Wayne Rooney in Birmingham entlassen:Als Spieler eine Ikone, als Trainer am Tiefpunkt

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(Foto: James Heaton/News Images / imago)

Der Stürmer Rooney war treffsicher aus allen Lagen, aber als Coach gelingt dem 38-Jährigen wenig. Beim Zweitligisten Birmingham City ist für ihn nach 83 Tagen schon wieder Schluss, weil das Team unter seiner Regie in der Tabelle um 14 Plätze abgerutscht ist.

Von Sven Haist, London

Vermutlich ist es die einzig richtige Entscheidung, dass Wayne Rooney, 38, kurz nach seiner Entlassung beim Zweitligisten Birmingham City am Dienstag in einem Schreiben auf Instagram ankündigte, sich nun eine Auszeit zu nehmen. Denn die Trainerkarriere des früheren Kapitäns der englischen Fußball-Nationalmannschaft ist bisher eine Gegendarstellung zu seiner überaus erfolgreichen Zeit als Spieler.

Als einer der seinerzeit jüngsten Profis überhaupt debütierte Rooney 2002 bereits mit 16 für den FC Everton in der Premier League - und wurde dort der jüngste Torschütze der Ligageschichte. Kurz darauf wechselte er im Alter von 18 Jahren zu Manchester United, mit dem Rekordmeister gewann er insgesamt fünf Ligatitel und die Champions League. Trotz ausbleibender Erfolge mit dem Nationalteam gehört Rooney heute zu den angesehensten Angreifern Englands. Er schoss 53 Tore in 120 Länderspielen, nur der Torwart Peter Shilton hat fünf Partien mehr für England bestritten. Rooneys Markenzeichen auf dem Platz war die Treffsicherheit aus allen Lagen. Doch die ist ihm bei der Auswahl seiner Stationen als Trainer bisher abhandengekommen.

Nach weniger als drei Monaten, gerade mal 83 Tagen, ist Rooney nun in Birmingham freigestellt worden. In 15 Spielen erlitt er neun Niederlagen - bei nur zwei Siegen. Damit, das lässt sich kaum anders ausdrücken, führte er den Zweitligisten vom sechsten auf den 20. Platz der Tabelle, er ist nur noch sechs Punkte vom ersten Abstiegsplatz in der riesigen 24er-Liga entfernt. Birmingham City teilte kurz angebunden mit, die Zusammenarbeit sei "nicht wie geplant" verlaufen, die Resultate hätten "nicht den Erwartungen" entsprochen. Die Neubesitzer des Klubs, angeführt vom Hedgefonds-Manager Tom Wagner, hatten zuvor im Herbst den beliebten Trainer John Eustace überraschend entlassen, im Anschluss an einen überzeugenden Sieg. Ihnen schien es damals nicht schnell genug nach oben gehen zu können, und jetzt ging es tatsächlich schnell. Aber nach unten.

Erst kurz vor seinem Einstieg in Birmingham war Rooney in Washington gescheitert.

Die Ausgangslage hatte sich für Rooney eigentlich überhaupt nicht geeignet, um als neuer Coach in Birmingham einzusteigen. Doch er sagte zu, vermutlich, weil er als Spieler immerzu jede Herausforderung gemeistert hatte - und wohl auch, weil er nach 20 Jahren im Fußball-Dauerdienst das Gefühl gar nicht mehr kennt, mal irgendwann nicht irgendwo unter Vertrag zu stehen. Nur wenige Tage vor seinem Birmingham-Engagement war Rooney durch das Verpassen der Playoffs beim MLS-Klub D.C. United in Washington gescheitert. Nach dem Ende seiner Profilaufbahn hatte er direkt den Chefposten beim englischen Zweitligisten Derby County übernommen. Das abstiegsgefährdete Derby hielt Rooney zunächst in der Liga, doch nach der Folgesaison löste er den Vertrag auf. Der Verein hatte Insolvenz anmelden müssen und stieg ab.

In Birmingham erlebte die einstige Stürmer-Ikone Rooney nun den bisherigen Tiefpunkt als Trainer. An Weihnachten, nach einer weiteren Heimniederlage gegen Stoke City, hatte er in seiner typisch unverstellten Art geschimpft, dass er am liebsten "alle Spieler zur Halbzeit ausgewechselt" hätte. Diese Aussage war wohl eine vorzügliche Kurz-Zusammenfassung seiner turbulenten Amtszeit. In seinem Abschiedsstatement deutete Rooney an, dass er sich mehr Zeit vom Verein erhofft hätte - aber das hätte die Situation wahrscheinlich nur noch schlimmer gemacht.

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