch trainiert, vielleicht das Nationalteam von Irland, in den Fußstapfen von Giovanni Trapattoni, heute 79.

Das fürstliche Gehalt macht Carletto zur Nummer zwei, nur Massimiliano Allegri von Juventus verdient mit sieben Millionen noch ein wenig mehr. Allegri hat mit Juve vier Meistertitel und vier Pokale in Serie geholt, er stand zwei Mal im Champions-League-Finale und trainiert jetzt Cristiano Ronaldo, den prominentesten und teuersten Zugang der Serie A. Der Ronaldo von Neapel heißt Carlo Ancelotti, um die Mannschaft mit überragenden Spielern zu erweitern, reicht das Geld nun nicht mehr. "Auch mit einem ganz neuen, von ihm selbst zusammengestellten Kader hätte er mindestens zwei Monate gebraucht, um eine funktionierende Mannschaft zu formen", argumentiert Klub-Boss De Laurentiis. "Jetzt hat er Spieler, die schon eine ganze Weile bei uns sind und wissen, wie es geht. Und an Ancelottis Fähigkeiten kann nur zweifeln, wer nichts von Fußball versteht. Der hat überall gewonnen, warum soll das in Neapel anders sein?"

Ernüchternde Ergebnisse in der Vorbereitungsphase

Klingt beunruhigend beruhigend. Tatsächlich muss der so gepriesene Heilsbringer erst mal deftige Niederlagen verdauen. Ein 1:3 gegen den VfL Wolfsburg und ein 0:5 gegen den FC Liverpool, die Testspiele des Sommers verliefen nicht besonders vielversprechend. An der Abwehr, ließ der neue Coach wissen, müsse man noch entschieden werkeln. Zum Saisonauftakt am Samstag wartet Lazio Rom mit dem Torjäger Ciro Immobile. Ein Glück, dass wenigstens ein routinierter Torwart eingetroffen ist, der Kolumbianer David Ospina, 30, wenn auch in buchstäblich letzter Minute. Ospina kommt als Leihgabe vom FC Arsenal, nachdem das italienische Nachwuchstalent Alex Meret, 21, verletzt ausgefallen ist und der griechische Nationaltorhüter Orestis Karnezis bei den Testspielen eine verzweifelte Figur abgegeben hatte.

Wird schon werden. Ein Meistertitel reicht ja, von der Champions League können sie in Turin weiter träumen, in Neapel, wo es schon ein Drama ist, das marode Stadion mit neuen Plastiksitzen auszustatten, ist man davon Lichtjahre entfernt. "Es ist wunderbar, endlich wieder auf Italienisch zu trainieren", tröstet sich Ancelotti, der nach dem plötzlichen Aus in München neun Monate pausierte. Er könne sich so doch einfach viel besser ausdrücken. Wie heißt es in einem alten neapolitanischen Schlager? "Es reicht doch, dass die Sonne scheint, dass uns das Meer geblieben ist. Wir sind in Neapel, Landsmann!" Und wir haben Familie.

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