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Abschied von Steffen Baumgart in Paderborn:Lust auf was Süßes

Steffen Baumgart (Trainer / Chef-Trainer SC Paderborn 07) in Coachingzone / an Seitenlinie, 19.12.2020, Stadion an der B

"Ich habe keine Kriterien: nicht Land, nicht Liga, nichts Finanzielles und keine Vertragslaufzeit", sagt Steffen Baumgart, 49. Ob es für ihn in der Bundesliga weiter geht?

(Foto: Martin Ewert/Foto2Press/Imago)

Nach vier intensiven Jahren kündigt Trainer Steffen Baumgart seinen Abschied vom Zweitligisten SC Paderborn an. Er blickt voller Stolz zurück und sagt, er sei "offen für alles".

Von Ulrich Hartmann

Der SC Paderborn hatte in den vergangenen zehn Jahren manchen bekannten Trainer: André Schubert, Roger Schmidt, André Breitenreiter und Stefan Effenberg. Doch nie schien einer besser zum sympathischen Heimatklub gepasst zu haben als Steffen Baumgart. Der gebürtige Rostocker und Wahl-Berliner verkörperte ostwestfälische Mentalität (raue Schale, weicher Kern) und brachte der Stadt den schönsten Fußball jemals.

Aus der dritten Liga führte er den Klub für ein Jahr in die Bundesliga. Zuletzt etablierte er ihn im Mittelfeld der zweiten Liga. Im Mai geht die Fußball-Romanze nun aber zu Ende. Am Donnerstag hat Baumgart mitgeteilt, seinen auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern.

"Ich habe nach vier Jahren das Gefühl, einen neuen Weg gehen zu wollen", sagte Baumgart in einer Pressekonferenz. "Man hat im Fußball viele, viele Möglichkeiten", umschrieb der 49-Jährige seinen Job wie einen Bummel entlang des Süßwaren-Regals. Er will sich auch noch nicht entschieden haben. "Ich hatte mit keinem Verein Kontakt, ich habe noch keine Gespräche geführt, ich habe noch nichts Neues", sagte er. Er sei für alles offen. "Ich habe da auch keine Kriterien: nicht Land, nicht Liga, nichts Finanzielles und keine Vertragslaufzeit."

"Auch in 20 Jahren wird man noch sagen: Paderborn war mal in der Bundesliga und hat geilen Fußball gespielt."

Es sei eine gute Zeit, um sich "überraschen zu lassen", wie Baumgart seine Position in Erwartung interessanter Angebote nennt. Allein im Westen gibt es mehrere vakante (teils wahrscheinlich vakante) Stellen: Mönchengladbach sucht, und auch in Leverkusen, Köln, Schalke und Düsseldorf könnten Posten neu zu besetzen sein. Warum er Paderborn verlässt, obwohl der Klub unbedingt mit ihm verlängern wollte, wurde Baumgart gefragt. "Weil es mir nicht um einen sicheren Job geht", hat er geantwortet, "sondern um den richtigen."

In Paderborn kann er sein Standing kaum weiter verbessern. Hier hat er bereits Helden-Status. "Steffen Baumgart hat sich in Paderborn ein sportliches Denkmal gesetzt", sagt der Sportdirektor Fabian Wohlgemuth. Baumgart selbst sagte nach dem Abstieg aus der Bundesliga: "Das kann Paderborn niemand mehr nehmen. Wie viele Städte sind überregional durch den Fußball bekannt? Auch in 20 Jahren wird man noch sagen: Paderborn war mal in der Bundesliga und hat geilen Fußball gespielt."

Im April 2017 hatte Paderborns damaliger Sportdirektor Markus Krösche beschlossen, dass Baumgarts geradliniger Offensivfußball perfekt zum Klub passt. Den sportlichen Abstieg aus der dritten Liga konnte Baumgart nicht mehr verhindern, aber man blieb trotzdem drittklassig, weil 1860 München seine Lizenz verlor. Binnen zwei Jahren führte Baumgart Paderborn in die Bundesliga. Sein Credo: "Unser Fußball soll Spaß machen. Die Leute sollen darüber reden. Sie sollen sich nicht langweilen." Keine schlechte Referenz für Angebote.

© SZ/bek
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