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Transfers des FC Bayern:Sané plus zwei?

Rottach Egern Deutschland 08 08 2019 Freundschaftsspiel Testspiel FC Bayern Muenchen FC Rotta; Salihamidzic

Gute Laune bei Müller, Kimmich, Goretzka, Sorgen bei Hasan Salihamidzic. Der FC Bayern am Tegernsee.

(Foto: imago images / eu-images)
  • Der FC Bayern braucht nach der Verletzung von Leroy Sané ein paar neue Überlegungen in Sachen Transfers.
  • Im Zentrum steht die Frage, ob man einen teuren Spieler will, der lange fehlen wird?
  • Und es geht darum, wer neben Leroy Sané noch kommen könnte.

Hasan Salihamidzic legte die Hände hinter dem Rücken übereinander, er wippte von einem Bein auf das andere, wischte sich mit der Zunge über die Lippen. Der Sportdirektor des FC Bayern München wirkte wie ein Mann, der ein Gedicht vortragen will.

Wenige Minuten zuvor war die Sonne hinter den Bergen rund um den Tegernsee verschwunden, über dem Fußballplatz von Rottach-Egern hatte sich rasch die Temperatur herabgekühlt, der Stadionsprecher wünschte den Zuschauern nach diesem 23:0 des FC Bayern gegen den FC Rottach-Egern einen guten Heimweg. Außerdem waren ein paar Fans zu hören, die sich nicht auf den Heimweg machen wollten, so lange nicht, bis sie ein Foto, ein Autogramm oder ein Lächeln ihres Lieblingsspielers bekommen hatten. Es war also ein ungewöhnlicher Rahmen, um ein Gedicht vorzutragen.

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Hasan Salihamidzic aber sagte dann auch nicht Schillers "Handschuh" ("Vor seinem Löwengarten/Das Kampfspiel zu erwarten/Saß König Franz ...") auf, auch nicht Rilkes "Panther" ("Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe/so müd geworden, dass er nichts mehr hält./Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe/und hinter tausend Stäben keine Welt"), obwohl beides nicht unpassend gewesen wäre in der aktuellen Situation des Vereins.

Stattdessen sagte Salihamidzic eine Art modernes Gedicht auf, wenige Worte nur, die aber alles über die Situation sagten, in der sich der FC Bayern gerade befindet. Der Sportdirektor sagte: "Ich hoffe/dass ihr alle Verständnis habt/dass wir uns dazu nicht äußern werden."

Am Donnerstagabend, an dem Salihamidzic diese Zeilen drei Mal wiederholte, immer wieder auf andere Fragen hin, lag ein aufwühlender Tag hinter ihm. Seine Sätze vor den Journalisten waren dafür beachtlich ruhig, freundlich und verständnisvoll. Der Donnerstag war der Tag, an dem der FC Bayern erfahren hat, dass der Spieler, für den der Klub so viel Geld ausgeben wollte wie noch für keinen anderen Fußballer in der Vereinsgeschichte, sich schwer verletzt hat, operiert werden muss und monatelang ausfallen wird.

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In einer Transferperiode, in der sich der FC Bayern durch fehlendes Gespür manchen Wechsel bereits erschwert hat, zeigte Salihamidzic also an diesem Abend viel diplomatisches Geschick.

Erste Übung: den Verhandlungspartner nicht verprellen. Also sagte Salihamidzic über den umworbenen Leroy Sané, der nächste Woche nach einem Kreuzbandanriss operiert werden muss: "Grundsätzlich ist er ein Spieler von Manchester City, und zu den Spielern, die bei den anderen Klubs unter Vertrag stehen, äußern wir uns nicht." Zweite Übung: Sané aufmuntern! Also sagte Salihamidzic mitfühlend: "Ich bin aber - klar! - traurig und bedauere das sehr, dass Leroy sich schwer verletzt hat, und ich wünsche ihm gute Besserung." Auf Nachfragen, ob der FC Bayern Sané immer noch verpflichten wolle und was die Diagnose für weitere Transfers bedeute, sagte der Sportdirektor eben stets: "Ich hoffe, dass ihr alle Verständnis habt, dass wir uns dazu nicht äußern werden."

Und so endete ein weiterer Tag in dieser Transferperiode, ohne dass der FC Bayern einen Zugang verkünden konnte.

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Der Tag endete allerdings auch nicht damit, dass Salihamidzic verkündete, dass der Klub einen Spieler, nämlich Sané, nicht verpflichten werde. Auch nach der OP-Nachricht ist es weiter gut vorstellbar, dass der FC Bayern seinen Wunschspieler kaufen will, fraglich ist jedoch, für welchen Preis. City hatte intern 150 Millionen Euro als Minimalablöse aufgerufen, diese Summe werden die Münchner nun kaum noch zahlen. Ohnehin ist aus Manchester zu vernehmen, dass der FC Bayern noch kein offizielles Sané-Angebot hinterlegt habe. Und so geht es für Salihamidzic und die anderen Mitglieder im Verhandlungsteam der Bayern vorerst darum, City und Sané mit dessen kompliziertem Beratergespann nicht zu verärgern.

Nach der Diagnose vom Donnerstag geht es außerdem auch verstärkt darum, wie der Klub die vergangenen Monate, in denen er sich um Leroy Sané bemüht hatte, genutzt hat, um weitere Verpflichtungen vorzubereiten.

Sané plus zwei, das hatte Robert Lewandowski unter der Woche als Formel für die weiteren Transferbemühungen ausgegeben. Der Torjäger gilt als einer, der mit seinen Aussagen gezielt Politik machen will - und als einer, der schlechte Laune bekommen kann, wenn seine Wünsche nicht erfüllt werden. Die Baustellen im Kader waren in der ersten Saison nach der Ära Ribéry/Robben seit Monaten bekannt; dass Lewandowski sie jetzt öffentlich benennt (ein weiterer Außenstürmer, ein zentraler Mittelfeldspieler), spricht dafür, dass er nicht mehr viel Geduld hat.

Wer auch immer die zwei anderen sein könnten, das Verblüffende ist ja bereits jetzt: Alle kommen erstaunlich spät. Am Montagabend spielt der FC Bayern im Pokal in Cottbus, am nächsten Freitag startet er mit dem Heimspiel gegen Hertha BSC in die Bundesligasaison. Von den insgesamt fünfeinhalb Wochen an Vorbereitung bleiben also nur noch wenige Trainingseinheiten übrig.